1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Hans Meyers EM-Kolumne: Man darf nicht Wurst mit Schinken vergleichen

Hans Meyers EM-Kolumne: Man darf nicht Wurst mit Schinken vergleichen

Wie mein Abgang in Mönchengladbach ist auch der von Rudi selbstbestimmt, auch wenn er bei mir mit 14 Tagen Verspätung kam. Es sind die gleichen Beweggründe.

Er kann schlecht damit umgehen, wenn in seiner Umgebung, in der Öffentlichkeit, im Präsidium, in der näheren Umgebung - eben den Spielern - die volle Unterstützung nicht mehr da ist - nachvollziehbar. Hundertprozentig überzeugen aber können mich die Argumente nicht.

Denn in der Fachwelt in Deutschland hätte man ihm noch weiter die Stange gehalten, Riesenteile des Publikums haben nicht an ihm gezweifelt. Die Zeitungen, die Unzufriedenheit schürten, waren in der Minderheit. Das war nicht dramatisch.

Zudem hat die deutsche Mannschaft nicht so schlecht gespielt, dass die Frage nach der Motivation und nicht nach der fehlenden Klasse gestellt werden müsste. Aber offensichtlich ist Rudi Völler sehr viel empfindlicher als er nach außen wirkt und sich gibt.

Ein einziges Argument würde wirklich ziehen: Dass er klare, aber unausgesprochene Zweifel an der Stärke der deutschen Mannschaft im Hinblick auf 2006 besitzt. Dieses Vertrauen besitze ich auch nicht wirklich.

Es bleiben nur noch anderthalb Jahre. Viel zu wenig. In der Vorbereitung hat man verpasst, die EM beim Aufbau einer neuen Mannschaft als Zwischenstation zu wählen, ähnlich wie Spanien.

Hoffnungsträger für 2006? Bei Podolski bin ich mir nicht hundertprozentig sicher. Rooney kenne ich schon seit zwei Jahren, Podolski erst seit einem halben Jahr. Da darf man nicht Wurst mit Schinken vergleichen. Jung als Selbstzweck, das ist es nicht.

Es ist richtig positiv, wie unser kleener Rechtsfuß Lahm auf der ungeliebten linken Seite gewirbelt hat. Aber schon bei Schweinsteiger, der einiges nur zum Selbstzweck macht, und Podolski möchte ich große Fragezeichen machen. Auch wenn sie gute Ansätze zeigen. Aber ob das ausreicht?

Jeder Stürmer, der neben Kuranyi gespielt hat, hat eher Fragezeichen aufgeworfen. Das war mit Bobic genauso wie bei Hertha: Ihn kannst du nur gebrauchen, wenn du dich in der gegnerischen Hälfte festgesetzt hast.

Aber gegen Lettland und auch Mittwoch in der ersten Hälfte gegen Tschechien war es das typische Erscheinungsbild: Wir waren immer hinten in der Überzahl, die Wege nach vorne waren viel zu weit. Und dass, obwohl gerade auch ein Friedrich seine Stärken im Spiel nach vorne hat.

Und wenn Torsten Frings auch noch als verkappter Außenverteidiger agiert, liegt das nicht an Rudi. Der wird ihm was anderes gesagt haben. Der kann nichts dafür, dass Frings eine katastrophale EM spielt.

Rudi hat das erkannt und zur Halbzeit rechtzeitig reagiert. Aber knapp anderthalb gute Spiele reichen eben nicht aus, wenn man in einer Gruppe mit Gegnern wie Tschechien und Holland spielt.

Das hat auch nichts zu tun mit der Frage, drei Spitzen oder nur eine? Wohl aber mit der Frage, wo ich anfange, den Gegner zu bekämpfen? Das gehen wir viel zu defensiv, viel zu weit hinten an.

Das ist aber nicht Rudis Schuld, sondern liegt daran, wie wir in Deutschland Fußball spielen. Die Null muss stehen, das ist der Tod jeder Kreativität. Rudi geht eben nur mit dem um, was wir in den letzten Jahrzehnten ausgebildet haben.