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Nürnberg: Hans Meyer: „Wer will mir denn was?”

Nürnberg : Hans Meyer: „Wer will mir denn was?”

Er galt nach den Absagen von und an Peter Neururer und Lothar Matthäus und den Spekulationen um Jürgen Röber, Jörn Andersen nicht als erste Wahl: Hans Meyer wurde überraschend neuer Trainer des 1. FC Nürnberg, dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga.

„Die fünfte oder sechste Wahl zu sein, ist kein Problem für mich. In Mönchengladbach hat mir seinerzeit ein Boulevard-Journalist gesagt, ich sei die zwölfte Wahl. Dabei war ich in Wirklichkeit die elfte”, scherzte der 63-Jährige. Mit Hans Meyer sprach unser Redakteur Bernd Schneiders.

Sie haben Ihre Zusage nicht auf die Mailbox des Managers gesprochen?

Meyer: Nein, nein, ich war schon selbst da und habe mit Martin Bader gesprochen.

Viele sind überrascht, dass Sie Ihren „Ruhestand” aufgegeben haben. Waren die Dornen der Rosen zu spitz?

Meyer: Ich fühle mich einfach gut. Suchen Sie sich was aus: Entweder kann Hans Meyer nicht auf die Öffentlichkeit verzichten, oder er ist geldgierig ohne Ende, oder die Decke ist ihm zu Hause auf den Kopf gefallen. Oder der Teppichhändler hat entdeckt, dass bei mir daheim keine Teppiche liegen, oder Hertha-Manager Dieter Hoeneß benötigt das Geld, was er für meine Arbeit als Scout nun einspart, für Transfers, oder ...

Halt, halt, das reicht. Noch überraschter sind viele, dass Sie sich für Ihr Comeback ausgerechnet Nürnberg ausgesucht haben.

Meyer: Wieso?

Die Franken gelten schon als besonderes Völkchen, und der Club-Präsident Michael A. Roth, nun, sagen wir mal, als nicht gerade einfach ...

Meyer: Ich habe ihn in den zwei Gesprächen - natürlich ohne Stress - als netten Menschen kennengelernt. Und der Teppich, den er mir geschenkt hat, ist wirklich etwas Besonderes: pure Seide. Der kommt an die Wand, da tritt mir keiner drauf.

Doch als Chef ist Roth nicht so ganz ohne ...

Meyer: Ich halte nichts von Klischees. Das sehe ich nicht so verkniffen. Ich würde ihn nie kritisieren, wenn es sich um Dinge aus seinem Geschäft handelt. Um Teppiche also. Zudem würde ich mit keinem Präsidenten der Welt Probleme haben. Sie könnten nur meine Leistung kritisieren - und das ist ganz normal.

Das ist die Gelassenheit des Alters?

Meyer: Ich übernehme den Club auf dem 18. Platz. Wer will mir denn was? Vielleicht die Öffentlichkeit, wenn ich bis Weihnachten sechs Mal verloren habe. Aber ich habe kein Problem mit Kritik und Motzen, das aus Liebe zum Klub geschieht. Michael A. Roth ist ein Fußballverrückter.

Peter Neururer hat abgewunken, weil er den Klassenerhalt als ein Himmelfahrtskommando ansieht. Sie auch?

Meyer: Ich weiß nicht, was dabei ehrlich und was Taktik war. Wenn er anderthalb Tage später bei Hannover zusagt, hat da möglicherweise schon was geschwelt, und er saß bereits tiefer im Sattel. Ich sehe Nürnberg personell nicht schlechter bestellt als Köln, Bielefeld, Duisburg, Mainz und Frankfurt, auch wenn die besser stehen als wir. Natürlich habe ich keine Garantie für die Erste Liga gegeben. Es wird darum gehen, zeitig zu erkennen, wo einiges nicht gepasst hat. Ich halte Wolfgang Wolf für einen guten Trainer, aber irgendwo hats geklemmt und das müssen wir wieder gangbar bekommen.

Hätte es Sie nicht mal gereizt, zum krönenden Abschluss einen großen Klub zu trainieren?

Meyer: Das sind Träume, die ich aufgegeben habe. Solche Klubs suchen jüngere Leute mit Namen und möglichst langfristiger Bindung.

Ist Hannover nicht näher an Ihrer Heimat Bad Hersfeld als Nürnberg?

Meyer: Nee, das tut sich nichts. Aber da gab es keinen Kontakt.

Auch DFB-Chef Theo Zwanziger wollte Sie engagieren. Warum haben Sie sich für Nürnberg entschieden?

Meyer: Dort wäre es um eine Arbeit als Koordinator im Nachwuchsbereich, um Trainingsinhalte und Lehrweisen gegangen. Ich habe aber das gewählt, was ich ein Leben lang gemacht habe: auf dem Platz zu stehen. Zudem werde ich für sieben Monate gut entlohnt, meine Arbeit ist ablesbar, und ich stehe in der Öffentlichkeit. Beim DFB wäre es eine langfristige Arbeit gewesen, die weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit geschehen wäre.

Hätten Sie denn noch mal gerne in Mönchengladbach gearbeitet?

Meyer: Nein, man soll nie dorthin zurückkehren, wos richtig schön war.