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Rom: Große alte Dame wird fieses korruptes Weib

Rom : Große alte Dame wird fieses korruptes Weib

Im größten Skandal des italienischen Fußballs steht Rekordmeister Juventus Turin vor einem ruinösen Absturz in die Zweitklassigkeit. Aberkennung des Meistertitels, Zwangsabstieg und Ausschluss aus der Champions League würden Juve nach Schätzungen von Finanzexperten über 300 Millionen Euro kosten.

Mit Verhören und Durchsuchungen setzten die Staatsanwälte die Jagd auf Italiens Fußball-Mafia fort. WM-Schiedsrichter Massimo De Santis wurde von Italiens Fußballverband für die WM in Deutschland zurückgezogen, während Nationaltorhüter Gianluigi Buffon weiter um sein WM-Ticket bangt. „Ja, ich habe auf ausländische Spiele gewettet”, gab der Juve-Keeper gegenüber der Staatsanwaltschaft Turin zu. Seit dem Wettverbot im Herbst 2005 habe er aber nicht mehr gespielt. Stimmt dies, würde er mit einem blauen Auge davonkommen. „Ich will unbedingt zur WM”, sagt Buffon.

Für die Drahtzieher der Liga-Manipulation zu Gunsten von Juve ziehen die fünf Staatsanwaltschaften die Schlinge dagegen immer enger zu. Zusammen mit Juve-Manager Luciano Moggi, Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo, dem zurückgetretenen Verbands-Vizepräsidenten Innocenzo Mazzini und den ehemaligen Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Luigi Pairetto hält die Staatsanwaltschaft Neapel De Santis für einen der Köpfe der „kriminellen Vereinigung”. „Das ist alles unwahr”, behauptete De Santis. Die Fahnder sprechen vom „System Moggi”, der ehemalige Präsident des FC Bologna, Giuseppe Gazzoni, redet offen von „Mafia”.

Moggis Methoden sind zweifellos mafiös: Bergamo und Pairetto, denen der FIGC ebenfalls die WM-Akkreditierung entzog, habe Moggi die Schiedsrichter für die Juve-Spiele vorgeschrieben. Die Schiedsrichter anderer Spiele hätten auf Moggis Anweisungen hin gezielt Spieler mit gelben Karten für die nächsten Partien außer Gefecht gesetzt. So soll Moggi die Juve-Gegner geschwächt haben.

Auch offene Gewalt gehörte anscheinend zum Repertoire von „Luky Luciano”. Schiedsrichter Gianluca Paparesti sperrten Moggi und Giraudo nach Juves 2:3-Niederlage bei Reggina Calcio wutentbrannt in der Kabine ein, weil der Unparteiische wohl tatsächlich unparteiisch war. Am Samstag packten Paparesti und seine damaligen Linienrichter-Kollegen acht Stunden lang bei der Staatsanwaltschaft aus. „Hätte ich damals was gesagt, hätte ich nie wieder gepfiffen”, entschuldigte sich Paparesti.

Gegen den damals noch schier allmächtigen „Herrn des Balles” prüft die Staatsanwaltschaft jetzt eine Anklage wegen Freiheitsberaubung. „Die haben uns und 40 Millionen Italiener verarscht”, schimpfte Inter Mailands Trainer Roberto Mancini. „ Man empfinde „tiefen Ekel” über den Fußballskandal, ließ sogar der Vatikan in ungewohnt scharfen Worten verlauten. Die Regierung wird einen kommissarischen Leiter für den Fußballverband bestellen. Bestätigt wurde, dass auch der AC Mailand ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist.