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Gelsenkirchen: Glück auf oder: Schalkes neuer „ganador”

Gelsenkirchen : Glück auf oder: Schalkes neuer „ganador”

Nein, dass er im Blaumann und mit Grubenlampe zur Vorstellung kommt, hatte keiner erwartet. Und auch nicht den Trainingsanzug, den sein Vor-Vorgänger Huub Stevens so liebte.

Dazu legt der neue Schalke-Trainer zu sehr Wert auf Distanz und Respekt, die sich auch im Outfit dokumentieren sollen.

Dass aber Jupp Heynckes es wagte, in einem Jackett anzutreten, das in seiner wenn auch zarten (Groß-)Kariertheit an seinen ehemaligen Kollegen Uli Stielike und dessen legendäre Oberbekleidung als Bundestrainer erinnerte, überraschte schon.

Oder fiel das auch unter den Begriff „Zurück zu den Wurzeln”, den er an diesem historischen Morgen auf Schalke so oft verwandte? „Die Möbel sind noch unterwegs. Ein Sakko konnte ich noch rüberretten”, klärte Heynckes auf.

Einen Fehlgriff der schwerwiegenderen Art glaubt Rudi Assauer ausgeschlossen zu haben: „Ich bin froh, dass es endlich geklappt hat. Ich habe es schon vor 15 Jahren versucht. Aber da hatte er Vertrag in Mönchengladbach.”

Schalkes Manager gilt als Frauen-Typ. Möglicherweise ist auch Iris Heynckes diesem Charme erlegen. Denn laut „Don Jupp” war es seine Ehefrau, die die Entscheidung fällte. „Sie sagte spontan: Das musst Du machen! Und die Frauen haben nun mal das Sagen.”

Den Weg von Bilbao nach Gelsenkirchen aber ebneten schon im Vorfeld Heimatgefühle, die den ursprünglichen Plan, die Karriere in Bilbao zu beenden, mehr und mehr zersetzt hatten.

„Wir haben 22 Mal die Möbelpacker bestellt. Das reicht. In einem gewissen Alter sehnt man sich nach den Wurzeln zurück.” Die liegen eigentlich 140 Kilometer entfernt am Niederrhein.

Doch für den Ex-Borussen stellt diese Distanz kein Hindernis da. „Ich werde in Gelsenkirchen wohnen und leben. Und in Mönchengladbach. Meine Frau und ich werden pendeln.”

Am Sonntag mit Athletic noch im Bernabeu-Stadion von Real Madrid, am Dienstag in der SchalkeArena in Gelsenkirchen-Buer. Jupp Heynckes sieht eine Wahlverwandtschaft.

„Auf Schalke herrscht eine Atmosphäre, die fußballspezifisch ist. Die kenne ich von Bernabeu und auch Bilbao. Und davon lebt man als Fußballer. Hier gibt es ein Publikum, was sehr fordernd ist, hohe Ansprüche hat, aber auch hilft, wenn es sieht, dass professionell gearbeitet wird, und die Mannschaft nach vorne peitscht.”

Da passt es, dass er seine Fußball-Philosophie zwar als erfolgsorientiert definiert, aber mit offensivem Spiel auch „versuchen will, Sympathien zu gewinnen”.

Den Erfolg gibt sein neuer Manager mal so eben mit „unter den ersten Fünf” vor. Um ohne rot zu werden hinzuzufügen: „Er kann hier ohne Druck arbeiten.”

Jupp Heynckes setzt gleich eine seiner goldenen Regeln - „Man muss nach außen mit einer Sprache sprechen” - um und bestätigt den Platzierungswunsch. Nun muss Rudi Assauer nicht einen Schnell-Kurs in Spanisch belegen.

Aber sein Selbstbewusstsein formuliert der Neu-Schalker mit „Ich bin ein ganador, ein Siegertyp”. Und führt die zahlreichen Meisterschaften als Spieler und als Trainer an.

Davon träumt man auf Schalke. Und schwupp-di-jupp erklärt Josef Heynckes denn auch den Weg dorthin. Der geht nicht über die Peitsche.

„Zuchtmeister! Das ist ein Spiel der Medien, ein Klischee. Darüber kann ich nur schmunzeln. Wenn man mit jungen Menschen arbeitet, muss man bestimmte Regeln und Normen vorgeben. Aber man kann heute nicht mehr mit Verboten arbeiten, man muss überzeugen.”

Die Überzeugungsarbeit beginnt heute um 10 Uhr. Erstes Training, und sein frommer Wunsch, möglichst schnell die Normalität zu erreichen. Dazu gehören dann auch die restlichen Sakkos.