Mönchengladbach: Gladbachs Reus verblüfft beim 0:0 gegen VfB mit Blitzheilung

Mönchengladbach: Gladbachs Reus verblüfft beim 0:0 gegen VfB mit Blitzheilung

Die Physiotherapeuten in der Fußball-Bundesliga müssen um ihre Jobs zittern. Marco Reus präsentierte beim 0:0 gegen den VfB Stuttgart ein „spielerisches” Allheil-Mittel: den Solo-Lauf! Rezeptfrei, (noch) auf keiner Dopingliste, ohne Nebenwirkungen. Borussia Mönchengladbachs neuer Wirbelwind war schon früh umgeknickt bei einer seiner spektakulären Offensiv-Szenen.

Er krümmte sich vor Schmerzen, sogar Schiedsrichter Günter Perl beugte sich mitleidig und sorgenvoll runter zum 20-jährigen Bundesliga-Frischling. Auch die Behandlung jenseits der Seitenlinie brachte keinen sichtbaren Effekt. Als Humpelstilzchen kehrte er tapfer zurück aufs Feld der Ehre, doch schon bald das „handliche” Zeichen an die Bank: Erlöst mich, nehmt mich runter!

Der Anti-Boateng, doch der Lazarus-Effekt kam in Form eines Anspiels: Der ehemalige Ahlener ließ gleich drei ob der Wunderheilung verblüffte VfB-Profis stehen und verzog nur knapp mit einem fulminanten Schuss.

Adrenalin-Pumpe

Die Pointe blieb Reus verwehrt, das goldene Tor wollte weder ihm noch einem seiner Kollegen gelingen. Aber immerhin hielt der rechte Flügelflitzer, der zuletzt beim HSV so spektakulär und erfolgreich eine Zucker-Kombination abgeschlossen hatte, durch und blieb neben Abwehrchef Dante der auffälligste Borusse. „Das Solo hat soviel Adrenalin in seinen Knöchel gepumpt, dass er keine Schmerzen mehr hatte”, erklärte Max Eberl die scheinbare medizinische Sensation.

Die Wunderheilung im Spiel nach vorn blieb allerdings aus. Sechs zumindest Neunzigprozentige (Reus 4, Matmour, Friend) konnten nicht genutzt werden. Demgegenüber listeten die Statistiker zwei Möglichkeiten für die Stuttgarter auf. Doch VfB-Trainer Markus Babbel mochte nicht einmal angesichts des Pfostenschusses von Zdravko Kuzmanovic (73.) von Pech reden. „Ein Sieg wäre des Guten zuviel gewesen.” Sein Lob für die eigenen Mannschaft war unbewusst das dickste Lob für die Heimmannschaft: „Wir haben gefightet und uns gegen die Niederlage gestemmt.”

Ablesbar daran natürlich auch, dass der VfB noch nicht der der letzten Saison ist. Borussia aber bewies, zumindest in den jeweiligen ersten Dritteln der Halbzeiten, dass sie zum Kombinationsfußball aus der Startphase der Spielzeit zurückgefunden hat. Auch mit Rob Friend, der den verletzten Raul Bobadilla ersetzte. Noch vor wenigen Wochen hatte Michael Frontzeck erklärt: „Mit Friend ist es ein anderes Spiel.” Jetzt aber modifizierte der Borussen-Trainer die Einschätzung. „Schon in Hamburg hat er gezeigt, dass man mit ihm auch kombinieren kann.” Mitunter aber stopfen die eigenen Kollegen den baumlangen Kanadier in die hölzerne Schublade.

Flucht in hoch und weit

Gegen den VfB gab es Phasen, in denen sie die Spiel-Kontrolle verloren und sich darin flüchteten, ihr Spiel und den Sturmtank auf „hoch und weit” zu reduzieren.

Frontzecks Konzept, die Gäste-Abwehr durch die schnellen Reus und Karim Matmour (statt Roberto Colautti) in Verlegenheit zu bringen, ging auf. Nur die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlte. Reus - niederländisch für „Riese” - machte beim Kreieren der Chancen seinem Namen alle Ehre: In der Defensive aber gibt es noch einen Riesen. Dante lieferte erneut eine blitzsaubere Leistung ab. „Überragend”, lobte selbst der sonst so nüchterne Frontzeck. Der Innenverteidiger, der unberechtigt seine erste gelbe Karte kassierte, spielte fehlerlos und gab sich in der Eigen-Schau völlig unbrasilianisch: „Diese Chef-Rolle ist das, was der Trainer von mir erwartet. Und eine solche Leistung erwarte auch ich von mir.”

Zwei Riesen - und ein Phantom im Tor: Logan Bailly musste nicht häufig eingreifen. Dafür aber einmal extrem spektakulär. Mit einem Riesen-Satz fischte der Belgier dem heranstürmenden Pavel Progrebnyak den Ball vom Fuß. Nur fünf Zentimeter kürzer - und der Strafstoß wäre wahrscheinlich gewesen. „Das Risiko musste ich nehmen”, schmunzelte Bailly über seinen gewagten Sprung: „Wie ein Hund.” Eher wie ein Panther, ein belgischer, gesichtet am Samstag um 17.03 Uhr im Borussia-Park: Nun ist auch klar, warum die im Eifelörtchen Lammersdorf entdeckte Großkatze nur ein schwarzer Labrador war.