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Mönchengladbach: Gladbachs geplante Unberechenbarkeit

Mönchengladbach : Gladbachs geplante Unberechenbarkeit

Testspiele heißen sie, doch speziell die ersten in einer Vorbereitungsphase, wie sie derzeit landesweit wieder angelaufen ist, stehen häufig unter dem Vorzeichen: warmlaufen oder -spielen. Dazu stellt der Trainer schon mal einen bunten Haufen zusammen, der in der gleichen Zusammensetzung nie wieder auflaufen wird; nicht mal in einer ähnlichen.

Auch Borussia Mönchengladbach nutzte die Freiheit der (Aus-)Wahl beim 3:2 über den belgischen Erstligisten Westerlo im Rheydter Grenzlandstadion. Doch Jos Luhukay verheimlicht nicht, dass er auch solche Spielchen mit Hintersinn betreibt. Auch in personell-taktischer Hinsicht.

Der Niederländer als Vor-Arbeiter: Das hat sich in der Defensivzentrale schon bewährt, als Außenverteidiger Filip Daems kurzfristig als Innenverteidiger für den Disco-Sünder Steve Gohouri einspringen musste. Und von dieser Aufgabe weder überrascht noch geschockt war, sondern sich stattdessen zum Leidwesen des Ivorers in Borussias Anfangsformation festspielte. Nun also Marcel Ndjeng. Der stärkste Tor-Assistent der Liga wurde auf die rechte Seite der Viererkette zurückgezogen. „Kasper Bögelund ist noch nicht so weit, Sebastian Schachten steigt gerade erst ins Mannschaftstraining ein. Wenn dann mal was mit Tobias Levels passiert . . .”

Der kluge Trainer baut vor. Und ist zufrieden mit dem Ergebnis. „Marcel hat taktisch-defensiv gut gestanden, gut nach vorne gespielt und war bei Standards gefährlich.” Wie etwa beim 1:0 durch Roberto Colautti, als „Umschüler” Ndjeng dem Israeli einen Freistoß maßgerecht auf den Kopf flankte.

Colautti und ein Kopfball-Tor? Wenig überraschend für Jos Luhukay, auch wenn der National-Stürmer bisher eher als Kombinations-Spieler und -torschütze in Erscheinung trat. „Roberto ist einer unserer besten Kopfballspieler. Er hat ein ähnlich gutes Timing wie Sascha Rösler.”

Festtag für einen Trainer: Alle drei Tore wurden von Stürmern erzielt (Oliver Neuville, Nando Rafael). Und auch der trefferlose Rob Friend erhielt höchstes trainerliches Lob für seine Darbietungen. „Rob hat richtig stark gespielt. Er hat den Vorteil: Man kann ihn auch hoch anspielen.” Ball halten, Ball-Sicherung, Ball-Besitz eben, eine extrem wichtige Qualität im Dominanz-Konzept von Jos Luhukay. Die der Kanadier mit seinen 1,94 Metern ideal erfüllt. „Er besitzt eine unglaubliche Sicherheit. Der erste Ball gehörte immer uns, jeden Abschlag hat er erfolgreich verarbeitet. Das war in der zweiten Hälfte anders.”

Huch! Kritik an Nando Rafael und Oliver Neuville, die nach der Pause statt Friend und Colautti die Lizenz zum Stürmen erhielten? Mitnichten! Luhukay freute sich auch über die Tiefenwirkung, schon in der ersten, dann aber speziell in der zweiten Hälfte. „Alle vier Stürmer sind total unterschiedliche Typen. Das ist für jeden Gegner äußerst unangenehm.” Borussia, dein zweiter Vorname ist unberechenbar.

Ganz im Gegensatz zum Trainer. Etwa bei der Planung der anstehenden Trainingslager-Woche in Malaga. Noch etwas Feilen an der Kondition, aber ansonsten viel Fußball-Arbeit. Daraus macht auch Jos Luhukay kein Geheimnis. „Ob Regionalliga oder Bundesliga: Es gibt immer was zu verbessern.” Tagtäglich. Ob im technischen oder taktischen Bereich.

Eine besondere Herausforderung ist die Zeit von bis kommenden Samstag für die Jungspunde Oliver Stang (19, Innenverteidiger), Olcay Sahan (20, Mittelfeld) aus Borussias U23 und Tony Jantschke (17, Mittelfeld) aus der U19 des VfL. „Das bringt viel für solche hoch veranlagten Talente. Woanders haben sie es vielleicht schon zu leicht”, sagt Luhukay. „Nun aber sind sie gefordert, allein schon durch das höhere Tempo. Jetzt wird jeder Fehler sofort bestraft, da ist höchste Konzentration gefragt.”

Das galt auch vor drei Jahren für Marcell Jansen. Damals unter Dick Advocaat flog der Bayern-Verteidiger noch als unbekannter Jüngling mit gerade einmal 19 Jahren und vor Aufregung stark geröteten Wangen Richtung Valencia. Der Aufstieg zu einer Blitz-Karriere. Wiederholungen sind erwünscht.