Mönchengladbach: Gladbach: Der Weg über Paderborn war für Rupp der richtige

Mönchengladbach: Gladbach: Der Weg über Paderborn war für Rupp der richtige

Gelächelt haben einige, ein bisschen veräppelt fühlten sich andere, als sie im August die Saisonprognose von Max Eberl vernommen hatten - nach dieser traumhaft gut verlaufenen Saison und der Qualifikation für die Europa League.

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„Platz vier ist nicht der Maßstab”, hatte der Sportdirektor von Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach vor der laufenden Spielzeit verkündet. Platz elf hielt Eberl mit diesem Aufgebot für „erreichbar” und „Platz acht wäre ein sehr gutes Ergebnis”. Jede noch bessere Platzierung nach 34 Spieltagen wäre gar „wieder eine Sensation”.

Man könnte dem Manager jetzt gratulieren, denn nach einem Drittel der Saison ist die Borussia - Achter. Sollte der seltene Fall eintreten, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit tatsächlich einmal kein Grashalm passt?

Einige werden wieder lächeln, andere sich wieder veräppelt fühlen. Mit diesem Kader, mit diesen teuren Neuzugängen (Alvaro Dominguez, Granit Xhaka, Luuk de Jong) muss doch mehr machbar sein, als eine Platzierung im tabellarischen Mittelmaß! Eine verbreitete öffentliche Meinung, denn das Wort Geduld wird im Hochleistungssport nicht sonderlich geschätzt. Dass die Borussia ihr „Rückgrat” verloren hat, wie Trainer Lucien Favre immer wieder gerne beteuerte, dass die Abgänge der stabilisierenden Leistungsträger Dante, Roman Neustädter und Marco Reus nicht von jetzt auf gleich zu kompensieren sein würden, dass man Geduld und Zeit brauche, stieß mancherorts auf taube Ohren.

Jetzt, nach elf Liga-Auftritten, zwei DFB-Pokalspielen und sechs internationalen Partien, kann man der Borussia bescheinigen: Es geht voran - mit kleinen Schritten und nach einigen Rückschlägen. Aber mittlerweile scheint die Mannschaft ihre Stabilität gefunden zu haben. Maßgeblich mitgeprägt haben diesen Findungsprozess zwei Spieler, die kaum jemand in seine Wunschelf für die Saison berufen haben dürfte.

Thorben Marx, der Routinier, der mit seinen 31 Jahren und der Erfahrung aus 235 Ligaspielen im Mittelfeld die Ordnung mit herstellt. Und Lukas Rupp, der zehn Jahre jüngere Dauerläufer auf der rechten Seite, der seine Zukunft noch vor sich hat. Und heute gegen den VfB Stuttgart seine 500. Einsatzminute in der höchsten Liga „feiern” könnte. Gegen Frankfurt (2:0) gaben beide ihr Startelf-Debüt in diesem Jahr, und bis auf den herben Rückschlag in Bremen (0:4) und das überflüssige Pokal-Aus in Düsseldorf (0:1) darf man ihre Auftritte als erfolgreich bezeichnen.

Was Spielpraxis bedeutet, wird speziell bei Lukas Rupp deutlich. Der 21-Jährige hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert, „anfangs war ich noch viel zu hektisch, zu überhastet”. Die meisten Akzente setzte der eigentlich feine Techniker zunächst mit seinem großen Einsatz, seinem Willen. Doch zuletzt gelangen ihm auch in der Offensive zwei feine Vorlagen zu den Toren von Juan Arango (zum so wichtigen 2:2 in Marseille) und Patrick Herrmann (zum vorentscheidenden 3:2 in Fürth).

Der gebürtige Heidelberger unternimmt seinen zweiten Versuch, in der Erstklassigkeit Fuß zu fassen. 30 Einsatzminuten in drei Spielen an den ersten vier Spieltagen der glorreichen vergangenen Saison deuteten bei dem vom Zweitligisten Karlsruher SC gekommenen Rechtsfuß auf ein schnelles Durchstarten hin. Doch das Talent stagnierte, er stand noch einige Male im Aufgebot, aber Spielzeiten erhielt er keine mehr. Auch jetzt, ein Jahr später, hat Rupp keine Antwort auf die Frage nach dem wieso, weshalb und warum. „Ich weiß es einfach nicht.” Im Winter wurde er zum SC Paderborn ausgeliehen, die Zauberworte hießen „Spielpraxis sammeln”.

An seinen Fähigkeiten haben Eberl und Favre nie gezweifelt. Der Blick zurück fällt leicht, das halbe Jahr beim SC Paderborn war nur ligenmäßig ein Rückschritt. „Ich konnte befreit aufspielen”, sagt Rupp heute, und im Westfälischen legte Gladbachs Nummer 8 auch den Grundstein für ein verbessertes Durchsetzungsvermögen.

„Sechs Kilogramm” hat er sich dort antrainiert, es tut ihm sichtbar gut. Im Sommer gab es für den Sohn eines ehemaligen Handball-Bundesligaspielers keine Zweifel, wieder in Mönchengladbach anzugreifen. „Bei der Vielzahl von Spielen wirst Du deine Chance bekommen”, gab Favre ihm mit auf den Weg. Die Chance kam schon recht früh, seit dem Frankfurt-Spiel ist Rupp fester Bestandteil der „Fohlenelf”.

Das „neue Leben” gefällt dem Abiturienten („da haben meine Eltern großen Wert drauf gelegt”), er saugt die Atmosphäre bei Europapokalspielen und in der Liga auf. Speziell Marseille war für einen jungen Spieler wie Rupp ein sensationelles Erlebnis, „so viele Fans von uns waren da, das war Weltklasse”. Aufsaugen darf Rupp auch ein Lob des Trainers, der eher selten Spieler so auszeichnet. Favres Urteil über das Talent: „Lukas macht das sehr gut. Er läuft und arbeitet sehr viel. Das Wichtigste ist aber, dass er sehr aufnahmefähig ist und weiter an sich arbeitet.”

Seit sieben Jahren ohne Heimsieg gegen Stuttgart

Hätte der VfB Stuttgart vier seiner bisherigen fünf Auswärtsspiele mit 1:6 verloren, aber einmal 0:0 gespielt, hätte Gladbachs Trainer Lucien Favre sich dieses Unentschieden herausgepickt, um vor dem Gegner zu warnen. Er hätte vielleicht gesagt: „Sie haben eine sehr gefährliche Mannschaft. Es ist extrem schwer, Lücken gegen sie zu finden.”

Da der heutige Gast der Borussia aber nur eines seiner fünf Auswärtsspiele verloren hat (1:6 bei den Bayern), findet Favre eher Gehör für seine warnenden Sätze: „Sie haben eine sehr gefährliche Mannschaft. Es ist extrem schwer, Lücken gegen sie zu finden.”

Seit sieben Jahren wartet die Borussia schon auf einen Heimsieg gegen die Schwaben, bei denen Innenverteidiger Georg Niedermeier (grippaler Infekt) ausfällt und der Einsatz von Serdar Tasci (muskuläre Probleme) fraglich ist. Bei den Gastgebern fehlen weiterhin Filip Daems (Adduktoren) und Luuk de Jong (Knie). Tony Jantschke dürfte nach seiner Knieprellung spielen können, so dass die Startelf vom Spiel am vergangenen Sonntag in Fürth auch heute erste Wahl sein dürfte.

So könnten sie spielen:

ter Stegen - Jantschke (Stranzl), Stranzl (Brouwers), Domiguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Rupp, Arango - Herrmann - Hanke (de Camargo)

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