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Mönchengladbach: Gladbach beim BVB oder: ein Schneeball in der Hölle

Mönchengladbach : Gladbach beim BVB oder: ein Schneeball in der Hölle

Eine Geheimtraining gibt es am Borussia-Park öfter. Zur Zeit ist es schwierig für Michael Frontzeck, taktische Feinheiten einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit einzustudieren: Im Stadion, dem Rückzugsort der Geheimnisträger, wird der neue Rollrasen für die Frauen-WM verlegt.

Damit ist auch ein noch geheimerer Geheimplan für das Spiel am Samstag bei Borussia Dortmund hinfällig: die Entmottung der Alt-Verteidiger. Trainer Michael Frontzeck (46) könnte hinten links, Sportdirektor Max Eberl (37) rechts und Teammanager Steffen Korell (39) innen spielen. Zyniker würden behaupten: Viel schlechter könnte es mit Borussias Abwehrreihe durch den Einsatz des Oldie-Trios auch nicht mehr werden. Denn morgen droht mit Bamba Anderson der achte Defensivspieler auszufallen.

Der brasilianische Innenverteidiger, eigentlich zum sanften Einbau in die Abwehr verpflichtet, hat sich eine Oberschenkelzerrung zugezogen. Heute erfolgt der Härtetest. Und natürlich ist die erste Wahl als Ersatz für den Ersatz der von der U23 hochgezogene Jan-Ingwer Callsen-Bracker - und keiner aus der Dreierbande, nicht nur wegen des nicht möglichen Geheimtrainings.

Der Tabellenletzte beim Spitzenreiter, die Mannschaft mit den meisten Gegentoren gegen das torgefährlichste Team - der Besuch im ehemaligen Westfalenstadion kommt dem eines Schneeballs in der Hölle gleich. Ein großer Wettanbieter bietet für einen Sieg der Elf vom Niederrhein eine Quote von 8,5, also 85 Euro für einen Einsatz eines Zehners, an. An diese auf dem Papier abwegige Möglichkeit muss Michael Frontzeck glauben. Und so sagt er vor dem so ungleichen Duell: „Es scheint nur noch um die Höhe unserer Niederlage zu gehen.”

Bei ihm und den anderen Verantwortlichen gibt es „natürlich” zwei Welten, die innere und die äußere. Nicht nur im Glauben an eine Mega-Sensation in Dortmund. Gladbachs Trainer verdeutlicht noch einmal, dass er zwar blaue Augen, aber nicht blauäugig ist: „Vom Einsatz und Willen kann ich der Mannschaft nichts vorwerfen. Aber das heißt nicht, dass ich ihr nicht vorwerfen kann.” Etwa die Art und Weise, wie die Abwehr beide Gegentore, die am letzten Samstag gegen Mainz einen Sieg kosteten, zugelassen hat. „Das aber machen wir intern. Dass der Trainer ratlos ist, ist Quatsch”, sagt Frontzeck.

Die Begriffe Geschlossenheit und Kompaktheit traut sich der Ex-Profi kaum noch in den Mund zu nehmen. Und muss es dennoch. Wollwissend, dass alle guten Ansätze, die es in der Arbeit zumindest gegen den Ball auch gegen Mainz gab, Makulatur sind, wenn Kindergarten-Fehler wie beim 2:2 und 2:3 passieren. Die Chance, dass die Frontzeck-Schützlinge 90 Minuten kompakt stehen und gleichzeitig über 90 Minuten solche individuellen Klöpse vermeiden, würde die Quote jedes Wettanbieters sprengen. Wenn das keine Herausforderung ist...