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Köln: „Gelebte Antipathie”: Trainer-Foulspiele nach Abpfiff

Köln : „Gelebte Antipathie”: Trainer-Foulspiele nach Abpfiff

Giftpfeile flogen. Von Köln nach Hoffenheim. Und umgekehrt. Ralf Rangnick, der Trainer der TSG, eröffnete nach dem 3:1 beim 1. FC Köln eine Diskussion, die nach einem zuweilen ziemlich harten Spiel zu eskalieren drohte. Christoph Daum verlor das Augenmaß und polterte wie der Teufel.

So ging ein Partie, in der Hoffenheim sich nicht wie in den beiden Zweitliga-Spielen des Vorjahres (1:3, 0:2) den Schneid hatte abkaufen lassen, in eine teils unschöne „dritte Halbzeit”. Und in der hagelte es nur so von Verbalattacken. Freunde fürs Leben werden beide Trainer nicht mehr.

„Mit exakt demselben Kader wie vor fünf Monaten haben wir heute hier gezeigt, dass wir uns weiterentwickelt und verdient gewonnen haben”, diktierte Rangnick.

Zu viel für Daum: „Ich war wohl in einem anderen Stadion bei einem anderen Spiel”, begann er seine Analyse jener Partie, in der Hoffenheims „Bubis” fast immer, fast überall, vor allem aber im Mittelfeld schneller schalteten. Demba Ba (32.) und „Torfabrik” Vedad Ibisevic (67., 88.) mit seinen Treffern Nummer 15 und 16 belegten dies trotz des zwischenzeitlichen Anschlusstreffers durch Petit (78.). Der Lohn: die Tabellenführung.

Mit dem Hinweis auf 60:40 Prozent Ballbesitz untermauerte Daum seine These, dass Köln das Spiel „über weite Strecken sehr offen mitgestaltet” habe. Nun war Rangnick wieder an der Reihe, konterte: „Der prozentuale Ballbesitz ist nicht entscheidend, die Qualität des Ballbesitzes interessiert mich.”

Als nun die Qualität jenes Fouls zur Sprache kam, für das Kölns Kevin McKenna mit Rot (52.) vom unsicheren Schiedsrichter Deniz Aytekin aus Oberasbach bestraft wurde, polterte Daum los: „Hoffenheims Saubermann-Image hat heute einen dunklen Fleck bekommen”, erklärte er.

McKennas Grätsche - er traf den Ball und Salihovic gleichermaßen -, passierte direkt vor der Hoffenheimer Bank. Trainer, Ersatzspieler, Betreuer der TSG sprangen auf.

„Sie forderten einen Platzverweis. Die tun immer so, als seien sie der nette Dorfverein. Aber das war das Unfairste, was ich hier im Stadion von einer Mannschaft je gesehen habe”, wählte Daum eine krasse Verbalvariante.

Rangnick blickte starr vor sich hin, schüttelte den Kopf, bemühte sich, gelassen zu bleibe: „Aufspringen ist völlig normal. Von uns hat niemand eine Rote Karte gefordert. Den Schuh zieht sich keiner von uns an.” Mit keinem Blick würdigten sich beide Trainer - „gelebte Antipathie”.

„Mir war klar”, giftete Rangnick zurück, „dass die nächste Situation gegen uns zu Gelb-Rot führen würde.” Luiz Gustavo traf vier Minuten später. Das Stichwort „Gelb-Rot” nahm Daum in seiner Erregung gerne auf. Und erinnerte an Hoffenheims Weiterentwicklung, die Rangnick angesprochen hatte: „In Sachen Foulspiel, das ist richtig, da hat Hoffenheim sich weiterentwickelt.” Eine Gesprächskultur der feineren Art zwischen beiden Trainern mochte nicht mehr aufkommen an diesem grauen Tag, nachdem sich schon auf dem Platz beide Teams mit oft heftigen Mitteln bearbeitet hatten. Wort- und grußlos, ohne Handschlag verließ Rangnik das Podium.

Zur Sache, zur eigenen sportlichen Situation, fand nach der Niederlage zumindest Kölns Kapitän Milivoje Novakovic passendere Worte: „Einige von uns sind scheinbar nach 19 Punkten zu schnell zufrieden. Das ist eine Frage der Einstellung. Selbst Pässe über zehn Meter kamen heute nicht an. Wir haben heute viel zu viele Fehler gemacht.” Eine Feststellunng, die nun so gar nicht in die Spiel-Interpreation seines Trainers passen mochte...