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Aachen: Gefragt sind Vehemenz und viel Geduld

Aachen : Gefragt sind Vehemenz und viel Geduld

Genau ein Jahr ist es her: Alemannia Aachen fuhr in der Bundesliga nach dem Sieg gegen Bayern München ein Unentschieden in Bochum ein. Der SV Wehen Wiesbaden musste zur gleichen Zeit in der Regionalliga Süd eine Niederlage beim SC Pfullendorf hinnehmen.

Am Sonntag treffen beide Vereine in der Zweiten Liga auf Augenhöhe aufeinander. „Wehen hat eine klare Spielanlage, eine klare Zielsetzung. Sie wollen das Spiel des Gegners zerstören und setzen auf Konter und Standards - und das macht sie so gefährlich”, warnt Aachens Trainer Jürgen Seeberger davor, dem Aufsteiger und Tabellennachbarn mit mangelnder Ernsthaftigkeit zu begegnen.

„Wehen wird uns wenig Räume lassen, wir werden mit extrem viel Power, Vehemenz und Geduld spielen müssen”, erwartet der 42-Jährige einen Schlagabtausch auf hohem taktischem Niveau - und das mühselige Durchlöchern eines ganz dicken Brettes.

Drei Punkte

Bis die Bohrarbeiten beginnen will der Trainer mit dem Team noch drei Punkte abhandeln. Auf der Aufgabenliste stehen das Ausmerzen der bekannten Schwächen, das Schärfen der eigenen Stärken - und den Abschluss der Überlegungen zur stärksten Startformation.

Doch der Reihe nach: Hinter verschlossenen Türen ging es im Stadion am Freitag um das Abwehrverhalten nach Ecken und Freistößen von der Seite. Stimmt die Zuordnung, das Zweikampfverhalten, wird schon durch das erste Duell am kurzen Pfosten die brenzlige Situation geklärt?

Brennende Fragen, deren ausstehende Antworten nicht nur in der Hinrunde gegen Wehen zur verdienten ersten Niederlage der Saison geführt hatten, sondern auch den Ausgleichstreffer der Offenbacher am vergangenen Spieltag nach sich zogen.

Damit sich am bevorstehenden Spieltag die Spitzen nicht als ähnlich stumpf herausstellen wie auf dem Bieberer Berg, arbeitete die Mannschaft auch weiter am offensiven Feinschliff: Spielzüge automatisieren, Laufwege abstimmen und den Pass in die Spitze nur für den Gegner überraschend gestalten, nicht für den eigenen Mitspieler.

Wie ernst Jürgen Seeberger das Spiel gegen den nach seinen Worten besten Aufsteiger („Hoffenheim fällt für mich nicht in diese Katagorie”) nimmt, zeigt auch eine andere Tatsache: „Wir bereiten uns auf die Begegnung vor wie auf ein Auswärtsspiel. Nach dem Abschlusstraining am Samstag geht es für die Mannschaft ins Hotel.”

Bleibt die letzte Frage zu klären: Wer soll das alles umsetzen? „Ich habe da einige Gedankenspiele, und mir stehen auch einige Alternativen zur Verfügung”, denkt Jürgen Seeberger laut nach, ohne sich über die Schulter schauen zu lassen.

(Noch) keine Alternative ist Reiner Plaßhenrich, der nach seinem Muskelfaserriss seit einer Woche wieder im Training ist. Ebenso wenig Thomas Stehle (Reha) und Hrvoje Vukovic, der sich wegen seiner Kapselverletzung wohl einer Operation unterziehen muss. So könnte höchstens die Frage interessant sein, ob Daniel Brinkmann die Position von Jerome Polenz übernehmen könnte, damit der 21-Jährige auf der rechten Mittelfeldseite für mehr Druck nach vorn sorgen könnte.

Auch um die zweite Stürmerposition neben Marius Ebbers dürften sich nach der Darbietung von Offenbach die Gedanken des Trainers drehen. „Da muss auch von der Bank mehr kommen, wenn einer eine längere Einsatzzeit bekommt”, hofft Seeberger auch mal auf ein Jokertor. „Jeder soll sich ständig aufdrängen, sein Bestes zeigen.”

Kaum Gelegenheit dazu hatte bislang Szilard Nemeth, der gegen Kickers Offenbach noch nicht einmal zum 18er-Aufgebot gehörte und in der Rückrunde keine Pflichtspielminute in der Liga vorzuweisen hat. „Das ist nicht einfach für mich, aber der Trainer macht die Entscheidung”, ordnet der 30-Jährige die bittere Reservistenrolle für sich ein.

Neuer Trainer, neues System - dennoch müsste sich der Slowake mit seinem enormen technischen Potential eigentlich in jedem Spielsystem durchsetzen können. „Ich kann nur auf meine Chance warten und dann zeigen, was ich kann”, meint Nemeth.

„Zwischen gut und schlecht ist es sehr eng”, verweist er auf die Konkurrenz im Kader. „Aber meine Zeit wird kommen”, hofft Nemeth. „Vielleicht komme ich ja irgendwann für die letzten fünf Minuten rein und mache mein Tor. Dann kann alles schnell wieder anders aussehen.”