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Köln: Gebessert hat sich nur das sportliche Bild

Köln : Gebessert hat sich nur das sportliche Bild

Wolfgang Overath und seine Vorstandskollegen führen den 1. FC Köln seit rund einem Jahr ohne Entlastung. Die versagten ihnen die Mitglieder auf der turbulenten Generalversammlung am 17. November 2010.

Die sportliche Lage war seinerzeit dramatisch, das Bild, das der Klub in der Öffentlichkeit verbreitete, chaotisch. Das hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nur sportlich geändert. Ob das allerdings am Sonntag (14.30 Uhr) in der Lanxess-Arena reicht, um die Veranstaltung reibungslos über die Bühne zu kriegen, ist sehr unsicher. Denn nicht alle Gruppierungen innerhalb des Vereins haben ihren Frieden mit der Overath-Crew gefunden, auch wenn künftig zwei Vertreter der Mitglieder im neuen Verwaltungsrat vertreten sein werden.

„Diese Satzungsänderung ist eine Mogelpackung”, sagt Stefan Müller-Römer. Der Medienanwalt, der die Mitgliederinitiative „fc-reloaded” ins Leben gerufen und mit dem Klub einen monatelangen Rechtsstreit über die Herausgabe der Mitgliederlisten geführt hat, glaubt nicht daran, dass es beim Fußball-Bundesligisten künftig demokratischer zugehen wird. „An den entscheidenden Hebeln wird nichts geändert”, stellt Müller-Römer fest und ergänzt: „Das ist eine Pseudo-Reform.” Und deswegen will „fc-reloaded” Overath erneut die Gefolgschaft verweigern und nicht entlasten.

Das sieht auch eine große Anzahl anderer Fan-Gruppierungen so. Die einflussreiche „Wilde Horde” veröffentlichte auf ihrer Internetseite (www.wh96.com) eine von 30 Gruppen unterzeichnete Erklärung, in der angekündigt wird, mit „fc-reloaded” an einem Strang zu ziehen und dem Vorstand die Entlastung ebenfalls zu verweigern. Zudem werden Wolfgang Overath, Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch aufgefordert, von ihren Ämtern zurückzutreten.

Vorstandswahlen stehen in diesem Jahr nicht auf der Tagesordnung. Stefan Müller-Römer glaubt auch nicht daran, dass die Overath-Crew selbst bei einer erneut verweigerten Entlastung die Brocken hinwerfen wird. „Die sind eiskalt”, glaubt er. „Die sitzen das aus bis zur nächsten Wahl.”

Neu besetzt werden muss dagegen der Verwaltungsrat. Hier liegt ein Antrag vor, über die voraussichtlich 17 Posten einzeln abzustimmen. Derzeit hat der FC 14 Verwaltungsräte, am Sonntagnachmittag werden es voraussichtlich 17 sein. Ausscheiden wird der aktuelle Vorsitzende, Dr. Rolf Martin Schmitz. Neu auf der Vorschlagsliste sind Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters und Franz-Josef Wernze, der dem mit rund 30 Millionen Euro verschuldeten Klub bei einigen der letzten Transfers unter die Arme griff und auch Anteile an Lukas Podolski und Pedro Geromel besitzt.

Fünf Kandidaten, zwei Posten

Kampfabstimmungen wird es um die zwei Vertreter der Mitglieder im Verwaltungsrat geben. Michael Trippel wird von der „Wilden Horde” ins Rennen geschickt, für die „FC Fründe Mai 98” kandidiert deren Vorsitzender Klaus Zimmermann, und für „fc-reloaded” will Jörg Heyer in dieses Kontrollgremium. „Schade, dass es soweit gekommen ist und wir uns das Leben gegenseitig schwer machen”, sagt Müller-Römer. „Und es sieht schon komisch aus, wenn Tribbel und Zimmermann kandidieren.”

Zum Verständnis: Der eine (Tribbels) steht beim FC als Stadionsprecher auf der Gehaltsliste, der andere (Zimmermann) ist Wirtschaftsprüfer und testiert unter anderem die Geschäftsführung des Vereins. Die weiteren Kandidaten sind Thomas Klein, der Betriebsratsvorsitzende der Maritim-Hotelgesellschaft, und Georg Melcher, Mitglied der Geschäftsleitung eines Pharma-Logistik-Konzerns.

Abgestimmt wird erstmals elek-tronisch. Die Zeit der Stimmkarten ist abgelaufen. Jedes Mitglied wählt in der Lanxess-Arena per Knopfdruck. Und das erste Votum entscheidet über die neue FC-Charta, die die Leitkultur des Vereins festschreiben soll. Der Inhalt ist bisher noch unter Verschluss.