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Mönchengladbach: Galeeren- kommt vor Galerie-Fußball

Mönchengladbach : Galeeren- kommt vor Galerie-Fußball

Es hat sich einiges geändert bei Borussia Mönchengladbach.

Dick Advocaat hat die Eintagsfliegen-Krankheit zumindest halb totgeschlagen und dem Remis in Mainz mit dem 2:1 über den 1. FC Nürnberg einen diesmal vollen Punkte-Erfolg folgen lassen.

Aber auch abseits des Spielfeldes ist seine Handschrift zu erkennen. Selbst die Journalisten hat der 57-jährige Niederländer im Griff.

Borussia Mönchengladbach ist wohl derzeit der einzige Bundesliga-Klub, wo die schreibende Zunft während der Pressekonferenz nach der Begegnung fleißig Fragen stellt.

Qua Natur-Autorität hat sich der kleine Mann mit der kräftigen Statur jegliche mediale Rudelbildung im Anschluss an das öffentliche Hearing verbeten - eigentlich ein klarer Verstoß gegen das ungeschriebene Journalisten-Gesetz, erst dann im vermeintlich kleineren Kreis die Fach- oder auch Blödsinns-Fragen zu stellen.

Achtung „Joke”!

Der Erziehungsprozess ist (vorerst) gelungen. Aber eine gewisse Unsicherheit in der Bewertung seiner so folgsamen Schüler ist geblieben.

Die abschließende Frage zum Höhenflug des 2:0-Torschützen Vaclav Sverkos, unter Vorgänger Holger Fach noch auf dem Abstellgleis, beantwortete er mit „Da kann man sehen, wie schnell das geht”.

Nur Sekundenbruchteile später überkamen den ehemaligen Oranje-Trainer Bedenken, ob der Zwischenton auch alle Zuhörer erreicht hatte.

Und so beugte sich Dick Advocaat besorgt zu Pressesprecher und Conférencier Markus Aretz rüber und fragte - für alle noch gut hörbar - „Muss ich jetzt sagen, dass das ein Joke war?”

Musterschüler Demo

Übersetzungsprobleme mit Igor Demo gibt es nicht. Der kennt Advocaat aus gemeinsamen Eindhovener Zeiten bestens und ist der holländischen Sprache mächtig.

„Er ist ein harter Trainer, aber im positiven Sinn. Bei ihm zählt nur Leistung”, beschreibt der von Advocaat reaktivierte Slowake den Trainer. Das kommt einem flüssig von den Lippen, wenn man gerade eine durchaus delikate Aufgabe bravourös gemeistert hat.

Demo sollte als Abfangjäger vor der Abwehr seinen Landsmann und Nürnberger Torjäger Marek Mintal aus dem Spiel nehmen. Eigentlich hatte der Gladbacher Mittelfeldspieler den Auftrag zu 100 Prozent erfüllt.

Nur in der Nachspielzeit gestattete er ihm, ungestört den Anschlusstreffer erzielen durfte. „Vielleicht habe ich da einen Fehler gemacht”, spielte Demo den Zerknirschten.

Eine Grätsche bei Mintals Anlauf zum Handelfmeter, hätte Schiedsrichter Markus Merk aber wohl übel genommen.

Korzynietz an der Kette

Igor Demo aber war nicht allein, sowieso nicht, und erst recht nicht bei der Aktion: „Jawoll Herr General, wir haben verstanden!”

Auch Bernd Korzynietz, hauptberuflich tätig als rechtes Außenglied der Viererkette und gefürchtet für seine Vorstöße, verkniff sich weitgehend die Ausflüge Richtung Nürnberger Strafraum.

Selbst der Franke leidet nicht unter Verständnisschwierigkeiten: „Eine klare Grundordnung, klare Prinzipien, klare Ansagen”, umreißt der 25-Jährige die eineinhalbwöchige Schaffensphase seines Trainers.

Bestimmte Maßnahmen müssten ihm auch bekannt vorkommen. Wie einst Hans Meyer versucht auch Dick Advocaat seine Mannschaft vom eigenen Tor wegzutreiben. Was in der ersten Hälfte leidlich gelang.

Belohnt durch einen verwandelten Strafstoß des erneut überragenden Oliver Neuville (Vorlage zum 2:0), der selbst von Mario Cantaluppi gefoult worden war.

Deshalb greifen auch kursierende Interpretationen zu kurz, die von einer defensiveren Grundhaltung der Borussia Nachricht gaben.

„Wir müssen nicht schön spielen, sondern effektiv”, kritisierte Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf seine für ihre Offensiv-Leistung so gefürchteten Mannen. „Gladbach war viel aggressiver.”

„Qualität und Arbeit”

Und wesentlich geordneter und kompakter als in vielen Spielen zuvor. Die Sehnsucht nach Zauber-Fußball wird noch nicht gestillt.

Advocaat kümmert sich erst einmal um die Grundlage: Galeeren- statt Galerie-Fußball. „Qualität und Arbeit macht Erfolg. Arbeiten können wir alle ...”

Die angestrebte Qualität deutet sich mehr im Training an, wenn er versucht, Marek Heinz durch die Position als dritter Stürmer zu alter Leistungsstärke zu verhelfen.

Für den Liga-Alltag ist dies Advocaat noch zuviel an Änderungen. Immerhin schwingt in seinen Worten „Wir müssen noch viel besser werden” ein Versprechen mit ...