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Stuttgart/Karlsruhe: Fußball-Musterländle: Nicht nur der VfB und KSC gehen steil nach oben

Stuttgart/Karlsruhe : Fußball-Musterländle: Nicht nur der VfB und KSC gehen steil nach oben

Baden-Württemberg ist auch im Fußball wieder ein Musterländle. Während ganz Schwaben dem möglichen Double- Gewinn des VfB Stuttgart entgegenfiebert, herrscht auch in Baden Spannung und Glückseligkeit: Der Karlsruher SC feiert seit zweieinhalb Wochen den Bundesliga-Aufstieg, der SC Freiburg kann am Sonntag noch das gleiche Kunststück schaffen.

Und in der TSG Hoffenheim rückt eines der interessantesten Projekte des deutschen Profi-Fußballs immer mehr in den Vordergrund.

„Viele Bundesländer haben überhaupt keinen Club mehr in der ersten Liga”, sagt Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) mit einem Seitenhieb auf den Nachbarn Rheinland-Pfalz. „Umso mehr freut es mich, dass Baden-Württemberg mit der Fußball-Hochburg Nordrhein- Westfalen mithalten kann.” Das sind freilich forsche Töne, denn wenn am Sonntag dem MSV Duisburg anstelle des SC Freiburg der Sprung in die 2. Liga gelingt, hat Nordrhein-Westfalen nächste Saison noch sechs Erstligisten aufzuweisen.

Mit dem Titelgewinn am Samstag könnte dem VfB zusammen mit dem KSC ein Kunststück wie bereits 1984 gelingen: Auch damals wurden die beiden Clubs Meister in der Ersten und in der Zweiten Liga. „Das Derby KSC - VfB in der nächsten Saison, das wird ein Höhepunkt”, freut sich Oettinger - allerdings auch eine Herausforderung für die Sicherheitskräfte. Gleichzeitig verweist der Ministerpräsident auf den Triumph der Volleyballer des VfB Friedrichshafen in der Champions League und auf den nationalen Titelgewinn der Eishockey-Cracks der Mannheimer Adler.

Am Montag empfängt Oettinger im Staatsministerium auf einen Schlag den VfB, den KSC, die TSG Hoffenheim, Adler Mannheim, die VfB-Volleyballer und die Ludwigsburger Erstliga- Basketballer - und vielleicht auch den SC Freiburg.

Und hat nicht der schwäbische Bäckersohn Jürgen Klinsmann im vergangenen Jahr die WM-Euphorie entfacht? Mit Stolz haben die Baden- Württemberger auch auf die Beförderung Joachim Löws zum Klinsmann- Nachfolger reagiert: Der 47-Jährige aus dem südbadischen Schönau ist sowohl dem VfB und KSC als auch dem SC Freiburg als ehemaliger Spieler oder Trainer verbunden. Zudem sitzt der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, ein gebürtiger Mannheimer, als UEFA- Vizepräsident nach wie vor am Schalthebel der internationalen Fußball-Zentrale.

Zu Hochzeiten in den 80er und 90er Jahren hatte Baden-Württemberg zeitweise drei Bundesliga-Clubs gleichzeitig: Der SC Freiburg, der mit dem Theater um Trainer Volker Finke die ganze Zweitliga-Saison hindurch für Unterhaltung sorgte, ist aber mittlerweile eine Fahrstuhlmannschaft.

Die „Spatzen” des SSV Ulm 1846 stürzten nach nur einer Saison (1999/2000) wieder in die Zweitklassigkeit ab und kämpfen jetzt wieder um die Rückkehr in die Regionalliga. Die Stuttgarter Kickers, einst Klinsmanns Verein, waren lange die liebenswerte Alternative zum großen VfB, spielen aber heute in der Regionalliga. Und der SV Waldhof lebt als Oberligist nur noch von seiner ruhmreichen Vergangenheit.

Die Mannheimer müssen zudem mitansehen, wie sich die badischen Emporkömmlinge aus Hoffenheim im Profigeschäft etablieren. Die Führungsriege des Zweitliga-Aufsteigers um Trainer Ralf Rangnick ist schon erstklassig, das neue 40 Millionen Euro teure Stadion in Sinsheim wird es bis 2009. Mäzen und Milliardär Dietmar Hopp lässt keinen Zweifel daran, dass er es langfristig mit dem KSC und VfB aufnehmen will. Getreu dem Werbeslogan des drittgrößten Bundeslandes: „Wir können alles - außer Hochdeutsch.”