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Köln: Furioser Tanz auf der Rasierklinge

Köln : Furioser Tanz auf der Rasierklinge

Die Dramaturgie wollte es so, dass diese Geschichte zum Guten ausging für alle Beteiligten, die zum Kreis des 1. FC Köln gehören. Im Hintergrund zwar, aber doch nah genug dran am Geschehen, hielt sich an diesem Fußball-Nachmittag im RheinEnergieStadion ein Notarzt-Team bereit.

Seine Aufmerksamkeit galt alleine einem Mann, der 70 Minuten lang beeindruckend rackerte, rannte, passte, grätschte. Und der so vorlebte, worum es ging für den 1. FC Köln: um die entscheidende Chance im Aufstiegsrennen. Thomas Broich war erst am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Der zusammengefallene Lungenflügel ist wieder aufgebaut. Am Sonntag war er einer von Kölns Besten beim 3:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim. Zehntausende standen auf, als Broich ausgewechselt wurde. „Ein unglaubliches Gefühl”, wie der Spielantreiber diesen und andere „Glücksmomente” dieses Tages empfand.

Zumal der 1. FC Köln mit dem Sieg, mit dieser Leistung wieder mittendrin ist im Rennen um das Saisonziel. „Ich habe Drogen genommen, von denen die DFL nichts weiß”, witzelte Broich und war selbst erstaunt über seine Leistung: „Das Risiko war schon gegeben. Aber selbst für den schlimmsten Fall standen Ärzte für mich bereit. Die Stimmung im Stadion hat mich getragen.”

Mit dem Handicap einer Bänderverletzung stürzte sich auch Milivoje Novakovic ins Getümmel. Ovationen auch für ihn, als er nach 85 Minuten ging. Eigentlich wollte Daum „nach dieser geschlossenen Mannschaftsleistung niemanden herausnehmen”, gestand aber, „dass der Einsatz von Broich und Novakovic eine Gewissensfrage war, ein Tanz auf einer Rasierklinge. Sie haben für den Verein ihre Gesundheit riskiert.”

Das Risiko wurde belohnt, obwohl die Entwicklung des Spiels zunächst Parallelen zu Begegnungen offenbarte, die nicht zu Gunsten der Kölner endeten: Die Daum-Elf setzte Hoffenheim zu Beginn unter Druck, suchte die Zweikämpfe, zeigte sich gegen die spielstarke Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick aggressiv, schnell und ideenreich.

Das alles wurde nach elf Minuten belohnt. Mit Novakovics erstem Saisontor per Kopfball, seinem insgesamt 19. Saisontreffer. Unverständlich, dass die Gastgeber nun das Tempo aus dem Spiel nahmen, die TSG geradezu einluden, das Heft in die Hand zu nehmen. Taten die Rangnick-Jungs auch. Und glichen aus, weil Mohamad Gegenspieler Carlos Eduardo im Strafraum von den Beinen holte und Salihovic den Foulelfmeter verwandelte (26.).

Nun passierte etwas, was bislang viel zu selten zu sehen war bei den Kölnern: Sie meldeten sich eindrucksvoll in die Partie zurück, als Helmes die Kugel volley an die Latte hämmerte (54.). Ralf Rangnick machte Novakovic als den „Matchwinner” aus, „weil wir in den entscheidenden Momenten zu unaufmerksam waren. Erst erzielt er die Führung, dann legt er für Antar zum 2:1 auf.” Nur drei Minuten später besorgte Mohamad mit einem platzierten Fernschuss den Rest (69.).

„Ich glaube, Nova und ich haben den Rest der Mannschaft heute mit unserer Entschlossenheit angesteckt”, sagte Broich. Und nannte das Resultat „wertlos, wenn wir am Mittwoch in Augsburg nicht nachlegen.”