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Aachen: Funkel: „Dornenreicher Weg in die Bundesliga”

Aachen : Funkel: „Dornenreicher Weg in die Bundesliga”

Der Mann hat Erfahrung in Sachen Bundesliga-Aufstieg. Mit Uerdingen, Duisburg und Rostock schaffte er den Sprung aus der 2. Liga zurück an die Fleischtöpfe des deutschen Profi-Fußballs. Friedhelm Funkel will im Mai 2003 mit dem 1. FC Köln seinen vierten Aufstieg als Trainer feiern.

„Wir haben eine gute Mannschaft. Deshalb glaube ich, dass wir am Ende unter den ersten Dreien in der Tabelle sind”, sagte der Chef- Übungsleiter der „Geißböcke” bei seinem AZ-Redaktionsbesuch.

Am Montag kommt Friedhelm Funkel wieder nach Aachen. Zum Tivoli, wo der dritte Sieg im dritten Spiel eingefahren werden soll. Aber der FC-Coach ist weit davon entfernt, die Saison zum Selbstläufer zu erklären. „Es kann noch so viel passieren. Verletzungen, unglückliche Niederlagen, andere Mannschaften, die Erfolgsserien starten.”

Der 48-Jährige weiter: „Du hast nur alles richtig gemacht, wenn du Erfolg hast. Ich kann die ganze Woche mit der Mannschaft ins Schwimmbad gehen. Wenn wir gewinnen, ist das die neue Trainingsmethode.” Der Mann aus Neuss kennt die Szene seit 30 Jahren - da lässt man sich nichts mehr vormachen.

„Mein erster Wunschtraum ist es, mit dem FC in dieser Saison aufzusteigen, die Mannschaft dann in der Bundesliga zu etablieren und lange Jahre in Köln zu bleiben.” Die Basis dazu muss er selbst schaffen. Im ersten halben Jahr nach seiner Verpflichtung hatte Funkel alle Hände voll zu tun, um den „Geißbock”-Stall auszumisten.

Die Mannschaft, die Fans, das Umfeld - im Kölner Grüngürtel herrschten Ratlosigkeit und Chaos. Funkel: „Da war eine so schlechte Stimmung, wie ich sie vorher noch nie erlebt hatte.” Sein Vorgänger Ewald Lienen und der ebenfalls gefeuerte Sportmanager Hannes Linßen hatten verbrannte Erde hinter sich gelassen.

Funkel besaß offensichtlich viel Gespür für diese Situation und legte gleich den Finger in die FC-Wunde. „Der wichtigste Mann war für mich von Anfang an Dirk Lottner. Er war für mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Kapitän, der innerhalb der Mannschaft die Anerkennung bekam, die er verdiente.” Die Entwicklung gibt dem Trainer Recht. „Der Dirk ist unersetzlich für uns.”

Doch Funkel reparierte nicht nur das angeknackste Selbstvertrauen Lottners, sondern zog auch das durch, was er sich vertraglich hatte zusichern lassen: Er wechselte fast den kompletten Betreuerstab aus. Vom Assistenten bis zur medizinischen Abteilung - Funkel holte Leute, denen er vertraute.

Und freute sich besonders über eine personelle Entscheidung, die er selbst nicht zu treffen hatte: „Andreas Rettig ist ein Glücksfall für Köln. Er ist der beste Manager, den der Verein verpflichten konnte.”

Die Diskussion um einen Sportlichen Berater für das Präsidium lässt Funkel kalt. „Für die Einkäufe ist und bleibt der Trainer zuständig. Ein Sportlicher Berater hat für mich im alltäglichen Ablauf keine Bedeutung.” Der 48-Jährige würde es dennoch begrüßen, wenn der FC auf die Fachkompetenz zum Beispiel eines Erich Rutemöller zurückgreifen könnte.

Mit der momentanen Situation ist Friedhelm Funkel zufrieden. „Ich habe eine gute Mannschaft, ein intaktes Umfeld. Wir wollen gemeinsam versuchen aufzusteigen.” Der Mann hält den Ball flach, gerade weil Erfolgsdruck und Erwartungshaltung in der Domstadt unglaublich hoch sind. „Wenn es in dieser Saison nicht klappt, wird es schwieriger, diese Leistungsstärke zu halten. Dann müssen wir abspecken und noch stärker auf junge Spieler setzen.”

Funkel hat mit solchen Ausgangslagen jede Menge Erfahrung. „Für die Kölner Öffentlichkeit sind wir schon aufgestiegen. Das ist gefährlich. Es wird noch ein dornenreicher Weg bis in die Bundesliga.” Friedhelm Funkel misst auch den sechs Punkten aus den beiden ersten Spielen noch keine allzu große Bedeutung bei: „Die Saison ist wie ein Marathonlauf. Da gewinnt auch nicht immer der, der gut startet”, sagt der Trainer.