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Osnabrück: Für Luhukay traben sie wieder

Osnabrück : Für Luhukay traben sie wieder

Kann man ein bisschen aus der Krise rauskommen? Nun, zumindest verpasste Borussia Mönchengladbach beim VfL Osnabrück den auf dem Präsentierteller liegenden Befreiungsschlag. „Nur” 2:2 statt 2:1, wie es 14 Minuten vor dem Schlusspfiff noch geheißen hatte. Doch dann entlud sich, was sich in Halbzeit 2 schon aufgestaut hatte.

Schiedsrichter Michael Kempter zeigte auf den Elfmeterpunkt, nachdem Thomas Reichenberger sich dem Mönchengladbacher Ex-Kölner Alexander Voigt zum Foulen aufgedrängt hatte. Kölner Treff: Thomas Cichon, ebenfalls ehemaliger FCler, verwandelte vehement zum Endergebnis.

Eine „reife” Leistung: Reichenberger ist 33 Jahre, Voigt 29 und der Unparteiische aus Sauldorf - 25! Osnabrücks Torjäger hat die Erfahrung, die Michael Kempter fehlt. Und nutzte sie und die Vorgeschichte weidlich aus. Denn in Halbzeit 1 hatte es aus Osnabrücker Sicht ein Fehlentscheidung zu seinen Ungunsten gegeben. Einen unberechtigten Eckball servierte Marcel Ndjeng Rob Friend zum 2:1 auf den Schädel (32.). „Jeder hat gesehen, dass das keine Ecke war”, echauffierte sich Osnabrück Trainer „Pele” Wollitz. Und gab allerdings zu: „Über den Elfmeter kann man diskutieren.”

„Eine Frechheit”

Das wollte sein Kumpel und Trainer-Kollege Jos Luhukay, den er bestens aus dem Fußballlehrer-Lehrgang kennt, nicht. Ob er sich mehr über den Schiedsrichter, Voigt oder Reichenberger ärgere, wurde der Borussen-Coach gefragt. „Dazu schweige ich”, blieb Luhukay so ruhig, wie seine Elf es auch in der Osnabrücker Drangphase in Halbzeit 1 hätte bleiben müssen. „Das ist nicht mein Thema. Ich akzeptiere die Entscheidung. Zumal das sich ausgeglichen hat mit unserem 2:1. Das war keine Ecke.”

Den Langmut mochte „Übeltäter” Alex Voigt nicht zeigen. „Reichenberger hat sich genauso gewundert wie ich. Der Schiedsrichter hatte freien Blick. Das ist eine Frechheit.” Sein „Opfer” gab schmunzelnd zu: „Das Bein habe ich mir nicht gebrochen.” Voigts´ Trainer lobte sogar Reichenberger und Cichon für ihren unglaubliche Einsatz und ihre Cleverness.

Die hatte Jung-Schiri Kempter schon in Halbzeit 1 überfordert, als ihn nach dem Eck-Fehlpfiff die Osnabrücker Fans weichkochten und zu manchem Wiedergutmachungspfiff für ihre Lieblinge nötigten. Fallsucht und Provokation wurden belohnt. Opfer wurde Rob Friend, der Cichon für seine Schauspieleinlagen verbal attackierte und Gelb sah. In der 65. Minute nahm ihn Luhukay aus dem Spiel: „Ich musste ihn schützen. Der Schiedsrichter hatte ihm schon vor der Pause gesagt, dass er bei nächster Gelegenheit Gelb-Rot sehen würde. Das Risiko, ihn nach der Pause noch mal zu bringen, war fast schon zu hoch.”

Und hätte sich beinah gelohnt. Nach einer Traum-Kombination zwischen Oliver Neuville und Patrick Paauwe vergab der lange Kanadier die Großchance zum 3:1 (54.). Dabei scheint der Torjäger wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt zu sein. Mit einer schönen Einzelleistung hatte er das 1:0 erzielt (8.). Fast zur Tradition wird für Gladbach, dass der Ausgleich erneut durch einen abgefälschten, (Daems) eigentlich harmlosen Schuss fiel (Marcel Schuon/30.).

„Drei Punkte hätten uns gut getan”, sagte Luhukay. Aber auch so reichte es, die Tabellenführung zu verteidigen. Die Spielkontrolle nach der turbulenten und offenen ersten Halbzeit, in der besonders die rechte Abwehrseite mit Tobias Levels und Ndjeng die Achillesferse war, wurde nicht belohnt. Doch der Niederländer sieht das Ende der Formschwäche: „Die Mannschaft ist wieder auf Trab.”