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Düsseldorf: Für Favre ist das 0:0 kein wunder Punkt

Düsseldorf : Für Favre ist das 0:0 kein wunder Punkt

Fußball ist auch deshalb so beliebt, weil diese Sportart so herrlich markante Weisheiten besitzt. Solch schier unumstößliche Urteile geben Sicherheit in einer sich permanent ändernden und immer komplizierter werdenden Welt. „Den muss er rein machen!” ist eine von diesen keinen Widerspruch duldenden Maximen, die ein „ja, aber” im Keim ersticken. Ersticken sollen.

Was nicht immer gelingt. „Ich denke, ich habe bei meiner Chance nichts falsch gemacht”, widerspricht Luuk de Jong. „ Aber das Glück hat gefehlt, und es war ein guter Reflex des Keepers.”

Nun hatte der niederländische Torjäger das Pech, dass beim 0:0 seiner Mönchengladbacher gegen Fortuna Düsseldorf sein Volleyschuss, den Torhüter Fabian Giefer prächtig parierte, die einzige hochkarätige Chance aus dem Spiel heraus war (29.). Zwar hatte Gladbachs Abwehrrecke Martin Stranzl extrem früh die Führung auf dem überwiegend zur Verteidigung geschulten Fuß, als er den Ball über das Tor semmelte. Doch eingeleitet wurde diese Mega-Möglichkeit von einem Eckball. Und obendrein ist der Österreicher eben kein Neuzugang, der wegen einer Ablösesumme von zwölf Millionen Euro gefälligst als Tormaschine zu funktionieren hat. Stranzl also „musste ihn nicht rein machen”.

Analytiker mit Trefferquote

Dafür ist der 32-Jährige, der sich momentan noch nicht davon abbringen lassen will, seine Zelte in Mönchengladbach nach der Saison abzubrechen, ein Analytiker mit hoher Trefferquote. Eine Seltenheit in einer Branche, die sich herausnimmt, Dampfplauderer wie Lothar Matthäus und Stefan Effenberg als „Experten” zu bezeichnen. „Letztes Jahr in Nürnberg haben wir so ein Spiel noch vergeigt”, sieht Stranzl einen weiteren Schritt in der Entwicklung. Und ein Jungspund (19), derzeit aber bereits Mönchengladbachs redefreudigster Spieler, pflichtet ihm bei. „Wir wollten zum Schluss nichts mehr riskieren und nehmen diesen Punkt gerne mit”, beschrieb Granit Xhaka die offensichtliche Zurückhaltung seiner Mannschaft im letzten Drittel der zweiten Hälfte. Schon nach der Pause schlichen sich mehr und mehr Konzentrationsmängel ein.

Die Folgen für die vorher so extrem dominanten Gäste: Abspielfehler. Fatal bei einer auf schnellem Passspiel fußenden Spielweise. Die Düsseldorfer kamen ins Spiel, nachdem sie sich zuvor lediglich als Verhinderer verstanden hatten. Und schmückten sich nur zu gerne mit dieser Feder, indem sie die Besuche in der gegnerischen Hälfte als eigenproduzierte Stärke interpretierten. „In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir schon in der Lage sind, einen vernünftigen Ball zu spielen”, formulierte Düsseldorfs Trainer Norbert Meier. Seinem Kollegen schienen sowohl Ergebnis als auch die „Innereien” anders als so häufig nicht die Laune verdorben zu haben. Für Lucien Favre war das 0:0 kein wunder Punkt. „Ich bin nicht unzufrieden”, sagte der Borussen-Coach. „Wir haben zu Null gespielt.”

Fortschritte statt Sieg

Das ist nicht unbedingt die Maxime des ehrgeizigen Schweizers. Doch womöglich hatte der 54-Jährige ähnlich wie sein Meister-Schüler Stranzl einen Fortschritt gesehen. Nicht nur im Vergleich zur Niederlage in der letzten Saison in Nürnberg oder Augsburg. Tolga Cigerci erfüllte seine Rolle hinter der Spitze de Jong viel besser als noch im Testspiel gegen den FC Sevilla. Sein Plus ist extreme Laufbereitschaft, gute Technik und eine höhere Schnelligkeit als Mike Hanke oder Xhaka, der auch auf dieser Position spielen könnte. Zweiter (Fort-)Schritt: In der ersten Halbzeit im ehemaligen Rheinstadion stand seine Mannschaft so hoch wie noch nie zuvor. Dazu zeigten Arango & Co. ein extremes Forechecking. Beides aber konnten sie nicht über 90 Minuten durchhalten, was auch Mannschaften misslingt, die nicht drei Tage zuvor viel in ein internationales Match investiert hatten. Die Mini-Räume in einem Spiel fast nur in der gegnerischen Hälfte verlangen hohe Konzentration und große Laufbereitschaft. Der psychische Abnutzungsprozess ist entsprechend groß. Da passt es, dass Favre das Spiel in Kiew nicht als Alibi für die schwächere zweite Hälfte nutzen wollte. „Das hat damit nichts zu tun.”

Mit der fehlenden Durchschlagskraft vor der Pause aber auch generell hat dagegen sehr viel Patrick Herrmann und seine andauernde Schaffenskrise zu tun. Dem Flügelflitzer springt erschreckend oft der Ball fünf Meter weit vom Fuß. Die Erklärungsversuche „Kopfproblem” oder „mangelndes Selbstbewusstsein” lassen Favre fast verzweifeln. „Das sind technische Defizite. Punkt!”