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Bielefeld: Für Daum gibts das Wort Abstiegskampf nicht

Bielefeld : Für Daum gibts das Wort Abstiegskampf nicht

Christoph Daum ist ein Mann, der seine Sicht auf die Welt verteidigt. Bisweilen beharrt er auch leicht verstockt auf seine Version von der Realität, so dass der Eindruck einer gewissen Weltfremde entsteht. Am Samstagnachmittag war es mal wieder so weit.

Beim 2:0-Sieg von Arminia Bielefeld gegen Daums 1. FC Köln war Abstiegskampf in seiner reinsten Form geboten worden, eine Stunde lang hatten sich zwei stolpernde Mannschaften duelliert, bisweilen brachen die Zuschauer auf der Haupttribüne angesichts der bunten Mischung aus schlimmen Fehlpässen und motorischen Aussetzern gar in herzhaftes Gelächter aus.

Aber als ein Reporter nach der Partie den Begriff „Abstiegskampf” erwähnte, erwiderte Daum mit strengem Blick: „Dieses Wort stammt von Ihnen, ich habe nie von Abstiegskampf gesprochen, für mich ging es heute darum, Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle zu finden.” Der Mann weigert sich ausdauernd gegen die unwürdige Existenz im unteren Tabellendrittel, dabei ist sein Klub längst dort angekommen.

Auch in Bielefeld hatte die Kölner Mannschaft völlig verdient verloren, weil die Arminia einfach energischer und freudvoller probierte, jenseits aller fußballerischen Limitierungen ein Tor zu erzielen. Das wurde belohnt. Bielefelds Trainer Michael Frontzeck lächelte sanft, als er Daums Ausführungen lauschte, schließlich waren hier zwei ziemlich gleichwertige Mannschaften aufeinander getroffen, mit dem feinen Unterschied, dass Köln gerne träumt, während die Bielefelder gestählt sind von mittlerweile über fünf Jahren permanentem Bundesligaabstiegskampf. Dieses Selbstbild hat längst jede Faser der Arminia durchdrungen.

Im neu ausgebauten Stadion auf der Alm pfeift niemand, selbst, wenn eine Stunde lang nur Fehlpässe und missratene Fernschüsse geboten werden. Die Leute feuern ihr Team einfach weiter an. „Die ganze Stimmung im Stadion heute war perfekt, jede Minute in der ersten und in der zweiten Halbzeit”, sagte Jonas Kamper, der kurz nach seiner Einwechslung einen Freistoß zum 1:0 im Kölner Tor versenkt hatte (74.). „Wenn ich eingewechselt werde, und die Leute meinen Namen rufen, dann stellen sich all meine Körperhaare auf”, erzählte der Däne.

Kölns Kapitän Milivoje Novakovic klagte hingegen, sein Team zeige „keinen Willen zum Sieg”. Der Torjäger war einmal mehr auf sich allein gestellt, wurde zumeist nur mit unbrauchbaren langen hohen Bällen angespielt und resignierte mit zunehmender Spielzeit. „Mir fehlt die Unterstützung. Wir spielen nur defensiv. Jeder spielt hier für sich allein”, erregte sich Novakovic. Die einzige gute Möglichkeit für die Rheinländer ergab sich nach einem schönen Fernschuss des wieder einmal starken Petit (11.). Er traf die Latte.

Ein unbeherrschter und offensichtlich nicht fitter Womé, ein Torhüter, der zu Patzern neigt, ein „isolierter” Torjäger und mit Rodar Antar ein Spielmacher, an dem das Spiel zu häufig vorbeiläuft: Daum, der Mann, der sich an höheren Tabellenregionen orientiert, fand seine Mannschaft dennoch mindestens gleichwertig und erklärte: „Wir haben uns selber geschlagen”, durch Pierre Womès Foul vor dem 1:0, das „nicht nötig war”.

Kurz darauf begleitete der völlig unsichere Faryd Mondragon großzügig Artur Wichniareks Treffer zum 2:0 (77.). „Wir waren gut, es waren nur zwei Momente, die dieses Spiel entschieden haben”, analysierte Kölns Manager Michael Meier. Aber so ist das eben: Fußballspiele werden durch Momente entschieden, im Mittelfeld der Tabelle, genauso wie im Abstiegskampf.