1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Fünf Trainer in vier Präsidentenjahren

Mönchengladbach : Fünf Trainer in vier Präsidentenjahren

In Borussias Fanshop ist ein lauer Montag ausgerufen, nur eine der sieben Kassen ist geöffnet. Das Publikum ist übersichtlich. Der Stand, an dem Fans sich Trikots beflocken lassen können, ist nicht besetzt.

28 Spielernamen stehen hier zur Auswahl. Der Name des Trainers ist keine Option. Zu schnell wäre so ein Trikot aus der Mode und müsste aktualisiert werden.

In Mönchengladbach bräuchten sie eine besonders schnell arbeitende Beflockungsmaschine. Eine Etage unter dem Fanshop sitzt der Präsident Rolf Königs. Seit 2004 ist er im Amt, inzwischen hat er mehr Trainer als Amtsjahre erlebt. Im Schnitt ist er alle elf Monate auf der Suche - so wie jetzt.

Jos Luhukay hat am Sonntag die Kündigung erhalten, und auch sein Co-Trainer Markus Gellhaus ist beurlaubt. Königs nutzt einen der Tarnsätze, die in solchen Momenten häufig abgerufen werden. „Es war das beste für beide Seiten, sich zu trennen.” Luhukay werde als Aufstiegstrainer immer in guter Erinnerung bleiben. „Er war in der 2. Liga genau der richtige Mann”, sagt Königs. Den Satz führt er nicht aus. Sonst müsste er festhalten, dass Luhukay aus seiner Sicht genau der falsche Mann für die 1. Liga sei. Acht Pflichtspiele hat der Aufsteiger hinter sich, heraus kam ein (glücklicher) Sieg. „Wir hinken dem Saisonziel Klassenerhalt hinterher”, sagt Königs.

Der 67-Jährige redet von der angestrebten Kontinuität, aber die Fakten sehen wieder einmal anders aus. „Wir halten nichts von Job-Hopperei”, sagt er häufig. Jetzt muss er sich die Frage gefallen lassen, wie es denn mit seinem Job aussehe? Konsequenzen? „Wir suchen einen neuen Trainer.” Persönliche Konsequenzen? „Ich stelle mich selbst nicht in Frage.”

Kaufmann Königs bleibt jovial, lacht routiniert in die Blitzlichter. Neben ihm sitzt Christian Ziege, der sich wenig Mühe gibt, die schlechte Laune nach seiner ersten Trainerentlassung zu verbergen.

Der 36-Jährige, der als erste Amtshandlung im letzten Jahr Luhukay einen Zwei-Jahresvertrag gab, wirkt müde. Vorerst wird er die Mannschaft selbst betreuen. Eine Zwischenlösung. Das Abenteuer ist nicht nur begrenzt, weil er die formale Voraussetzung (den großen Trainerschein) nicht mitbringt. „Wir wissen, dass ihn das Trainerdasein reizt”, sagt sein Präsident. „Aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Wir möchten ihn als Sportdirektor nicht verlieren.” Ziege fehlt auch die Erfahrung - sieht man von seiner Zeit als Borussias U17-Trainer ab.

Am Montagmittag war der Trainermanager erstmals bei der Mannschaft. Sein Vorsatz: „Selbstvertrauen vermitteln, die Stärken vorführen.” Zweifel an der Leistungsstärke der Mannschaft beschleichen Ziege nicht, schließlich hat er die Gruppe selbst zusammengestellt. „Das Team ist bereit. Die Qualität reicht aus. Die Mannschaft kriegt das hin.”

Die Fahndung ist Sonntagnachmittag angelaufen. Vorher nicht, sagt der Klubboss. Gesucht wird ein erfahrener Mann, der nicht bei der Feuerwehr arbeitet. Die Arbeit soll langfristig angelegt sein, meint Königs. Das erzählt er allerdings seit Jahren. „Der Kandidat sollte sich in der 1. Liga auskennen.” Folgerichtig kursieren Namen wie Hans Meyer, Thomas Doll oder Mirko Slomka rund um den Borussia-Park. Der Verein will sich Zeit lassen. Notfalls wird Ziege die Mannschaft in zwei Wochen in Bochum betreuen.

Zu Namen sagt der Klub vorerst nichts. Nur zu einem Mann fällt dem Präsidenten doch noch etwas ein. Schon vor anderthalb Jahren bot sich Stefan Effenberg konsequent über die Bild-Zeitung an. Gladbachs Ex-Kapitän scheint ein wenig Langeweile zu haben. Die unheilige Allianz scheint noch zu bestehen, das Revolverblatt kramte am Montag die Idee noch einmal heraus. Der pensionierte Tiger sei als Tribünengast jederzeit im Borussia-Park willkommen, meint Königs. „Wir haben seine Angebote in der Vergangenheit abgelehnt und werden das auch jetzt tun.”