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Mönchengladbach: Frust in der Fremde reißt nicht ab

Mönchengladbach : Frust in der Fremde reißt nicht ab

Der reisefreudige Fan von Borussia Mönchengladbach ist einiges gewohnt. Etwa, dass sich die treue Begleitung in der jüngeren Historie nicht wirklich lohnt.

Auch am Samstag haben die Gladbacher vor mehr als 3000 mitgereisten Anhängern im Bremer Weserstadion den Pleiten, Pech und Pannen ein weiteres Kapitel zugefügt. Mit 0:3 (0:3) verloren die in allen Belangen unterlegenen Borussen bei Werder Bremen - und die Fans flüchteten sich in Galgenhumor.

Den gefrusteten „Warum-spielt-ihr-auswärts-so-Scheiße”-Gesängen folgte nach einer Stunde Spielzeit der blanke Hohn: Gemeinsam mit den Bremer Zuschauern unter den 41.179 verlustierten sich die Gäste damit, die Welle jubilierend durch das Oval zu senden.

Trainer Jupp Heynckes ist dieses merkwürdige Schauspiel nicht entgangen. Aber eine schlüssige Erklärung für die notorische Auswärtsschwäche fand der erfahrene Fußball-Lehrer auch nicht. „In meiner aktiven Zeit hat es keinen Unterschied gemacht, auswärts oder daheim zu spielen. Doch in dieser Mannschaft steckt es in den Köpfen - das muss ausradiert werden.”

Es sei ein Nachteil gewesen, auf Werder direkt nach dem Barca-Spiel zu treffen, doch seine Elf habe auch vieles getan, um den Misserfolg zu begünstigen. „Wir hatten eklatante Ballverluste und standen viel zu weit vom Gegner weg”, klagte Heynckes. „Wenn man nur reagiert, braucht man sich über so ein Ergebnis nicht zu wundern.”

Noch deutlicher klagte Nationalspieler Marcell Jansen die Kollegen an: „Wir haben Larifari ohne Druck gespielt. Wie in der F-Jugend”, knurrte der Linksverteidiger, „nur den Ball hin und her zu schieben, sich den Ball in die Hacken zu spielen, das geht nicht.”

Jansen empfiehlt eine teaminterne Aussprache - seit dem Wiederaufstieg 2001 haben die Borussen erst ganze neun (!) Auswärtssiege bewerkstelligt, diese junge Spielzeit endeten alle drei Auftritte in der Fremde erfolglos.

Vor allem die Gladbacher Offensive lieferte an der Weser einen Offenbarungseid ab und ließ sich in fast allen Szenen von den Bremer Abwehrhünen Naldo und Per Mertesacker einschüchtern: Der hoch gelobte Kahê war ebenso ein Ausfall wie Vaclav Sverkos; Michael Delura brachte in zentraler Position immerhin einige gute Ansätze zustande, resignierte angesichts der unzureichenden Unterstützung der Kollegen Eugen Polanski und Hassan El Fakiri aber zu früh. „So machen wir uns alles zunichte”, moserte Delura später: „Auf Dauer reicht es nicht, nur zu Hause zu punkten.”

Ganz anders die Sieger: Streckenweise knüpfte Werder nahtlos an die gute Leistung aus dem Barcelona-Spiel an. Drei Tore binnen sechs Minuten waren das logische Produkt der Überlegenheit. Erst beförderte der überragende Nachwuchsstürmer Aaron Hunt den Ball nach einem von Torwart Kasey Keller nach vorne abgewehrten Naldo-Freistoß über die Linie (33.). „Ich habe den Ball schlecht abgewehrt”, sagte Keller selbstkritisch, „ich hatte gehofft, dass vor mir ein Spieler in den eigenen Farben steht.”

Das Gegentor war für die Gäste bereits der Anfang vom Ende, denn kurz darauf jagte der stark spielende Christian Schulz den Ball nach Hunt-Vorlage vehement und unhaltbar ins Netz (35.).

Und zur Krönung der Tore-Gala zirkelte Spielmacher Diego das Spielgerät gekonnt per Freistoß über die Mauer ins Tor - Keller hatte erneut mit einem wuchtigen Naldo-Schuss gerechnet (38.).

US-Torhüter Keller verließ wie so viele Gladbacher ratlos das Weserstadion. Sein abschließendes Statement drückte die schiere Verzweiflung aus. „Vielleicht brauchen wir jetzt wirklich einen Mentaltrainer.”