Mönchengladbach: Frontzeck: „Nur spielerisch schaffen wir es nicht”

Mönchengladbach: Frontzeck: „Nur spielerisch schaffen wir es nicht”

Mit den Vorbehalten ihm gegenüber muss Michael Frontzeck seit seiner Inthronisierung bei Borussia Mönchengladbach leben. Doch zum Saisonstart stopften der 45-jährige Trainer und seine Spieler mit äußerst ansehnlichen Leistungen und reichlich Punkten den gierig wartenden Vorverurteilern die Schandmäuler.

Nach vier Niederlagen hintereinander aber kommen sie aus den Löchern. Und eine weitere Pleite heute gegen Borussia Dortmund könnte ihnen neue Munition liefern.

Waren Sie von der schlechten Leistung in Freiburg überrascht?
Frontzeck: Vor allem bin ich überrascht über andere Dinge: Das zarte Pflänzchen, das hier entstanden ist, ist zum ersten Mal einer Belastung ausgesetzt. Und wie dann unbedacht oder mutwillig bereits versucht wird, es kaputt zu machen, indem mit bestimmten Szenarien Druck auf den Klub ausgeübt wird.

Warum überrascht Sie das?
Frontzeck: Wir haben vorher von allen Seiten gehört, von allen Journalisten, dass endlich einmal Kontinuität in diesen Klub einkehren muss. Und beim ersten lauen Lüftchen, das um die Ecke weht, geht es schon wieder los. Der Trainer wird in Frage gestellt.

Sie haben einiges geändert, um das Spiel Ihrer Mannschaft in Freiburg zu verbessern. Das hat nicht nur nicht gewirkt - auch das bereits vorhandene Gute war nicht mehr zu sehen. Wie kann das sein?
Frontzeck: Es waren Kleinigkeiten, die ich geändert habe, eine grundsätzlich andere Ausrichtung sehe ich, wenn wir zum Beispiel mit Dreier-Kette spielen würden. Wir aber haben in Freiburg drei frische Spieler gebracht und mit zwei schnellen Leuten auf den Flügeln gespielt. Wir hatten unsere schnellsten Spieler auf dem Platz, ideal zum Kontern. Und die Möglichkeiten dafür waren da, aber wir haben sie fahrlässig liegenlassen.

Woran lag es denn nun genau?
Frontzeck: Das ist schwierig zu erklären. Aber ich habe in meinen 28 Jahren im Profifußball häufig erlebt, dass du drei Spiele hintereinander verlierst, obwohl du gut spielst und sie eigentlich nicht verlieren darfst. Und zum Schluss dieser Kette lieferst du in der vierten Begegnung dann wirklich ein schlechte Leistung.

Der Start in die Saison verlief äußerst positiv. War das vielleicht ein schleichendes Gift?
Frontzeck: Fußballerisch war das besser, als ich vermutet habe. Auch mit dieser Leichtigkeit. Dahin müssen wir zurück. Aber ich habe schon damals gewarnt, dass nicht alles Gold ist was glänzt.

Wenn es nach einer guten Phase einmal grundlegend nicht mehr laufen will, lassen sich gesetzte Mannschaften auf die Grundlagen zurückfallen - auch im Spiel. Muss das gegen Dortmund passieren? Frontzeck: Wir dürfen nicht versuchen, über das Spielerische ins Spiel zurückzufinden, das muss über den Kampf passieren. Allerdings ohne uns am Strafraum einzugraben. Beides muss ineinandergreifen.

Sie haben davon geredet, dass die Mannschaft noch lernen muss. Das war in den englischen Wochen und während der Länderspielphase kaum möglich. Diese Woche aber verlief ungestört. Was lernen Profis konkret in der Trainingsarbeit?
Frontzeck: Für mich ist das eher ein Prozess, weniger ein Lernen. Im Winter sind vier neue Spieler geholt worden, um den Klassenerhalt zu sichern. Im Sommer sind weitere Neue dazugekommen. Dieser Prozess des sich Zusammenfindens dauert nicht acht oder zehn Wochen, der dauert eine komplette Saison.

Und die aktuelle Trainingsarbeit? Arbeiten sie verstärkt an der Ballzirkulation, nicht nur in der Vorwärtsbewegung?
Frontzeck: Man kann alles machen, alles vorarbeiten, alles ansprechen - in letzter Konsequenz muss aber die Mannschaft das umsetzen. Automatismen werden tagtäglich einstudiert, gesichert aber werden sie nur im Spiel. Die Mannschaft muss den Schlüssel dazu finden. Die Einwirkung von außen ist während des Spiels kaum möglich. Anders als im Training, wo ich jederzeit eingreifen kann.

Können Sie dem Spiel in Freiburg noch was Positives abgewinnen?
Frontzeck: Ja, vielleicht war es ganz gut so in dieser Deutlichkeit. Was wir in der ersten Stunde gegen Hoffenheim gezeigt haben, war so überzeugend: Besser geht es nicht. Nicht nur in der Offensive, sondern auch gegen den Ball. 60 Minuten gegen Obasi, Ibisevic, Ba nichts zuzulassen, das muss man erst einmal schaffen. Aber so geht es momentan nicht mehr. Das müssen wir uns wieder erarbeiten.

Mit mehr Defensive?
Frontzeck: Ich habe nie defensiv spielen lassen. Aber dieses Zurückfinden kann mühsam werden. Wichtig aber ist, dass wir aus dieser Situation rauskommen: Dann sind wir einen Schritt weiter.

Sie stehen dafür, dass Ihre Mannschaften immer unangenehm zu spielen waren und sehr kompakt gestanden haben. Warum funktioniert das nicht in Gladbach?
Frontzeck: Das kann man so nicht sagen. In Aachen haben wir fußballerisch richtig gute Spiele abgeliefert, etwa gegen Bayern im Pokal oder gegen Werder Bremen. Was dort aber wegen des Publikums nicht möglich ist: das Spiel kontrolliert anzugehen. Wir haben trotz individueller Unterlegenheit immer versucht, auch spielerisch mitzuhalten. Der Vorteil war: Die Spieler wollten immer. Der Grund für den Abstieg aber ist für mich eindeutig: Plaßhenrich, Straub und auch Schlaudraff waren in der Schlussphase eigentlich nicht mehr existent. Der Klassenerhalt wäre bei dem Etat eine Sensation gewesen.

Und in Mönchengladbach?
Frontzeck: Hier haben wir mehr individuelle Qualität. Aber nicht so viel, dass du es nur spielerisch schaffst.

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