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Mönchengladbach: Frontzeck: „Es gibt kein besseres Rezept als Siege”

Mönchengladbach : Frontzeck: „Es gibt kein besseres Rezept als Siege”

Der Pokal-Wettbewerb ist ein Paradies für Heldengeschichten. Die Kehrseite dieser Individualisierung ist die Kurzlebigkeit. Der Liga-Alltag ist nicht auf „Alles oder Nichts” aufgebaut und lebt mehr denn je von der gemeinsamen entwickelten Stärke.

Und so wird Christofer Heimeroth der frische Ruhm am Samstag in Kaiserslautern nicht mehr viel nutzen - nicht nur, weil dort am Ende des Spiels bei Gleichstand keine Entscheidung per Elfmeterschießen erzwungen wird. Mönchengladbachs Torhüter weiß aus eigener Erfahrung, wie hart das Fußballerleben mit einem umspringen kann.

Auch er musste vor gut zwei Jahren durch die Fan-Hölle gehen, als fast jede Aktion höhnisch oder kritisch abgestraft wurde. Und so kam die Antwort durchaus von Herzen, als ihm eine revanchistische Gefühlslage unterstellt wurde. „Genugtuung - nein! Es war einfach ein schöner Abend für mich.”

Womöglich blitzte ihm auch kurz durch sein Vorstellungsvermögen, wie sein Vorgänger Logan Bailly sich noch mehr in seinem Fernsehsessel verkrochen haben wird, als der zur Nerven-Erholung abgeorderte Belgier die finale Heldentat seines Nachfolgers sah. Das Drehbuch für den sechsten Versuch der Mönchengladbach in Folge, das Achtelfinale zu erreichen, hatte sich zwangsläufig Heimeroth zum Hauptdarsteller ausgesucht und mit ihm auch endlich ein Happyend eingebaut. Michael Frontzeck war nicht der Autor, wohl aber für die Besetzung verantwortlich. Weiterhin am Langzeit-Formtief leidenden Bailly festzuhalten, „damit hätte ich ihm keinen Gefallen getan”.

Der Wechsel zu Heimeroth heißt nicht, dass der ehemaliger Schalker per se der bessere Torhüter ist. Bailly hat nachgewiesen, dass er die einstige Begründung Hans Meyers für den Einkauf seines Nachfolgers-Vorgänger - „ein Torhüter muss seiner Mannschaft mehrerer Spiele gewinnen” - durchaus umsetzen kann. Nach seinem ersten Halbjahr wurde Bailly von den Fans (!) zum Spieler der Rückrunde gewählt.

Und selbst beim letzten Versuch seines „treuen” Trainers, sich am eigenen Schopf aus der Sumpf aus Verunsicherung und Fehlgriffen zu ziehen, zeigte er gegen Bremen noch Paraden, für die Heimeroth am Mittwochabend gefeiert wurde. Doch gerade die Position des Torhüters ist nicht nur eine einsame. Nirgends spielen Glück und Aura eine so große Rolle. Man muss nicht abergläubisch sein, um zu behaupten, Bailly wäre gegen Bayer der Schuss von Derdiyok nicht gegen die Brust geprallt, sondern durch die Beine ins Tor gejuckelt.

Und das nun Beinah-Eigentor von Sebastian Schachten hätte den 24-Jährigen zum Kintopp-Hauptdarsteller in allen TV-Jahresrückblicken gemacht. „Am Sonntag kommt Logan zurück - und wir spielen am Samstag in Kaiserslautern”, antwortet der Mönchengladbacher Trainer auf die Frage, ob Heimeroth denn nun die Nr. 1 sei.

Frontzeck ist ein treuer Trainer, was sein Personal angeht. „Ich stelle mich immer vor die Mannschaft.” Erst recht vor die Spieler, die gerade am Boden liegen. Das macht ihn bei diesen so beliebt. Und hilft speziell in Krisenzeiten, wenn das Vertrauen des Trainers die noch letzte mentale Krücke ist. Frontzeck ist aber auch fußballerisch treu: sich und seinem System. Trotz 27 Gegentoren ging er das Spiel ausgerechnet gegen die offensivstarken Leverkusener gewohnt offensiv an. Der Lohn: das Achtelfinale, 531250 Euro und Freude - aber ausdrücklich keine Genugtuung - darüber, auf dem den richtigen Weg geblieben zu sein: „Ich bin absolut davon überzeugt, was ich tue.”

Seine Spieler auch: Etwa die fünf, die eiskalt und überzeugend ihre Elfmeter verwandelten: Thorben Marx, Igor de Camargo, Mo Idrissou, Michel Bradley und final Filip Daems. Ungewöhnlich für vermeintliche Schießbuden-Besitzer. Ebenso ungewöhnlich wie der Fußball, den Borussia trotz der gefährlichen Liga-Situation immer noch zu spielen vermag. Diesmal sogar mit einer fast durchgängig guten Arbeit „gegen den Ball”. „Das war ein Schritt nach vorn”, urteilt Michael Frontzeck. Auch wenn er durch die Verlängerung und den tiefen Boden Kraft gekostet hat. Jenseits von Terminen auf der Couch oder Kleinarbeit auf dem Trainingsplatz, für die eh bis zum wichtigen Liga-Spiel auf dem Betzenberg keine Zeit bleibt, goutiert er ein Allheilmittel: „Es gibt kein besseres Rezept als Siege.”