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Köln: Francis Kioyo, eine „unglaublich positive Figur”

Köln : Francis Kioyo, eine „unglaublich positive Figur”

Von Fürth nach München über Köln - ein Fußball-Profi macht zwischen Bundesliga und 2. Liga Zwischenstation am Rhein. Und Francis Kioyo nimmts als Wink des Schicksals.

„Ich bin halt ein Glückskind”, sagt der Nationalspieler Kameruns. „Hier gefällt es mir, hier fühle ich mich wohl.”

Die Geschichte des afrikanischen Stürmers ist ebenso abenteuerlich wie bekannt. Als es im Frühjahr offiziell wurde, dass er ab Sommer 2003 für 1860 München spielen will, war er bei der SpVgg Greuther Fürth nicht mehr existent. Trainer Eugen Hach hatte ihn auf den Index gesetzt.

Diese Chance nutzte der 1. FC Köln. In der Saisonvorbereitung zauberte Manager Andreas Rettig den Angreifer, der am kommenden Mittwoch 23 Jahre alt wird, aus dem Hut.

„Ein Jahr FC ist besser als ein Jahr auf der Tribüne”, sagt Francis Kioyo, weshalb er nicht lange überlegen musste, bevor er sich für ein Jahr in Köln verdingte.

Wo er von Mannschaft und Trainer mit offenen Armen aufgenommen wurde. „Es passt”, sagt Kioyo. „Von Anfang an bin ich mit meinen Mitspielern gut zurecht gekommen.”

Und für Friedhelm Funkel ist „ein solcher Spieler ein Glücksfall”. Der oberste Kölner Übungsleiter gesteht freimütig, dass er kein Verständnis für das hat, was Kioyo in seinen letzten Fürther Tagen geschehen ist.

„Ich schade mir doch selbst, wenn ich einen Spieler nicht mehr einsetze, weil er den Verein in einem Jahr verlassen will”, sagt Funkel. „Ich verstehe den Eugen Hach nicht.”

Für Kioyo ist das Kapitel beendet. „Meine Sache ist es jetzt mitzuhelfen, dass der FC Erfolg hat”, schwenkt der Mann, der mit seinem Siegtreffer zum 1:0 in Karlsruhe die Weichen dafür gestellt hat, dass Köln nach vier Spieltagen an der Tabellenspitze steht. „Ich kenne die 2. Liga. Und ich sage, wir packen es, wir nehmen jede Hürde.”

Große Worte des schlaksigen Langen, der es gar nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen. Außerdem: „Mit einem Tor habe ich noch nicht belegt, dass ich ein guter Spieler für Köln bin - ich will mich erst beweisen.”

Francis Kioyo, der erst vor fünf Jahren in Kameruns Hauptstadt Jaunde einem Fußballverein beitrat, ist das jüngste von sechs Geschwistern. Vorher hatte er nur auf der Straße und im Schulsport gegen die Kugel getreten.

Seine Sportlehrer erkannten Kioyos Talent und brachte ihn in einem Verein unter. Dessen Präsident hatte Kontakte nach Deutschland, und so wurde er im Sommer 2000 Profi bei der SpVgg Greuther Fürth.

Nach außen hin wirkt er auch auf seiner zweiten Station als Berufsfußballer grimmig. Doch Francis Kioyo ist alles andere als unnahbar. Neugierig auf alles Unbekannte, äußerst kontaktfreudig und immer höflich - der 22-Jährige ist nicht nur für Journalisten ein angenehmer Gesprächspartner.

Und Interviews mit dem Afrikaner stellen nicht das in der Branche übliche Frage-und-Antwort-Spiel dar. Denn auch Kioyo will von seinem Gegenüber eine Menge wissen. Land, Leuten und der deutschen Sprache gilt sein Interesse dabei.

Kein Wunder, dass die Verständigung mit ihm überhaupt keine Schwierigkeit ist. Er spricht fließend deutsch. Und ist ihn mal eine Vokabel fremd, fragt er nach, bringt das betreffende Wort zu Papier und prägt sich dessen Bedeutung ein.

Was Francis Kioyo macht, das macht er gründlich. Auch im sportlichen Bereich. „Ich will mehr Stabilität in meine Leistung bringen. Ich möchte dass man mich hier in Köln mit dem FC identifiziert.” Dazu ist er schon auf dem besten Weg.

Für Friedhelm Funkel ist Kioyo bereits eine Stammbesetzung in der Offensiv-Abteilung. „Er ist eine unglaublich positive Figur in unserem Kader”, sagt der Trainer. „Er kann uns auf dem Weg in die Bundesliga helfen.” Francis Kioyo kann zum Glücksfall für den 1. FC Köln werden. Um in der nächsten Saison in der Bundesliga mit 1860 gegen die „Geißböcke” anzutreten. Aber das schert ihn nicht.