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Hannover/Mgladbach: Fragen und Antworten zur trostlosen Situation von Borussia Mönchengladbach

Hannover/Mgladbach : Fragen und Antworten zur trostlosen Situation von Borussia Mönchengladbach

Noch vier Mal Erste Liga, dann hat ein „Spieljahr des Schreckens” sein Ende gefunden. Borussia Mönchengladbachs zweiter Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wird dann definitiv besiegelt sein, vielleicht auch schon am Samstag nach der Partie gegen den VfB Stuttgart.

Unser Redakteur Heribert Förster stellte sich Fragen und gab Antworten.

Das 0:1 in Hannover, war´s das?

Rein rechnerisch dummerweise immer noch nicht, aber praktisch.

Und was ist mit einem Wunder, das es doch immer wieder mal geben soll?

Träumer, Ignorant, Phantast! Um ein Wunder zu schaffen, musst du auch bereit dafür sein.

Dafür bereit zu sein, gehört das nicht zur Berufsauffassung eines Fußball-Profis?

Ja.

Wie Ja. Sonst nichts?

Ja. Weil wir an dieser Stelle die Contenance bewahren wollen.

War es wirklich so schlimm in Hannover?

Nein. Schlimmer! Es wäre sogar interessanter gewesen, das Buch von Schiedsrichter Dr. Felix Brych zu lesen.

Wie heißt das denn?

Möglichkeiten und Grenzen der gemeindlichen Förderung des Berufssports aus rechtlicher Sicht.

Aha, aber die Borussen-Fans haben doch 90 Minuten lang gesungen, gefeiert und das Team angefeuert.

Falsch. Sie haben gesungen und sich gefeiert, aber nicht die Mannschaft angefeuert.

Hätte es denn nicht wenigstens ein Spieler verdient gehabt, unterstützt zu werden?

Doch, mehrere sogar. Christofer Heimeroth zum Beispiel. Der Torwart hat keinen Fehler gemacht, weil er keinen Fehler machen konnte, weil er von ganz schwachen Hannoveranern zu keinem Fehler verleitet wurde.

Wer noch?

Peer Kluge, der tut mir echt leid. Er ist ein Profi, der immer alles versucht. Aber sogar er hat in Hannover resigniert, als er nach 20 Minuten gemerkt hat, dass er allein auf weiter Flur ist.

Was ist mit dem Insua? Der läuft doch immer so viel.

Stimmt, er läuft viel.

Und sonst macht er nichts?

Nicht viel jedenfalls. Nicht viel Sinnvolles jedenfalls. Eigentlich gar nichts Sinnvolles. Ich glaube, in einer Weltauswahl könnte er ein richtig gutes Spiel machen. Da, wo es um nichts geht, wo Fußball nur Spaß macht.

Das lässt hoffen, in Gladbach geht es jetzt um nichts mehr, da kann der Fußball ja wieder Spaß machen.

Guter Gag. Wenn ich die Verantwortlichen höre in den letzten Wochen, geht es noch um ganz, ganz viel. Mit Ehre und Anstand absteigen, Herz zeigen, sich wehren, das übliche halt.

Hätte man dies den Spielern nicht schon mal eher sagen können?

Na klar, aber...

Was aber...

Gladbach hat kaum Spieler, die sich wehren können. Alle sind lieb, nett, zuvorkommend, aber du hättest auch ein paar „Schweine” in der Mannschaft gebraucht.

Schweine..?

Ja, so ein Schwein wie den „Tiger”. Also Schwein jetzt nicht schweinisch gesehen. So ein Schwein wie Stefan Effenberg auf dem Platz eben war, das mal dazwischen haut, pöbelt, einen umhaut, Stimmung erzeugt.

Du hättest also auch lieber den „Tiger” statt Ziege als Sportdirektor gehabt.

Um Gottes Willen! Und womöglich noch Lothar Matthäus als Trainer und Berti Vogts als Präsident. Uaaah, grausliche Vorstellung! Nein, nein, das mit Ziege ist okay.

Wieso?

Der Christian ist kein Lautsprecher, er ist ein besonnener Mensch, hat viel Sachverstand. Ziege scheint genau zu wissen, was jetzt helfen kann.

Was, bitteschön, kann in Gladbach noch helfen?

Ein sportliches Konzept, Kontinuität.

Du Langweiler. Das erzählt der Präsident doch seit Jahren alle paar Monate und jedesmal wenn er einen neuen Trainer vorgestellt hat.

Ja, aber Präsident Rolf Königs hat vom Sport keine Ahnung, Christian Ziege schon. Und mit Steffen Korell, Max Eberl und Jos Luhukay scheint sich ein gut funktionierendes Team gefunden zu haben, das ehrlich arbeitet und in den kommenden Jahren für die lang ersehnte Kontinuität sorgen könnte.

An Trainer Jos Luhukay wird aber schon wieder rumgemäkelt.

Völliger Quatsch. Okay, er hätte vielleicht was mehr riskieren können. Aber ich glaube, er ist der richtige. Es ist halt eine blöde Situation für ihn. Solange rechnerisch noch was geht, darf er den Klassenerhalt nicht abhaken. Und das sieht bescheuert aus in der Öffentlichkeit.

Sollte er denn jetzt in den letzten vier Spielen was ändern?

Ich würde was ändern. Schlechter kann es nicht mehr werden, und warum sollten ein Robert Fleßers, Marko Marin, Moses Lamidi oder ein Tobias Levels nichts lernen in den Spielen gegen Stuttgart und die Bayern? Sie würden zumindest zuhören.

Wie zuhören, wem zuhören?

Na, dem Trainer. Christian Ziege hat nach dem 0:1 in Hannover gesagt. „Es tut mir auch für das Trainerteam leid, das der Mannschaft etwas ganz anderes gesagt hat, als sie es dann gespielt hat.”

Müssen die Spieler jetzt alle zum Ohrenarzt?

Nee, nee, selbst das würde nichts mehr bringen. Das ist wie bei kleinen Kindern. Die verstehen auch alles, hören aber nicht. Und da gibt´s irgendwann auch ´ne Strafe.