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Portimao: FC: Dirk Lottner rechnet mit Ewald Lienen ab

Portimao : FC: Dirk Lottner rechnet mit Ewald Lienen ab

Einen Blick zurück konnte sich Dirk Lottner beim Interview im Trainingslager an der Algarve in Portugal nicht verkneifen. Doch vor der Zukunft ist dem Kapitän des 1. FC Köln nicht bange.

Der Wind peitschte den Regen zuweilen waagerecht über den Trainingsplatz. Dennoch war die Stimmung bestens. Wie kommts?

Lottner: Nach der verkorksten Vorsaison haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt. Das schlägt sich in der täglichen Arbeit nieder. Und dennoch muss bei allem Flachs ernsthaft trainiert werden.

Als Kapitän stehen Sie als verlängerter Arm des Trainers dabei besonders in der Verantwortung.

Lottner: Dessen bin ich mir bewusst. Ich spreche auch mit Herrn Funkel so viel wie mit keinem anderen Trainer zuvor. Das funktioniert sehr gut.

Vor einem Jahr beimTrainingslager in Marbella war es anders...

Lottner: Das ist wohl wahr. Wir standen weit unten in der Tabelle, und Ewald Lienen hat als Trainer dazu beigetragen, dass die Stimmung noch schlechter wurde.

Wie bitte?

Lottner: Es fing damit an, dass er die über Jahre gewachsenen Pärchen, die sich die Zimmer teilten, auseinander riss. Dann kündigte er an, dass es nur noch Eins-gegen-eins-Situationen um die Plätze in der Mannschaft geben werde. Niemand sollte mehr einen Stammplatz haben.

Ich habe dann noch bei ihm vorgesprochen, um mein Kapitänsamt niederzulegen. Krönender Höhepunkt war die viermal tägliche Fahrt von fast 40 Minuten zum und vom Trainingsplatz. Das alles führte zu einer sehr aggressiven Stimmung.

Davon scheint man heute weit entfernt zu sein.

Lottner: Ja, das ist jetzt ein wesentlich angenehmeres Arbeiten. Und dennoch fangen wir in zwei Wochen gegen Karlsruhe wieder bei Null an. Dann müssen wir versuchen, zumindest annähernd die Punktzahl zu erreichen wie in der ersten Saisonhälfte.

Wie gefestigt ist die Mannschaft, wenn es die erste Niederlage geben sollte?

Lottner: Zu 100 Prozent kann man das nicht sagen. Aber ich schätze uns als sehr gefestigt ein, weil der Stamm der Mannschaft schon länger zusammen ist und die Neuen sich gut eingefügt haben. Deshalb glaube ich nicht, dass uns etwas aus der Bahn schmeißen kann.

Die Stärke liegt also in der mannschaftlichen Geschlossenheit?

Lottner: Ja, bei uns gibt es zwar starke Einzelspieler, aber keine Stars. Als solcher fühlt sich der Matthias Scherz trotz seiner super Hinrunde nicht, und so fühle auch ich mich nicht. Die Medien haben oft versucht, mich zum Star zu machen. Aber ich bin der ganz normale Dirk Lottner. Als Stars fühlten sich beim FC die Spieler, die für viel Geld geholt wurden, aber dann keine Leistung geboten haben.

Zum Beginn eines Jahres richtet man gerne den Blick nach vorne. Sie werden im März 31 Jahre alt und stehen noch bis 2004 beim 1. FC Köln unter Vertrag. Wie schauen Ihre Ziele für die Zukunft aus?

Lottner: Da steht an erster Stelle unser Aufstieg im Sommer. Dann hoffe ich auf eine gute Hinrunde in der Bundesliga. Und heute in einem Jahr würde ich mich dann mit der sportlichen Leitung des Vereins zusammensetzen. Dann kann man sehen, ob es reicht oder nicht (lacht).

Aber Scherz beiseite: Ich würde gerne noch bis 34 spielen. Und dass es noch reicht, habe ich ja in den letzten Jahren bewiesen.