Mönchengladbach: Favre und seine Gesichts-OP

Mönchengladbach: Favre und seine Gesichts-OP

„Es sind Details”, pflegt Lucien Favre zu sagen, wenn er seine Arbeit beschreiben soll. Der Schweizer Trainer versucht sich daran, dem Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach wieder ein erstklassiges Aussehen zu verpassen. „Ich arbeite daran, dass die Mannschaft nur noch ihr gutes Gesicht zeigt”, erklärt der 53-Jährige. Es handelt sich um eine Langzeit-OP mit mehreren Eingriffen. Und auch mit Rückschlägen. Wie etwa beim 1:2 in Wolfsburg, als Borussia wieder ihr hässliches Gesicht zeigte.

Details hin, Details her: Ein reines Facelifting wird deshalb auch wohl nicht genügen, um am Samstag (15.30) gegen 1899 Hoffenheim bestehen zu können. Der große Schnitt ist in der laufenden Spielzeit kaum möglich. Aber für die Begegnung mit dem Kraischgau-Klub kommt es zu personellen Korrekturen und Veränderungen.

Nordtveit fällt aus

Zur ersten Abteilung gehört die Besetzung der Rechtsverteidiger-Position. Dort hat Tobias Levels überlange seinen Beitrag zur Hässlichkeit leisten dürfen. Er wird durch einen Spieler ersetzt, dem Favre nicht überbordende Schönheit attestiert, aber immerhin mit einem anspruchsvollen Etikett auszeichnet: „ein polyvalenter Spieler.” Tony Jantschke heißt er, und der junge Mann kann auch im defensiven Mittelfeld spielen.

Alle Favre-Vorgänger lobten dessen Vielseitigkeit und spielerisches sowie taktisches Vermögen. Nicht schlecht für einen 20-Jährigen, dem man nun nach überstandener Verletzung zutraut, die rechte Fehlerquelle weniger munter sprudeln zu lassen.

Das also ist die erste von zwei Veränderungen - die mit Plan. Die zweite dürfte eine Schaffenspause für Roman Neustädter sein, der in Wolfsburg zu den vier Totalausfällen zählte. Eine ungeplante Variante löst wohl der Infekt von Harald Nordtveit aus. Die hoch ansteckende Grippe sorgt für ein neues Duo auf der Doppel-Sechs: Thorben Marx und Wintereinkauf Michael Fink hatten noch nicht das gemeinsame Vergnügen. Torhüter Logan Bailly dürfte trotz Innenbanddehnung so grad´ noch die Kurve zwischen die Pfosten schaffen.

Nach den Video-Tagen zuvor stand diese Woche ganz im Zeichen von Einzelgesprächen. Neben Levels und Neustädter hatten sich Patrick Herrmann, Juan Arango und auch Mo Idrissou sowie Dante in Wolfsburg für den Intim-Unterricht beworben. Ein Thema aber war sicherlich auch ein kollektives: „Wir wollten gegen den VfL hoch stehen, Pressing spielen, haben dabei aber vergessen zu verteidigen”, beschreibt Oberlehrer Favre. Tief stehen und hoch gewinnen schafft seine Mannschaft derzeit aber eh nicht.

Und so wird die taktische Annäherung an das gegnerische Tor gegen Hoffenheim wohl etwas weniger raumgreifend und, wie Favre hofft, auch weniger raumgebend geschehen. „Kein Harakiri”, fordert der Schweizer „Schönheits-Chirurg”. Doch auch wenn Sportdirektor Max Eberl auf die bisher punktemäßig „normale” Rückrunde verweist (drei Siege in sieben Spielen), ein Fortsetzung dieser Art von Normalität würde zwangshaft ins Anormale führen: den Abstieg.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Reus, Fink, Neustädter, Marx, Arango - de Camargo