Aachen: Erik Meijer: „Ich habe ein reines Gewissen”

Aachen: Erik Meijer: „Ich habe ein reines Gewissen”

Am Tag, an dem es um die nackte Existenz des Vereins ging, war auch Erik Meijer wieder im Lande. Natürlich hatte der Geschäftsführer Sport bei Alemannia Aachen auch in der Ferne Wind davon bekommen, welche Wellen seine Reise zu einer Segel-Regatta geschlagen hatte.

Der Manager in Urlaub, während die arg gefährdete Mannschaft gegen den SC Paderborn spielte: „Dass daraus ein Thema gemacht wird, ist lächerlich”, sagt Meijer.

Vor allem aber stellt er fest: „Ich habe ein reines Gewissen, das ist das Allerwichtigste. Die Reise war seit zwei Jahren geplant. Meine Abteilung war instruiert, und zwar so, dass ich eine Woche beruhigt weg sein konnte. Ich habe jeden Tag meine Abteilung unter Kontrolle gehabt”, Telefon und Internet seien auch in der Karibik verfügbar gewesen.

„Eine Frechheit”

„Dass sich jetzt Leute aus dem Aufsichtsrat gemeldet haben, die mir den Urlaub vorwerfen, ist eine Frechheit”, sagt Erik Meijer. Damit ist weniger der Vorsitzende des Kontrollgremiums gemeint. „Mit Meino Heyen habe ich überhaupt kein Problem. Und wenn es eins gibt, dann wird er mir das sagen. Dann reden wir wie zwei Männer hinter verschlossenen Türen und gehen mit einer Stimme raus, wenn es was zu sagen gibt. Wir beide machen unseren Job für den Klub und nicht, um uns selbst zu profilieren. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass ich aus bestimmten Ecken immer Gegenwind bekomme.”

Meijer ärgert sich - ohne dass er den Namen in den Mund nimmt - über Aufsichtsrats-Mitglied Horst Rambau. Der hatte in unserer Zeitung erklärt: „Generell finde ich es gut, wenn Chefs Leidenschaft und Hingabe ihren Mitarbeitern vorleben.” Das lässt der Manager nicht auf sich sitzen: „Ich gehe mit Leidenschaft und Energie in den Job rein, so wie ich das als Fußballer gemacht habe. Ich mache den Job, weil ich an die Sache glaube.” Der Kritik setzt Meijer entgegen: „Nachdenken ist schwierig - deshalb bilden sich viele eine Meinung.” Weil sie die Fakten nicht kennen würden.

Wer in einem Gremium sitze, „der übernimmt Verantwortung. Da haben wir viele Leute, die fantastisch sind. Und einen, der Opposition spielt.” Erik Meijer bedauert eine grundsätzliche Entwicklung in Zeiten von „Foren, Facebook, E-Mail, und das wird immer schlimmer - dass dir die Leute nie direkt was ins Gesicht sagen”.

So wurde dem Alemannia-Geschäftsführer hinter vorgehaltener Hand auch zur Last gelegt, dass er bislang kein einziges Gespräch mit Spielern im Hinblick auf die neue Saison geführt habe. „Wir sind einen Punkt über dem Strich. Da muss ich mit keinem sprechen. Oder hat sich einer schon was verdient unter den Spielern, deren Verträge auslaufen? Da sind nicht viele dabei.”

Auch darüber kann Erik Meijer nur den Kopf schütteln: Sein ehemaliger Kollege Stefan Blank, inzwischen Spielerberater, habe in der Winterpause von einem Interessenten für David Odonkor gesprochen, aber keine Rückmeldung erhalten. „Das ist nicht wahr”, sagt der Limburger. „Ich habe erklärt, dass das nicht infrage kommt - nach drei Monaten Alemannia Aachen einen Spieler abzugeben, der bei uns wieder eine Chance im deutschen Profifußball bekommen hat.” Zusatz: „Damit würde doch nur ein anderer Geld verdienen. Außerdem: Es ist nie was Ernstes ans Licht gekommen. Wir sprechen hier also über gebackene Luft.”

Wie viel Lust hat Erik Meijer noch? „Sehr viel”, sagt der 42-Jährige. Dass er intern schon mit Rücktritt gedroht habe, will er nicht kommentieren. „Es gibt sicher Dinge, die nicht so viel Spaß machen. Ich hoffe, dass wir das geklärt bekommen.” Für schnelles Aufgeben ist Meijer nicht bekannt. „Aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr weiterkomme - im Moment habe ich dieses Gefühl nicht -, dann muss ich es mit mir selbst ausmachen, wie ich damit umgehe.”

Nächste Woche geht es um Hadouirs Zukunft

Am Freitag wird wieder Fußball gespielt, Alemannia steht vor der anspruchsvollen Aufgabe bei Tabellenführer SpVgg Greuther Fürth. Und obwohl die personelle Situation angespannt ist (Albert Streit und Seyi Olajengbesi gesperrt, Kim Falkenberg weiter verletzt), wird Anouar Hadouir nicht in den Profi-Kader zurückgeholt. „Er hat in der U 23 gut trainiert und in der Fünften Liga gegen einen ganz schlechten Verein ordentlich gespielt”, sagt Trainer Friedhelm Funkel. Nach dem 5:1 in Schermbeck lautet Hadouirs nächste Aufgabe am Sonntag VfB Homberg.

Anfang nächster Woche wird es ein Gespräch über die Zukunft der Nummer 10 geben. Auf Wunsch Hadouirs sollen daran auch sein Berater und Alemannia-Manager Erik Meijer teilnehmen.