Aachen: Erfahrener Demai kehrt zurück

Aachen: Erfahrener Demai kehrt zurück

Zügig ist dieser Verein in den letzten Wochen gealtert. Ein 58-jähriger hat einen 35-jährigen Trainer ersetzt, und man kann auch der Mannschaft beim Altern zusehen. Beim Tabellenletzten setzt man auf Erfahrung.

Das Durchschnittsalter nimmt zu, der Jugendwahn ist vorerst abgeschafft. Die Warnleuchten sind auf Rot geschaltet, das Team ist mit Wucht vom lichten Aussichtsplateau bis hinab in den tiefen Tabellenkeller gesaust. Zuletzt fand sich kein Kopf für den Notknopf. Personal hat der neue Trainer Friedhelm Funkel zwar in Übermaß. Beim Gastspiel am Sonntag in Dresden fehlen nur Torwart Boy Waterman (soll nächste Woche wieder einsteigen) und erneut Anouar Hadouir.

Ansonsten sind die Regale prallgefüllt. Aber noch immer ist nicht erkennbar, wer den Laden zusammenhalten kann. „Erfahrung ist da ein wichtiges Kriterium”, sagt der unglaublich erfahrene Trainer, der auch noch auf seinen ersten Punkt mit dem neuen Team wartet. Er will verstärkt auf Profis setzen, die solche Situationen schon einmal erleben mussten.

Rückennummer 26

Zu den routinierten Spielern im Angebot gehört auch Aimen Demai. Aussortiert, abgeschoben, ohne Rückennummer verbannt. Doch plötzlich ist auch der Tunesier wieder eine Alternative. Zum ersten Mal steht er in dieser Saison im Kader. „Die Vorgeschichte interessiert mich nicht, ich will nur sehen, dass einer gut trainiert”, sagt Funkel. Der Mann mit der Rückennummer 26 könnte sogar in die Startelf rücken. Auf der rechten Seite drängten sich zuletzt zwei Spieler auf, die in dieser Saison exakt null Minuten gespielt haben: Neben Demai könnte auch Kim Falkenberg sein Comeback nach langer Leidenszeit feiern.

Demai will vorerst nicht reden. Zum „Verhängnis” wurde ihm unter anderem ein kleines Interview vor Monaten, als er das mangelnde Vertrauen seines Trainers thematisierte. Der Aspekt war zwar wochenlang an jeder Aufstellung von Peter Hyballa ablesbar, die Kritik fand dennoch nur begrenzten Beifall. Seitdem schweigt Demai vorsichtshalber, will erst wieder sprechen, wenn er spielen darf. Vielleicht endet das Schweigegelübde am Sonntag in Sachsen.

Bibiana Steinhaus pfeift

„Wir dürfen uns in diesem Hexenkessel in Dresden nicht von der Hektik anstecken lassen, müssen cool bleiben”, sagt der Trainer. Auch da sind Profis mit langer Zündschnur gefragt, die die Ruhe bewahren und sich nicht reizen lassen. Für eine mögliche Deeskalation wurde vom DFB eine Frau ausgesucht: Bibiana Steinhaus leitet das Treffen der schwarz-gelben Teams.

„Wer wissen will, wie Dynamo tickt, muss zu einem Heimspiel vorbeischauen”, kündigt Cristian Fiel an. Wie schon zu Aachener Zeiten ist er auch hier der Kapitän der Veranstaltung. Die Euphorie beim Aufsteiger ist greifbar: Statt der kalkulierten 17 000 kommen im Schnitt bislang 27.000 Zuschauer. Und auch für das Duell mit dem Ligaletzten haben sich fast 26.000 Fans angesagt. Fiel fühlt sich wohl in Dresden, nachdem Aachen vor zwei Jahren auf seine Erfahrung verzichtete. Für den Ernstfall kündigt er an, ernst zu bleiben. „Bei einem Treffer von mir würde ich nicht jubeln.”

Vielleicht kommt es aber auch anders: Ein Alemannia-Sieg wäre eine höchst willkommene neue Erfahrung für die Gäste.