Aachen: Ein Torjäger, der die Chancen riechen kann

Aachen: Ein Torjäger, der die Chancen riechen kann

Natürlich hatte auch Cottbus Trainer Pele Wollitz auf den gegnerischen Sturmführer aufmerksam gemacht. Die Spielweise von Benjamin Auer hat sich im Lauf des letzten Jahrzehnts herumgesprochen, ebenso seine Torgefahr. Theoretisch war der Fall geklärt.

In der Praxis beobachtete Wollitz dann Erstaunliches. Auer durfte zweimal von der gleichen Stelle im Fünfmeterraum aus treffen. Im Radius von vier Metern befand sich kein Spieler, so als wäre der Stürmer von einer hoch ansteckenden Krankheit befallen.

Auer ist schon ein Phänomen, in 81 Spielen für Aachen hat der 30-Jährige stolze 43 Tore erzielt. Aktuell steht das Konto bei 13 Treffern, Auer wird vermutlich seinen Rekord (16 Tore in 08/09) verbessern.

Eine nachvollziehbare Erklärung für die imposante Quote? „Das Spiel in Aachen ist auf mich zugeschnitten, ich habe schon Leute, die mich suchen”, sagt er. Zudem besitzt er eine Fähigkeit, die man nicht antrainieren kann: Auer kann Torchancen erahnen. Vielleicht hat so eine Torchance ja auch einen Geruch, wie frischer Wind oder wie Moschus. Er hat die Nase dafür.

Die Trainer haben vor der Saison von 20 Saisontreffern gesprochen. „Das war nicht meine Vorgabe”, sagt er. „Die Trainer wollen möglichst viele Tore sehen, damit sie mich für 2,50 Euro verkaufen können”, sagt er. Ein Scherz.

Natürlich hat er auch ein persönliches Tor-Ziel, das hält er aber lieber unter Verschluss. Kleine Ausnahme: „Meinem Söhnchen flüstere ich die Zahl abends immer ins Ohr.”

Die beiden Tore in Cottbus haben sich natürlich schnell herumgesprochen, eine andere Sensation hielt Trainer Peter Hyballa dagegen bis Freitag unter Verschluss: „Benny war unser Marathonläufer in Cottbus.”

Das ist einmal eine schöne Gegenthese für Auer-Kritiker, die ihm mangelnde Laufleistung vorhalten. „Ich weiß gar nicht, wo das herkommt”, sagt Auer, „das wird teilweise falsch gesehen.”

Hyballa gehört nicht zu den Trainern, die ihre Spieler uneingeschränkt stark machen, auch Auer bekam schon die Aufforderung, sich nicht mit einem Treffer im Spiel zufriedenzugeben. Auftrag erfüllt. Aber der Coach findet für einen der letzten „Senioren” in seinem Team gute Worte: „Er ist ein richtig guter Kapitän geworden - nicht nur auf dem Platz.”

Auer könnte die Saison noch krönen: In Aachen liegt er aussichtsreich bei der Sportlerwahl im Rennen, und auch für die Torjäger-Kanone würde sich vermutlich ein Plätzchen im Hause Auer finden.

Die Torejagd geht am Samstag gegen den FSV Frankfurt weiter. Hyballa wird sein Team kaum verändern. Thomas Zdebel und auch Seyi Olajengbesi kehren in den Kader zurück. Fehlen werden diesmal noch die Innenverteidiger Thomas Stehle und Nico Herzig.

Ohne die erfahrenen Recken soll die miese Bilanz gegen Spitzenteams endlich aufgehübscht werden: „Da haben wir zu selten einen Big Point gesetzt.”