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Aachen: Ein Sieg gegen Belgien stößt Tor zur EM auf

Aachen : Ein Sieg gegen Belgien stößt Tor zur EM auf

Ein Auslandsspiel vor der eigenen Haustür: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen tritt am Mittwoch zum EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien in Eupen (17.20 Uhr) an.

Mit der Bundestrainerin Silvia Neid sprach unserer Redakteur Roman Sobierajski vor der Begegnung.

Ihre Mannschaft geht als haushoher Favorit in das Spiel gegen Belgien. Ist es schwer, die Spielerinnen vor einer solchen Begegnung zu motivieren?

Neid: Nein, überhaupt nicht, weil die Mannschaft nicht immer in dieser Besetzung zusammen gespielt hat in den letzten Jahren. Eine erfahrene Spielerin wie Renate Lingor ist verletzt nicht dabei, dafür sind jüngere Spielerinnen im Kader wie Jennifer Zietz, die auf den Zug aufspringen möchte, oder Anja Mittag, die verletzt war und wieder eine Chance bekommt. Wenn ich die Spielerinnen motivieren müsste, wären sie auch fehl am Platz.

Wie sieht es bei Ihnen aus?

Neid: Mich muss ich auch nicht motivieren. Nach der WM 2007 kann man sich bis zum Jahresende den Erfolg genießen. Im Januar hat dann eine neue Herausforderung begonnen. Man muss akribisch daran arbeiten, um sich an der Weltspitze festzusetzen. Man kann nicht immer Erster werden, aber unser Ziel ist schon, dass wir zu den besten Vier gehören möchten. Das ist harte Arbeit.

Die Mannschaft macht einen Generationswechsel durch. Ist die Entscheidung über die Nummer eins im Tor schon gefallen?

Neid: Nein, die Entscheidung ist noch offen. Mit Silke Rottenberg und Nadine Angerer haben wir zwei Torfrauen von Weltformat, die gute Leistungen über Jahre hinweg bringen. Die anderen Nationen beneiden uns darum. Silke Rottenberg hat es verdient, dass der Kampf um den Platz im Tor offen ausgetragen wird. Sie hat über ein Jahrzehnt hinweg hervorragende Leistungen gebracht. Sie verdient, die Chance zu bekommen, wieder die Nummer eins zu werden.

Wird Silke Rottenberg in Eupen im Tor stehen?

Neid: das war der ursprüngliche Plan, aber sie hat Probleme mit dem Fuß und darum gebeten, dass wir das Spiel tauschen. Also wird Nadine Angerer gegen Belgien das Tor hüten.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Renate Lingor, der zentralen Spielerin im Mittelfeld?

Neid: Sehr schwer. Sie ist unsere Spielmacherin von hinten heraus, sie spielt die wichtigen und entscheidenden Pässe, und vor allem kennt sie die Zeitpunkte, wenn sie auf den Ball gehen muss, den Ball erobern kann. Sie kann organisieren und coachen, was für die jüngeren Spielerinnen wichtig ist.

Wie schätzen Sie den Gegner Belgien ein?

Neid: Wir haben im Oktober in Lübeck 3:0 gegen Belgien gewonnen. Sie werden sehr kompakt stehen und uns das Leben dadurch schwer machen wollen. Sie wollen über Konter zum Erfolg kommen. Unsere Devise lautet, den Ball laufen lassen, schnell spielen, über die Flügel gehen und dann vor dem Tor gut besetzt sein. Aber es wird auf jeden Fall ein zweikampfstarkes Spiel werden, weil die Belgierinnen sich nicht einfach geschlagen geben werden. Belgien ist Zweiter und hat auch noch Ambitionen, sich zu qualifizieren.

Werden die drei länger verletzten Spielerinnen wieder in die Mannschaft zurückkehren?

Neid: Das ist noch nicht klar. Die taktische Aufarbeitung fängt jetzt erst an, und muss erst mal schauen, welchen Eindruck man gewinnt. Aber in der Bundesliga hat mir Kerstin Garefrekes sehr gut gefallen, Linda Bresonik auch. Celia Okoyino da Mbabi hat auch vier Tore geschossen, seitdem sie wieder spielt. Es deutet alles darauf hin, dass sie zum Einsatz kommen werden.

Der Austragungsort ist nur 15 Kilometer von der Grenze entfernt, wird das ein Heimspiel für Ihre Mannschaft werden?

Neid: Ich hoffe doch. Der Spielort ist von den Belgiern gut ausgesucht, ich habe bestimmt nichts dagegen und hoffe, dass sehr viele deutsche Zuschauer über die Grenze kommen und uns unterstützen werden.

Wie hoch siedeln Sie den Stellenwert einer solchen Qualifikation an, an der auch die Fußballzwerge teilnehmen?

Neid: An der nächsten Europameisterschaft werden erstmals zwölf Teams teilnehmen. Für jede Mannschaft ist es wichtig, bei solch einem Turnier dabei zu sein. Das ist auch wichtig für den Frauenfußball. Es gibt keinen Grund, einem Gegner respektlos zu begegnen. Solche Spiele sind auch wichtig für die Entwicklung der Spielerinnen, Lauffreude und gute Technik sind gefragt. Meine Mannschaft führt mit fünf Siegen und 22:1 Toren. Mit drei Punkten gegen Belgien hätten wir uns definitiv für die EM qualifiziert.