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Mönchengladbach: Ein Schuss, so daneben wie die Saison

Mönchengladbach : Ein Schuss, so daneben wie die Saison

Wenn es die Möglichkeit gibt, anhand einer einzigen Szene den Verlauf einer gesamten Saison zu beschreiben, bietet sich beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zwingend jene an, die sich am Samstag gegen 17.12 Uhr im Borussia-Park abspielte.

Es waren exakt 85:56 Minuten gespielt in der Partie gegen den VfB Stuttgart, als sich Kasper Bögelund einmal gut auf Rechtsaußen durchgesetzt und den Ball zurück zu Peer Kluge gepasst hatte.

Borussias Kapitän an diesem Tag und auf die gesamte so fürchterlich verlaufene Saison gesehen mit Torwart Kasey Keller bester und - wenn es so etwas gab - beständigster Gladbacher Profi, nahm den Ball mit rechts an. Der 26-Jährige stand frei, hatte Zeit, legte sich den Ball auf den etwas stärkeren linken Fuß. Kein Stuttgarter in der Nähe, die Schussbahn war frei - 1:1!

Das 1:1 hätte es sein müssen, der Ball aber landete - im Seitenaus. Völlig missglückt dieser Schuss, so daneben wie die gesamte Saison. Dass die Borussia nach den Schlappen von Mainz und Aachen definitiv als Absteiger feststeht, ist nur eine Randnotiz.

Besser und einfacher als Peer Kluge, dem man ob seines tadellosen Engagements bei seinem Fehlschuss noch nicht einmal böse sein konnte, kann niemand den Saisonverlauf zusammenfassen. „Es wurde viel Geld investiert in die Mannschaft, aber es hat wieder nicht geklappt. Wir haben die gesamte Saison über nie richtig Fußball gespielt, und wir waren nie so konstant und gut, um die Klasse zu halten.” Kurz und prägnant, mit dem finalen Hinweis: „Wenn man nur 22 Tore in 31 Spielen erzielt...” Ende, Aus, „es ist ein verdienter Abstieg.”

Den ursächlich nicht die derzeit sportlich maßgeblichen Leute zu verantworten haben. Die missglückte Personalplanung der jüngeren Vergangenheit hat es für das Trainerteam um Jos Luhukay und die „Kompetenzler” um Sportdirektor Christian Ziege fast unmöglich gemacht, in nur wenigen Monaten entscheidende Korrekturen vorzunehmen. Ein Aufgebot ohne torgefährliche Abwehrspieler, ohne torgefährliche Mittelfeldakteure und ohne torgefährliche Stürmer hat kein anderer Klub zu bieten.

Dass der Auftritt gegen Stuttgart lange Zeit und bis zum entscheidenden 0:1 durch Roberto Hilbert (53.) durchaus als zufriedenstellend einzustufen war, interessierte am Ende niemanden so wirklich. Viele Zeitgenossen wollten die korrekten Einschätzungen von Luhukay („Ich habe der Mannschaft nichts vorzuwerfen, außer dass wieder einmal die Chancen nicht genutzt wurden”) und Ziege („Die Mannschaft hat hervorragend gekämpft und sich Chancen herausgespielt”) nicht hören. So, als hätte der Tabellenletzte den clever auftretenden Titelaspiranten über den Haufen rennen müssen.

Das teils zynische Verhalten der Fans prangerte indes kaum ein Spieler an, „sie haben doch recht, wenn sie Absteiger rufen” (Kluge), „ist ja wohl verständlich” (Ziege), „das ist doch normal, bei der Enttäuschung über die gesamte Saison” (Luhukay).

Was bleibt: Der Versuch, sich anständig aus der Liga zu verabschieden - was gegen Stuttgart dem starken Steve Gohouri mit zwei derben Fouls am Ende und der Gelb-Roten Karte nicht gelang.

Was bleibt: Der Wunsch, nicht wie gegen Nürnberg, Frankfurt, Hannover, Stuttgart, Dortmund, Wolfsburg, Leverkusen, Hamburg und erneut Hannover sowie Stuttgart gegen die Bayern, in Mainz und gegen Bochum zum elften, zwölften und 13. Mal in dieser Saison mit 0:1 zu verlieren.

Was bleibt: die Sehnsucht. Auf die Frage in einem Internet-Forum, was man von der Borussia im nächsten Jahr erwarte, gab es einige bemerkenswerte Antworten der Fans: „Eine Idee, die langsam entwickelt wird.” - „Wenn ein langfristiges Ergebnis abzusehen ist, warte ich auch gerne ein Jahr länger.” - „Ganz einfach: Ein Team, und diesmal ein echtes, ich will Leidenschaft sehen.”

Königs bleibt Präsident Neuville wird operiert

Borussias Aufsichtsrat hat am Samstag das Präsidium mit Präsident Rolf Königs und Vizepräsident Siegfried Söllner einstimmig wiedergewählt. Die Wahl des Präsidiums stand turnusmäßig an.

„Trotz der äußerst unbefriedigenden sportlichen Situation haben wir absolutes Vertrauen in unser Präsidium. Borussias wirtschaftlicher Erfolg und die im Borussia-Park geschaffenen Strukturen sind das Ergebnis der Arbeit des Präsidiums und wir sind sicher, dass wir mit diesem Präsidium auch die sportliche Talsohle durchschreiten und mittelfristig wieder Erfolg haben werden”, so Hermann Jansen, Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Für Oliver Neuville, 33, ist die Saison beendet. Borussias Angreifer wird am Montag in München an der Leiste operiert. Neuville, der nach einer Adduktorenoperation im Januar gerade wieder einsatzbereit war, zog sich im Training in dieser Woche einen Bruch der rechten Leiste zu. Durch die Entscheidung, die Operation jetzt vorzunehmen, ist der Nationalspieler „zum Beginn der Vorbereitung auf die neue Saison wieder fit”, erklärte Borussias Mannschaftsarzt Dr. Stefan Hertl.