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Mönchengladbach: Ein etwas anderes Schützenfest

Mönchengladbach : Ein etwas anderes Schützenfest

Es war das vom Vereinsblatt „Fohlenecho” erwartete Schützenfest. Doch die Tore fielen auf beiden Seiten, und so gewann Borussia Mönchengladbach am Abend in der Fußball-Bundesliga statt 5:0 „nur” 3:2.

Sicherlich nicht unverdient. Aber nach dem Anschlusstreffer der Freiburger bewiesen die Borussen, dass ihr taktisches Vermögen durchaus noch ausbaufähig ist.

„Nach der 3:1-Führung hätten wir es leichter ausspielen müssen. Stattdessen haben wir uns zu sehr zurückgezogen und sind deshalb nach dem 3:2 noch einmal in Schwierigkeiten gekommen”, sagte Trainer Dick Advocaat.

Die Probleme hätte Oliver Neuville mit einem Schuss im Keime ersticken können. Doch Gladbachs Torjäger läuft weiterhin seinem zehnten Saisontreffer hinterher.

Der 31-Jährige kämpfte sein eigenes Spiel und versuchte unter den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, mit Gewalt den Knoten platzen zu lassen.

Höhepunkt: Neuville scheiterte mit einem Foulelfmeter an Torhüter Richard Golz (72.), nachdem er schon vorher demonstriert hatte, dass ihm seine herausragende Schusstechnik beim „Nervenkrieg” abhanden gekommen ist.

Dabei musste er sich nicht zaghaft beweisen: Klinsmann hatte ihn bereits zwei Stunden vor dem Anpfiff als Nachrücker für den verletzten Lukas Podolski fürs Länderspiel gegen Argentinien nominiert.

„Das hat mich schon ein bisschen überrascht. Natürlich freue ich mich darüber. Über unseren Sieg auch. Nicht aber über den verschossenen Elfer.”

Frecher Sonck

Neuvilles Gegenentwurf scheint Wesley Sonck zu sein. „Er ist frech”, lobt Advocaat seinen neuen „Flamen-Bomber”.

Da passte es, dass der am Knie angeschlagene Ex-Amsterdamer nach seinem ersten Tor für seinen neuen Arbeitgeber gleich noch einen Ausflug ins Turnfach hinlegte: Flick-Flack nach dem 2:1-Kopfball-Tor (29.).

„Schmerzen habe ich immer noch. Aber ich fühle mich gut, weil wir gewonnen haben. Wenn ich zwei Tore schieße und wir nicht gewinnen, würde ich mich nicht gut fühlen”, gewährte er Einblick in sein Seelenleben.

Nach dem 3:1-Abstauber-Tor verzichtete er vorsichtshalber auf eine Wiederholung der circensischen Jubel-Einlage.

Wenig Grund zum Jubeln hatte Torhüter Kasey Keller. Soumaila Coulibaly donnerte dem verdutzten Routinier aus 35 Metern die Freiburger Führung um die Ohren (13.). „Shit, aber das kann passieren”, kapitulierte er vor der Urgewalt des Fernschusses.

Was allerdings beim 3:2 passierte, bringt den 35-Jährigen auf die Palme: „Der war auf keinen Fall drin, ich kann es nicht glauben.” Doch Markus Scheibel, seines Zeichens Schiedsrichter-Assistent, glaubte es nicht nur, sondern gab auch vor es zu wissen und entschied für seinen Chef Markus Schmidt auf Tor.

Erstaunlich, wo selbst die Fernsehbilder nicht auflösen konnten, ob der Kopfball von Sascha Riether wirklich die Linie überflogen hatte. Denn Keller rappelte sich nach dem Latten-Freistoßschuss von Levan Tskitishvili gerade wieder vom Boden auf und verdeckte den Ball mit seinen gierig ausgestreckten Armen (60.).

Einen persönlichen Sieg durfte „Überraschungs-Aufläufer” Marcell Jansen feiern. Der Frisch-Profi, den Advocaat für den erwarteten Filip Daems spielen ließ, überzeugte mit einer tadellosen Leistung. Und widersprach damit dem Trainer. Der hatte doch davon gesprochen, dass die Neuen auf jeden Fall besser als die Alten seien. Aber eigentlich ist der 19-Jährige ja auch ein Neuer...