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Aachen: Ein Endspiel, das keines sein darf

Aachen : Ein Endspiel, das keines sein darf

Die Saison begann mit einem Versprechen. „Wir haben 34 Endspiele vor uns”, kündigte Dieter Hecking an. 34 Termine, bei denen es für den kleinen Verein um alles ging. 34 Veranstaltungen, um die eigenen Grenzen zu überschreiten. Das ist ein paar Monate her, Hecking liegt längst im Flussbett der Aachener Geschichte, und nur noch vier Pflichtaufgaben muss der Aufsteiger bewältigen. Und immer noch hält die Überraschung an.

Die Macher der Tabelle weisen dem Aufsteiger vier Spieltage vor Toresschluss immer noch alle Chancen zu. Das ist zumindest ein kleiner Zwischenerfolg.

Vier Spieltage bis zum Glück? Nur das viertletzte kleine Endspiel darf ausgerechnet nicht als Finale daher kommen. Diesen Begriff meidet Michael Frontzeck wie der Teufel das Weihwasser.

„Das Spiel gegen Hertha ist kein Endspiel”, sagt der Trainer des Tabellen-16. Ohnehin ist die Partie mit Sorgen und Anspannung überladen, der Coach will den Stressfaktor reduzieren. „Gegen Berlin fällt keine Entscheidung - weder in die eine oder andere Richtung”, sagt er.

Es ist nicht nur ein Appell ans Publikum, es ist auch ein dringender Hinweis an die eigene Mannschaft, die Geduld und damit die Ordnung an diesem Samstag nicht aufzugeben. Der Zeitpunkt rechtfertige noch kein Harakiri, notfalls müsse sich der unbeugsame Aufsteiger auch mal mit einem Punkt begnügen.

Beim letzten Heimspiel gegen Dortmund überdrehte die Mannschaft, wollte mit Macht die Vorentscheidung im Klassenkampf. Jetzt fallen auch die Sätze kleiner aus. „Wir können wieder einen großen Schritt schaffen”, sagt Alexander Klitzpera vor der nächsten Herausforderung. Allerdings schaut da eine Prominenten-Auswahl vorbei.

Ein paar hundert Länderspiele laufen am Samstag mit dem Hertha-Logo am Tivoli ein. Simunic (50 Partien für Kroatien), Dardai (Ungarn, 49), Gilberto und Mineiro (Brasilien/15 und 5), Bastürk (Türkei, 45), Pantelic (Serbien und Montenegro, 10) gelten nicht als Laufkundschaft. Zudem kehrt die deutsche Abwehrkraft Arne Friedrich (49 Länderspiele) nach Verletzungspause zurück ins Team. Hinter den so hoch dekorierten Nationalspielern wird Fiedler das Tor hüten.

Die Partie wird zum Maskenball für den nicht unumstrittenen Keeper, der das Donnerstagstraining mit gebrochener Nase beendete. Als einzige Alternative bieten die Berlinern nur den völlig unerfahrenen Regionalliga-Keeper Nico Pellatz auf.

Die Leistungen zuletzt stimmten (meistens), die Ergebnisse nicht mehr. „Die Lage hat sich zugespitzt”, sagt Klitzpera, „aber wir haben schon sehr viele Drucksituationen bestanden.” Der Abwehrchef hat ein Hausmittel gegen den Trend und gegen all die Befürchtungen, die ab 15.30 Uhr mitschwingen.

Man könnte es „praktizierte Nähe” nennen. „Jeder muss seinen Zweikampf gewinnen, und er muss spüren, dass sein Mitspieler sofort in der Nähe ist. So gewinnt man Sicherheit.”

Die Hausherren wollen ihr Netz feinmaschig übers Spielfeld ausbreiten. Gelingt die Übung nicht, wird es schwierig. „Ähnlich wie Dortmund geht auch Hertha sehr gut mit den Räumen um”, sagt Frontzeck. Dann drohen drei eindeutige „Endspiele”.