Mönchengladbach: Eberl: „Wir wollen Marin nicht abgeben”

Mönchengladbach: Eberl: „Wir wollen Marin nicht abgeben”

Was tut ein Sportdirektor 24 Stunden nachdem er sich mit seiner Mannschaft die Erstliga-Zugehörigkeit ertrotzt hat? Rasen mähen! Die Idylle, in der Max Eberl lebt, erlaubt ihm diesen Verstoß gegen die Sonntagsruhe.

Und die Vorarbeiten für seine nun erstklassige Arbeit sind längst in die Wege geleitet. Am Montag wird sich etwa Oguchi Onyewu entscheiden, ob in der kommenden Saison die Innenverteidigung der Borussen verstärken will. „Er hat alles vorliegen”, sagt Eberl. Das 1:1 gegen Borussia Dortmund, die selbst erledigte Rettung ohne Relegationsspiel, war für alle rund um die Borussia eine riesengroße Erleichterung - und den US-Amerikaner mit nigerianischen Wurzeln der Türöffner. Der Nationalspieler will erstklassig spielen.

Gibt der 27-Jährige grünes Licht, bevor er sich am Montag zur Nationalmannschaft aufmacht, kickt er in einem Monat an der Seite seines Ex-Kollegen Dante. Der Winter-Neuzugang unterstrich seine Wertigkeit mit dem vorentscheidenden Führungstreffer beim 1:1 gegen den BVB, nachdem er bereits in Cottbus das Goldene Tor erzielt hat.

Eher ungewollt unterstrich der Brasilianer auch die Wertigkeit eines zweiten Winterzugangs: Mit zwei Klöpsen zwang der Verteidiger Logan Bailly zu großartigen Paraden, die dem belgischen Torhüter ein liebevolles Knuffen seines Trainers nach dem Schlusspfiff und Hans Meyers frohlockendes Lob einbrachte: „Wenn wir ihn morgen verkaufen würden, wäre er schon mehr wert.” Die 2,5 Millionen Euro, die Genk für den 23-Jährigen kassierte, sind klassenerhaltend und gewinnbringend angelegt.

Weniger spektakulär, weniger teuer, aber mindestens ebenso wichtig war der Transfer von Tomas Galasek. Der tschechische Routinier unterstrich gegen den BVB noch einmal seine Ausnahmestellung und ließ die schwache Leistung gegen Bayer Leverkusen einmalig bleiben. Der 36-Jährige ist das Fundament des Mönchengladbacher Klassenerhalts. Und Meyer bedankte sich bei dem „alten Mann, dass er sich noch einmal von seiner Familie getrennt und uns geholfen hat”.

Der Halbjahres-Helfer freute sich über seine gelungene Mission: „Das habe ich mir gewünscht.” Ebenso, wie in der Zukunft wieder näher bei seiner Familie zu sein. Und so verkündete Galasek seinen Abschied von der Borussia und wohl auch vom erstklassigen Fußball, zumindest in Deutschland. Die Familie ist auch Max Eberl wichtiger als sein Job.

Zumal, wenn er in der Berufs-Familie ähnliche Enttäuschungen erlebt, wie am Sonntagmorgen. Seit einem halben Jahr steht fest, dass sich der Manager Marko mit Marin nach dem letzten Spieltag zusammensetzten wollte, um über die Zukunft des heißbegehrten Talents zu reden. Eberl hatte eine intensive Diskussion erwartet. Der 20-Jährige aber hatte andere Vorstellungen: Er kündigte zwar vor dem Training dem Sportdirektor das verabredete Gespräch an - und erledigte es anschließend in drei Minuten.

„Das war ganz dünn”, ärgert sich Max Eberl. „Er hat mir nur erklärt, dass er den Verein verlassen will.” Was für den Ex-Profi keine Überraschung ist, wohl aber die Art und Weise. „Ich habe ihn damals von Frankfurt geholt und ihm die Möglichkeit gegeben, sich hier zu entwickeln. Dabei war nicht unbedingt zu erwarten, dass er sogar Nationalspieler wird.” Sein Verhältnis zu Marin empfand er deshalb auch als ein besonderes. Bis Sonntag. „Ich habe mehr erwartet.” Nämlich, sich darüber zu unterhalten, ob der Wechsel wirklich förderlich für den Offensivkünstler ist.

Das bezweifelt der enttäuschte Förderer, in seinen Augen ist Gladbach für den Dribbel-König eine bessere Spielwiese als die bei Werder Bremen. Und so ist es eine Mischung aus Ratschlag, Verärgerung und Ablösepoker, wenn er bekräftigt: „Wir wollen Marin nicht abgeben.”

Zieht Hans Meyer nicht nur den Hut?

Mission erfüllt: Nach der Sondierungsphase vor der Winterpause holte Hans Meyer mit seinem getunten Team in der Rückrunde 20 Punkte. Sein kollektives Lob: „Ich ziehe meinen Hut vor den Spielern, wie sie ständig mit der Drohung gelebt haben.” Ob der Retter den Hut nicht nur zieht, sondern auch noch nimmt, ließ der 66- Jährige am Samstag noch offen. „Wir haben noch genug Zeit, alles aufzuarbeiten.”

Das hört sich zögerlicher an als die vorab gegebene Ankündigung, im Fall des Klassenerhalts noch ein Jahr weiterzumachen. In den letzten Wochen hatte Meyer immer verbitterter gewirkt. Die inneren und äußeren Widerstände haben ihre Spuren hinterlassen, womöglich den Mann mit der wuchtigen Figur gar zermürbt.

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