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Mönchengladbach: Eberl und seine Anti-Transfers

Mönchengladbach : Eberl und seine Anti-Transfers

Max Eberl war kurz vorm Platzen. Musste er doch hören, wie auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel am Freitag in Regensburg Lucien Favre nach einigem Zögern ein „Nein” in den Presseraum warf.

„Haben Sie schon mal eine Mannschaft trainiert, die personell unverändert gegenüber dem letzten Pflichtspiel der vergangenen Spielzeit in die neue Saison startet?” Borussia Mönchengladbach wird es fast: Allein Juan Arango ist am Freitagabend beim Drittligisten nicht dabei. Er wird wohl durch Lukas Rupp ersetzt. Ohne Copa America aber hätte Arango ebenfalls in der Startelf gestanden, gibt Favre unumwunden zu.

Max Eberl hätte sich diese Frage gewünscht. Denn er hat nur gute Erinnerungen an eine identische Situation: „Unter Hans Meyer haben wir mit unserer Aufstiegsmannschaft zu Hause gegen Bayern München gespielt - und 1:0 gewonnen.” Durch einen fulminanten Treffer von Arie van Lent.

Ein gutes Omen also für die Spielzeit 2011/2012 und für den Sportdirektor ein wenig statistischer Beistand für eine bizarre Situation. Eberl muss sich rechtfertigen, dass er nicht den großen Knaller geholt hat. Der Klub, der einst als „Kaufhaus des Westens” geschmäht wurde, erlaubt sich, den Kader lediglich mit nachdrängenden und hungrigen Profis und einem gestandenen Backup für Linksverteidiger Filip Daems zu tunen.

Glücks- auch als Vorgriffe

Eberl wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass in der Winterpause mit Martin Stranzl und Havard Nordtveit und später mit Torhüter Marc-André ter Stegen aus dem eigenen Nachwuchs bereits der Griff ins Klassenerhalts-Glück getätigt wurde. Drei Eckpfeiler für die Mission impossible, die Favre erfolgreich abschließen konnte. Die Glücksgriffe auch schon als Vorgriffe auf die neue Saison - nur schwer zu vermitteln in einer Zeit, in der die Arbeit eines Sportdirektors erst einmal nach der Höhe der Transfersummen beurteilt wird. Eberl wartet dagegen mit zwei Anti-Transfers auf. Doch die finden in keiner Statistik Eingang oder eine Würdigung: Dante und vor allem Marco Reus bleiben.

Das ist die nächste Sensation nach dem Klassenerhalt. In einer Zeit, in denen Klubs immer mehr zu Durchlauferhitzern für gehaltsverbesserungsgierige Profis werden, überrascht Borussia mit konservativer, eben werterhaltender Personalpolitik. Auch im wirren Konzept der Möchtegern-Revoluzzer um Stefan Effenberg hatte die Kritik ihren Platz gefunden, Borussia gebe seine besten Spieler immer wieder an die Großklubs weiter - wie zuletzt Marko Marin und Marcell Jansen.

Wenn Bradley geht, kommt einer

Und ganz ist das Thema Neulinge, wohl auch naturgemäß zur Freude von Lucien Favre, noch nicht abgeschlossen: Wenn Michael Bradley einen zahlungskräftigen Klub findet, wird Eberl fürs Mittelfeld nachbessern. Die eingespielte Mannschaft aber dürfte für die morgige Aufgabe in Regensburg gut gerüstet sein. „Ich bin gut auf alle Situationen vorbereitet”, will sich Favre nicht festlegen, ob er er den Drittligisten eher defensiv erwartet. Der (Fußball-)Lehrer kennt seine Klasse, hat sie nun seit Mitte Februar geschult mit seiner Idee vom direkten Flachpassspiel und Foulvermeidung. Da wird er einen Klassenneuling wie Lukas Rupp gut verkraften können.