Düren: Düren 77 fehlt der Rasenplatz

Düren: Düren 77 fehlt der Rasenplatz

Mal abgesehen davon, dass sie immer noch auf Asche spielen, läuft es gar nicht so schlecht bei den Fußballern von Düren 77: 33 Punkte in 22 Spielen, Platz fünf in der Kreisliga A, das ist mehr, als sie sich erhofft hatten.

Vergangenes Jahr hat der Klub aus dem Dürener Süden gegen den Abstieg gespielt, und die Verantwortlichen hatten eigentlich damit gerechnet, dass auch diese Saison schwierig werden würde. Jetzt aber stehen sie im oberen Tabellendrittel, Platz drei ist in Reichweite, und Trainer Michael Servos sagt: „Ich bin sehr zufrieden.“

Kann kaum auf Neuzugänge hoffen: Dürens Trainer Michael Servos.

Servos glaubt, dass seine Mannschaft sogar noch ein paar Punkte mehr geholt hätte, wenn sie ein bisschen konstanter gespielt hätte, und wer sich die Statistik anschaut, stellt fest, dass dem Team ein sogenannter Knipser fehlt, einer, der viele Tore schießt.

Das sind kleine Probleme, von denen jeder Fußballverein so seine hat, aber bei Düren 77 haben sie darüber hinaus auch dieses grundlegende Problem: Wer sich für den Verein entscheidet, der entscheidet sich auch dafür, auf Asche zu spielen und auf Asche zu trainieren.

Düren 77 ist einer der wenigen A-Ligisten, die nur auf einem Aschenplatz spielen. Für einen Fußballverein ist das mittlerweile ein großes Problem. Servos sagt: „Es ist ein Wettbewerbsnachteil.“ Bei 77 wird sich daran wohl so schnell nichts ändern. Ein neuer Platz ist nicht in Aussicht.

Lange Zeit war es normal, Fußball auf Aschenplätzen zu spielen, aber seit einigen Jahren geht der Trend zum Kunstrasenplatz, was nicht wirklich überraschend ist. So ein Aschenplatz hat mehr Nach- als Vorteile: Spieler holen sich blutige Schürfwunden, an trockenen Sommertagen stauben die Plätze, wenn es stark regnet, wird ein Spiel zur Wasserschlacht. Auf Asche, das ist kein Geheimnis, spielen die wenigsten Fußballer gern, und wahrscheinlich ist das sogar noch untertrieben.

Das gilt wohl auch für die Fußballer von Düren 77, aber sie spielen dennoch dort, weil sie sich mit dem Verein identifizieren, so sieht es jedenfalls Servos. Sie kämen aus dem Dürener Süden, hätten einen Bezug zum Klub, es gebe eine große Kameradschaft innerhalb der Mannschaft, auch deswegen nähmen die Spieler das mit dem Training und den Heimpartien auf dem Aschenplatz in Kauf.

Zudem gebe es eine ganze Reihe Ehrenamtler, „die hervorragende Arbeit“ leisten. Beides zeichne den Verein seit beinahe 40 Jahren aus. Servos, Trainer seit Anfang der Saison, sagt: „Davor ziehe ich meinen Hut.“ Auch für die nächste Saison hat der komplette Kader schon zugesagt, das ist eine gute Nachricht.

Wie schwierig es ist, selbst im unterklassigen Amateurfußball wie der Kreisliga A eine Mannschaft zu stellen, zeigt ja, dass mit Viktoria Arnoldsweiler II, Alemannia Bourheim und Germania Binsfeld gleich drei Vereine ihre Teams aus der Klasse zurückgezogen haben. Dabei haben sie sogar Rasenplätze.

Düren 77 hat eine gute Mannschaft, technisch versiert, aber es ist kein besonders junges Team. Das Gerüst der Mannschaft sind Spieler, die über 30 Jahre alt sind, die einen Beruf, eine Familie haben; Spieler, die vielleicht gar nicht mehr Fußball spielen würden, wenn ihnen Düren 77 nicht so wichtig wäre.

Sie irgendwann annähernd gleichwertig zu ersetzen, wird wohl die größte Herausforderung für den Klub in näherer Zukunft. Spieler von anderen Vereinen zu holen, ist schwierig. Wegen des Aschenplatzes. Spieler aus der eigenen Jugend einzubinden, ist unmöglich. Wegen des Aschenplatzes. Es gibt in der Umgebung gleich ein Dutzend Klubs, bei denen es bessere Bedingungen gibt. Fußballer spielen lieber dort.

Die Zweite Mannschaft hat Düren 77 im Winter aus Mangel an Spielern zurückziehen müssen, die Jugendabteilung besteht derzeit aus einem Bambini-Team, zwei F-Jugenden und zwei E-Jugenden. Das ist wenig. Wohl zu wenig, um im eigenen Nachwuchs die Zukunft des Vereins zu sehen.

Eltern melden ihre Kinder nicht bei einem Verein an, der nur einen Aschenplatz hat, wenn sie nicht gerade einen Bezug zum Klub haben. Und damit nicht genug: Der Verein könne wegen des Aschenplatzes ja noch nicht mal andere Jugendmannschaften zu einem Turnier einladen, so sagt es Egon Nepomuck, der Präsident von Düren 77: „Da kommt eh keiner.“

Die Lösung wäre der Umbau des Aschenplatzes zu einem Kunstrasenplatz, so hat es der Verein ja auch auf ein selbst gestaltetes Schild am Eingang seiner Anlage geschrieben. Aber es sieht nicht so aus, als würde es diesen Umbau bald geben.

Die zuständige Stadtverwaltung hat auf Grundlage einer Prioritätenliste sechs Kunstrasenplätze in Düren mit 250.000 Euro bezuschusst, der Platz der 77er war nicht darunter, weil sie in dieser Tabelle ziemlich weit unten gestanden haben. Das liegt zum Beispiel daran, dass der Klub nicht viele Mannschaften hat, die den neuen Platz nutzen würden.

Was wiederum daran liegt, dass der Verein nur einen Aschenplatz hat. Ein Teufelskreis. Düren 77 müsste zudem einen Eigenanteil von 100.000 bis 150.000 Euro aufbringen. Nepomuck sagt: „Absolut unmöglich für uns.“ Was auch damit zu tun hat, dass der Verein nur einen Aschenplatz hat. Sponsoren anzuwerben, ist in etwa so schwierig wie das Begeistern von Spielern. Ein großer Teufelskreis.

Ein bisschen hat die Stadtverwaltung dem Verein auch schon unter die Arme gegriffen: Die Asche wurde ausgetauscht, eine Berieselungsanlage angeschafft. Immerhin. „Aber auch das zeigt ja, dass es hier so schnell keinen Kunstrasenplatz geben wird“, findet Servos.

Der Trainer hat dennoch für die nächste Saison zugesagt, er glaube an den Verein. Das geht auch Nepomuck so. Er kennt sich aus: Seit der Gründung des Klubs 1977 ist er dessen Vorsitzender. Bei der Frage, ob er sich Sorgen mache, dass es den Verein irgendwann nicht mehr gebe, muss er deshalb nicht lange überlegen. „Nee“, sagt er. „Eigentlich nicht.“