Köln: Drastische Worte nach einer desolaten Vorstellung

Köln: Drastische Worte nach einer desolaten Vorstellung

Die Wortwahl fiel drastisch aus, passte aber zu der desolaten Vorstellung, die die Mannschaft von Stale Solbakken gegen den rheinischen Rivalen aus Mönchengladbach in den 90 Minuten zuvor gezeigt hatte.

Doch es waren nicht nur die vom restlos bedienten FC-Torhüter Michael Rensing bei seinen Mannschaftskollegen vermissten männlichen Attribute, die eine Brücke schlugen: Auch das Zweikampf-Verhalten des Profi-Teams ähnelte dem Vortrag der FC-Cheerleader vor der Partie.

„Dass wir wieder so einen auf den Deckel kriegen, die Art und Weise, das geht einfach nicht”, konstatierte der 27-Jährige, dessen Team in 13 Partien bereits 29 Gegentreffer kassierte - zweitschlechtester Wert in der Bundesliga. „Jetzt müssen wir klare Worte finden und dürfen das nicht wieder schönreden.”

Weitere Einzelheiten zum fast freundschaftlichen Charakter der 0:3-Schlappe (nur eine Gelbe Karte auf Kölner Seite), oder einem Rezept gegen derartige Einbrüche ließ sich Rensing nicht entlocken. „An diesem Punkt höre ich besser auf, etwas zu sagen”, meinte Rensing mit Blick auf die eigene Brieftasche.

Ein Rezept gegen das Phänomen, dass der FC nur Festspiele oder Beerdigungen erster Klasse kennt, hatte auch Trainer Solbakken nicht parat. „Nach dem ersten Gegentor war der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften recht groß”, sah auch Solbakken sein Team auseinanderbrechen. „Wir hatten einfach zu viele Veränderungen in der Viererkette” betete der 43-Jährige die Hauptursache für die defensive Schwäche herunter. „Und dass wir Lukas Podolski vorne im Sturm brauchen, was er ganz gut gemacht hat, ist natürlich ein Problem. Aber, wenn man kein Geld hat, kann man keinen Stürmer kaufen.”

Fehlendes Tempo

Selbst an der schwachen Vorstellung seines Kapitäns Pedro Geromel konnte der Norweger angesichts der langen Verletzung des Innenverteidigers noch einen positiven Aspekt entdecken: „Gut, dass Pedro 90 Minuten durchgehalten hat. Und in der letzten halben Stunde ist er auch stärker geworden.” Dass Geromel im Schlussdrittel einen stärkeren Eindruck machte, ist vielleicht dem Umstand geschuldet, dass die Borussia nur noch Katz und Maus mit dem Gegner spielte und darüber ein bisschen das Toreschießen vergaß. Im Amateurboxen wäre die Begegnung jedenfalls nach einer Stunde wegen technischer Überlegenheit abgebrochen worden.

Vor allem die offenkundige Ohnmacht gegen den Gladbacher Express-Fußball (Solbakken: „Wir konnten nicht das gleiche Balltempo finden, das wird die größte Aufgabe für die nächsten sieben Tage sein”) hat den Kölner Trainer vor den ausstehenden vier Partien (auswärts gegen Stuttgart und Bayern, zu Hause gegen Mainz und Freiburg) sehr nachdenklich gestimmt. „Die nächsten vier Spiele sind für uns eminent wichtig, denn wir haben unseren Rhythmus verloren.”

Die ausgefallene Begegnung gegen Mainz hat in der schiefen Tabelle nicht nur den Abstand auf die Abstiegsränge auf vier Punkte verkürzt, auch die gesperrten Martin Lanig und Henrique Sereno konnten dadurch das Spiel gegen Mönchengladbach nicht nutzen, unter Wettkampfbedingungen wieder in die Mannschaft zu finden. „Wir werden auch jetzt wieder den Kopf aus der Schlinge ziehen”, verbreitet Torwart Rensing trotz aller Kritik Optimismus. „Wir haben noch ein paar Punkte Polster nach unten und ein weiteres Spiel in der Hinterhand.”

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