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Mönchengladbach: „Disziplin-Mann” mit Humor

Mönchengladbach : „Disziplin-Mann” mit Humor

Ausgerechnet ein Fernseh-Reporter erkannte seinen Landsmann kaum wieder.

Nicht, weil er etwa erwartet hatte, dass Dick Advocaat völlig kahlköpfig daherkommen müsste, nachdem die holländischen Medien während der EM kaum ein gutes Haar an ihrem damaligen Bondscoach gelassen hatten.

Der NOS-Mann wunderte sich über die Lockerheit und den Witz, den Mönchengladbachs neuer Trainer bei seiner Präsentation verströmte. „Horst Köppels Bilanz kann ich nicht steigern: Der hatte zu 100 Prozent Erfolg”, ordnete er seinen (fast) unerreichbaren Interims-Vorgänger ein.

Advocaats Wirken ist auch etwas länger angedacht als das von „Ein-Spiel-Horst”: Bis 2007 läuft sein Vertrag, und wenn es nach dem 57-Jährigen geht, wird er seine Trainerlaufbahn vielleicht später, auf jeden Fall aber in Mönchengladbach beenden.

Wer aber ist dieser Mann aus Den Haag? Nun muss man nicht gerade den Ex-Coach von Glasgow Rangers und PSV Eindhoven als „Anti-Fach” interpretieren.

Doch dass Sportdirektor Christian Hochstätter als Chef-Fahnder nach der Erfahrung mit Jung-Trainer Holger Fach auf einen Trainer-Routinier setzt, ist mehr als ein Zufall.

Denn trotz aller launigen Worte bekennt sich der Holländer ausdrücklich zu seiner „Natur”: „Es ist wie mit Kindern. Wenn du denen sagst, um sechs Uhr ist Essen, dann haben sie sich daran zu halten”, beschreibt Advocaat seinen Stil im Umgang mit seinen Spielern.

Und so springt der Fußball-Lehrer bereitwillig in eine „Schublade”. Den Titel „der kleine General” trägt er wie eine Auszeichnung, denn „ich war lange Assistent von Bondscoach-General Rinus Michels, von dem ich viel gelernt habe”.

So war es dem „Disziplin-Mann” (O-Ton Advocaat) beinah peinlich, dass er sich auf dem Podium als einziger Offizieller mit Privat-Krawatte präsentierte. Bei den anschließenden TV-Interviews bereits ließ er den Klub-Binder quasi entschuldigend in der Hand baumeln.

„Unser Wunschtrainer”

Vom Kumpel-Stil mit dann umso mehr überraschenden Ausfällen seines Vorgängers ist Advocaat weit entfernt. Das Fußball-System aber ist identisch - 4-4-2 -, wofür er in seiner Heimat nur Kritik geerntet hat, in Mönchengladbach aber auf offene Türen gestoßen ist.

„Er ist unser Wunschtrainer”, sagt Präsident Rolf Königs. Ausschlaggebend aber war nach dem ersten Telefon-Kontakt einen Tag nach der Fach-Entlassung vor einer Woche ein Gespräch am Freitag mit Christian Hochstätter.

„Das war sehr intensiv, und ich hatte das Gefühl, dass ich mit ihm so erfolgreich zusammenarbeiten kann wie seinerzeit beim PSV mit Manager Frank Arnesen”, sagt Advocaat.

Und als er am Mittwoch zum ersten Mal das Stadion sah, war er abgesehen von dieser Wahlverwandtschaft - „attraktiver aber organisierter Fußball” - erst recht überzeugt, sich richtig entschieden zu haben. „In ein, zwei, drei Jahren sollten wir damit in Europa spielen.”

Andere Lockmittel musste Gladbach für den Scherzbold angeblich nicht einsetzen: „Ich habe genug Geld.”

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