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Mönchengladbach: Die „Zecke” verschont die Borussia

Mönchengladbach : Die „Zecke” verschont die Borussia

Für Sportler an sich ist es wenig förderlich, ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper zu besitzen. Für Fußballer im Speziellen zu ihren unteren Extremitäten.

So bleibt zu hoffen, dass Andreas Neuendorf die 19. Minute beim 1:1 von Hertha BSC bei Borussia Mönchengladbach nicht zu einem schmerzhaften Ritual animiert: Jeden Abend vor dem Zubettgehen versetzt er seinem linken Fuß „Knöchel-Feigen”.

Bestrafung für einen schier unglaublichen Fehlschuss, als er nach wunderbarer Vorarbeit von Arne Friedrich den Ball ausgerechnet mit seinem starken Fuß weit am Pfosten vorbeisetzte.

Das wäre das 2:0 für die Berliner gewesen, die Aufhol-Nuss, die Gladbach dann zu knacken gehabt hätte, wäre wesentlich härter, wenn nicht gar unknackbar gewesen. „Klar, in dem Moment meckert man”, gesteht Hertha-Trainer Hans Meyer, „aber solche Dinge passieren eben.” Mit Auswirkungen nicht nur aufs Punktekonto.

Die „Vergebung” als Lernprozess: „Bei ähnlichen Szenen habe ich bisher immer gelächelt. Ab heute halte ich den Mund, wenn ich so eine Szene sehe”, verspricht Neuendorf eine womöglich hartnäckige Wandlung: Immerhin ist sein offizieller Trikot-Name „Zecke”.

Die Neuendorfsche (Fuß-)Prügel-Orgie könnte eine Mönchengladbacher Entsprechung erleben - mit umgekehrtem Vorzeichen. Allabendlich müsste Bradley Carnell seinen linken Fuß küssen.

Der Grund: Dieses Werkzeug sichert ihm seinen Arbeitsplatz, obwohl er seinen wenig inspirierten Beiträgen in der Rückrunde am Samstagnachmittag einen weiteren hinzufügte.

„Wenn es Fußballerisch nicht läuft, muss man es kämpferisch versuchen”, glaubt der Mann mit der Doppelaufgabe: Nach hinten absichern und nach vorne mit Flanken für Turbulenzen etwa im Hertha-Strafraum sorgen.

Seit dem Trainer Holger Fach Joonas Kolkka eine längere Auszeit gönnt, darf sich der Südafrikaner an dieser Kärrnerarbeit versuchen, die womöglich auch hochkarätigere Kandidaten nur schwer gestemmt bekämen.

„Das ist schon heftig. Aber besser, als nur hinten oder gar nicht zu spielen”, gesteht Carnell. „Ich ärgere mich selbst über bestimmte Dinge, aber ich werde in der Woche daran arbeiten, wieder mehr Zug zum Tor entwickeln und das Lösen von 1:1-Situationen zu verbessern”, zeigt sich der 27-Jährige als vorbildlicher Profi.

Speziell in der ersten Hälfte stotterte der Gladbacher Offensiv-Motor, weil Hertha es schaffte, Gladbachs Vorspielmöglichkeiten auf Jeff Strasser und Marcel Pletsch zu reduzieren.

Und da auf der rechten Seite sich Korzynietz-Ersatz Max Eberl nach langer Spielpause auf seine (Defensiv-)Stärken beschränkte, kam Borussia erst spät, als Enrico Gaede sich mehr nach vorne einschaltete, ins Spiel.

Auch der frühe Gegentreffer erwies sich nicht unbedingt als Balsam auf die fußballerischen Borussen-Wunden. In Erwartung eines eigenen Einwurfs standen Strasser & Co. nur Spalier, als Marcelinho Roberto Pinto per „Handspiel” auf die die Reise schickte. Der ansonsten so torungefährliche Portugiese sprang vehement aus dieser Schublade und traf zum 1:0 (9.).

Der späte Ausgleich durch Ivo Ulich (86.) war für Holger Fach die Belohnung „für die gute Moral, die meine Mannschaft erneut bewiesen hat”.

Aber auch der Verdienst der Einwechselspieler van Hout, Kolkka und Kluge: „Das hat diesmal richtig was gebracht.” Und so ist er sicher: „Uns hilft der Punkt mehr.”

1:1 gegen den alten Trainer: Hans Meyer mochte ernsthaft der Interpretation als versöhnlerische Ergebnis-Inszenierung nicht widersprechen. „Genau so wars: Gladbach wollte die Punkte nicht, und dabei ging es auch ein bisschen um Hansi.”

Der positive Empfang durch die Borussen-Anhänger überraschte ihn nicht: „Die Gladbach-Fans lassen sich eben nicht von ,Bild beeinflussen und haben ein Gespür für die inneren Werte.”

Ebenso wenig wird die für Montag offiziell angesetzte Entscheidung über seine Verlängerung bei Hertha überraschen.

Nur zwei positive Möglichkeiten hatten die Hauptstädter. „Wenn ich persönlicher Referent von Wowereit werde oder man mich ,Alt-Kapitalisten mit Gold zuschüttet.” Beides ist nicht geschehen.