1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: „Die Spieler werden die Rechnung bekommen”

Mönchengladbach : „Die Spieler werden die Rechnung bekommen”

Ist der Ruf erst ruiniert, verliert es sich ganz ungeniert. Das demonstrierten die Mönchengladbacher Profis den 53.068 Zuschauern im Borussia-Park, die für die Partie gegen den FC Bayern immerhin einen Top-Zuschlag berappen mussten - bis zur Pause. 0:1, der Rückstand hätte höher sein können, doch der Absteiger war nicht nur dabei, den ohnehin noch kaum vorhandenen Kredit beim Publikum zu verspielen.

Mit einer aufreizend lust- und kampflosen Vorstellung drohte auch noch der Trainer ange- oder gar verbrannt zu werden. Jos Luhukay spürte dies und griff ein: Der sonst so besonnene Niederländer packte die von allen guten Geistern verlassenen Fußballer verbal am Schlafittchen und an die Ehre. „Zur Pause hätte ich sieben, acht Spieler auswechseln können.” Das lassen die Statuten nicht zu. Aber die lautstärkste seiner bisherigen Ansprachen griff: in der zweiten Halbzeit erkämpften und erspielten sich die Geläuterten noch ein 1:1.

„Kein Druck, ein ausverkauftes Stadion, schönes Wetter und ein toller Rasen, die Bayern als Gegner - was will man als Fußballer mehr”, wunderte sich Luhukay über die 45-minütige Provokation seiner Mannschaft. Und trotz der folgenden ebenso langen Wiedergutmachung entzog er zum ersten Mal nach der Partie der Mannschaft den Schutzschild. „Ich hatte den Eindruck, dass einige schon abgeschlossen hatten mit Borussia. Aber die werden von uns am Ende der Saison die Rechnung kriegen. Die Spieler, die in der ersten Halbzeit gespielt haben, müssen sich mal Gedanken machen, ob ihre Zukunft nächstes Jahr hier liegt.”

Auch knapp 24 Stunden später war die Wut des Trainers nicht gänzlich verraucht. Zwar gestand er den Spielern zu, auch nur Menschen zu sein, „aber ich nehme nichts zurück. Die Leistung ist durch nichts zu rechtfertigen.” Lediglich Torwart Christofer Heimeroth („von der ersten bis zur letzten Minuten sensationell gehalten”) und Marvin Compper nahm er aus der Kritik heraus.

Doch das mit der Rechnung wird schwierig. Nicht bei Hassan El Fakiri, dessen Vertrag ausläuft und der am Samstag bewies, dass er ohne Sonderaufgabe im rechten Mittelfeld schnell überfordert ist. Aber im Fall von Federico Insua. Der Argentinier, sicherlich mit einem Gehalt von über zwei Millionen Euro einer der Spitzen-Verdiener der Borussen, brachte Zuschauer und Verantwortliche mal wieder zur Verzweiflung: Der ehemalige Star von Bocca Juniors macht seine Tore fast zwanghaft „net niet” wie der Holländer sagen würde, scheitert spektakulär bis penetrant immer messerscharf am Zweck des Spiels.

„Das ist dann entweder fehlende Qualität oder Effektivität”, sagt Luhukay. Und beschreibt, wie ähnliche - teure - Missverständnisse künftig gemieden werden sollen. „Ich lasse mich nicht durch Namen, hohe Ablösesummen oder hohe Gehälter blenden. Ich will nächste Saison eine Mannschaft, die mit absolutem Willen, Herzen und Leidenschaft in der Zweiten Liga Fußball spielt.”

Der nachvollziehbaren Trennung von Insua stünde allerdings das Eingeständnis gegenüber, mehr als vier Millionen Euro für diesen Luxus-Transfer verbrannt zu haben. Auch per DVD werde keiner mehr verpflichtet. „Ich lasse mir keinen Spieler aufdrängen, den ich nicht gesehen habe. Und ich will mit ihm auch geredet haben.” Professionelles Scouting, Fehler-Vermeidung durch die Beobachtung des Kompetenz-Teams. Zusätzlich aber sei auch wichtig, dass der Gesprächspartner ein Bild seines eventuellen neuen Trainers und der Klub-Philosophie erhalte. Risiko-Minimierung ohne 100-prozentige Garantie. „Ich bin kein Hellseher.”

Fehler würden immer wieder passieren, und „je mehr Spieler du holen musst, umso mehr Fehler sind möglich.” Doch sein letzter Quotient lässt sich sehen. „Ich habe für Paderborn elf Neue verpflichtet, nur bei einem lag ich daneben - der einzige, den ich nicht gesehen habe.”