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Mönchengladbach: Die Selbstzweifel wachsen und wachsen

Mönchengladbach : Die Selbstzweifel wachsen und wachsen

Jos Luhukay steckt in der Zwickmühle. „Die Mannschaft wird von Spiel zu Spiel lernen”, bekräftigte Mönchengladbachs Trainer. „Aber Zeit gibt es nicht. Ergebnisse müssen sofort da sein.” Aber eben andere als ein 0:1 gegen Hertha BSC. Fünf Spiele, nur ein Sieg bei vier Niederlagen. „Der Start ist nicht gelungen.”

Ihn beunruhige das nicht, sagt der Niederländer. Seine Begründung: „Abgesehen von 20, 25 Minuten gegen Hannover waren wir in allen Spielen nicht chancenlos.” Und somit in der Konjunktiv-Tabelle mit mehr Punkten versehen und ein Stückchen höher als Relegationsplatz 16.

Jos Luhukay liebt die sachliche Analyse, so sachlich, dass sie mitunter schonungslos ausfällt. Das unterscheidet ihn angenehm vom seichten Gebrabbel vieler Kollegen, bedeutet aber für seine Spieler eine zusätzliche Belastung.

Mittlerweile aber ist der Aufsteiger auf dem Erstliga-Parkett in eine Phase geschlittert, in der Kritik zur Spirale der Verunsicherung wird: Die Selbstzweifel wachsen und wachsen.... Nach dem 1:5 gegen Hannover konnte die Brust nur trichterförmig statt geschwollen sein. Unter diesem, nur unter diesem Gesichtspunkt war die erste Hälfte gegen die Berliner recht ordentlich.

Immerhin erspielte sich die Borussia drei dicke Chancen. Drei mal mit Beteiligung von Oliver Neuville, der zum ersten Mal in dieser Saison wieder in der Startelf stand. Bei der ersten verweigerte Michael Bradley einen Traum-Einstand, als sein Möchtegern-Schuss nach Neuville-Flanke zur Rückgabe verkümmerte (6.).

Der Vorbereiter selbst hämmerte dann ein Kopfball-Zuspiel von Jan-Ingwer Callsen-Bracker gegen den Pfosten (24.) und servierte wenig später seinem (ehemals?) kongenialen Sturmpartner Rob Friend den Ball perfekt auf die Brust. Doch der Torjäger passte sich der Schussschärfe seines Kumpels Bradley an, „unterstützt” vom anschwellenden Grummeln der Zuschauer, denen die Verarbeitung zu umständlich war (30.).

Ein Konjunktiv-3:0 in der ersten Halbzeit auf der einen, ein reales 0:1 auf der anderen Seite: Borussia ist (noch) nicht in der Lage, zu Null zu spielen. Denn zwischenzeitlich nötigte man den Hauptstadt-Klub, in Führung zu gehen. Nun bin ich da, nun kann ich nicht anders: Herthas Verteidiger Gojko Kacar konnte sich der Einladung nicht versagen.

Wie ein Einweiser auf dem Rollfeld öffnete Filip Daems dem Serben die Einflugschneise Richtung Tor. „Das man in der Bundesliga so frei stehen kann, hat mich schon überrascht”, wunderte sich der Spielentscheider später. Diese Merkwürdigkeit hinderte ihn aber nicht daran, humorlos den Pass von Cicero zu verwerten. Ebenso wenig wie ein Marko Marin, der pseudoartig den 21-Jährigen verfolgte, im gebührenden Rückstand von zwei Metern.

Daems hatte sich zu lange Richtung freistehendem Andrej Voronin orientiert, der Abbruch dieser nur hypothetischen Rettungsaktion kam zu spät. Doch der Belgier taugt wenig zum Sündenbock angesichts einer in Zusammenarbeit mit Callsen-Bracker guten Leistung in der Innenverteidigung. Der Fehler passierte so früh, dass noch 78 Minuten Zeit blieben, um zumindest einen Punkt zu retten.

Und wenn man vom Lernprozess spricht, auf den Jos Luhukay stets hinweist, so darf man immerhin goutieren, dass Borussia diesmal nicht die Harakiri-Flucht nach vorne beging. Dafür aber verblüfften die normalerweise Stürmer und Dränger nach einer Drückchen-Phase direkt nach der Pause durch kollektive Harmlosigkeit.

Einzig das an diesem Tage Unglückspärchen Neuville/Friend schlug noch einmal zu: Der Kapitän traf erneut den Pfosten, der Kanadier nur neben das Tor, als er reinfliegend den Abpraller nur vor die Brust bekam (52.). „Ein paar Zentimeter fehlten nur, um ein verdientes Unentschieden zu holen”, ärgerte sich Luhukay. Wohlwissend, dass noch mehr fehlt.

Nicht nur der Kopf der Mannschaft, Patrick Paauwe, der doch noch kurzfristig ausfiel. „Hertha hat wenig investiert, aber sie haben eben Klasse”, lautet die Erklärung des Trainers für ein beängstigendes Phänomen. Ballsicherheit, Tempoverschleppung, ein Kopfball-Spezialist Friend „überragender” Josip Simunic reichten, um Herthas Manager Dieter Hoeneß berechtigt feststellen zu lassen: „Richtige Gefahr war eigentlich nie da.”

Das Bemühen der Luhukay-Schützlinge, die Niederlage abzuwenden, war da. Doch vergiftet von aufkommender Nervosität und Unsicherheit. Und mit Fehlpässen Druck aufzubauen, schafft keine Mannschaft der Welt.