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Aachen: „Die Qualität ist viel besser als ihr Ruf”

Aachen : „Die Qualität ist viel besser als ihr Ruf”

Rund 8000 Fans bereiteten den Fußball-Weltmeisterinnen in Frankfurt einen triumphalen Empfang bei der Rückkehr aus Los Angeles.

In den Jubel über den Titelgewinn mischten sich auch auch nachdenkliche Stimmen. So merkte DFB-Chef Gerhard Meyer-Vorfelder an: „Die Basis beim Frauenfußball ist noch zu schmal.”

Die AZ-Redakteure Wilhelm Peters und Günter Kirschbaum fragten bei den höherklassigen Klubs der Region nach, ob der WM-Titel Hoffnungen auf einen Boom geweckt hat.

Boom oder weiterhin Dornröschenschlaf? Hat der WM-Titel der Mannschaft um Trainerin Tina Theune-Meyer Auswirkungen auf den deutschen Frauen-Fußball?

Vieles spricht eher dafür, dass sich kaum etwas ändern wird. So skeptisch beurteilen es zumindest die Verantwortlichen von drei der vier führenden Klubs in der Region. „Es bleibt alles, wie es ist”, legt sich Toni Zündorf vom Regionalligisten STV Lövenich, einer der Pioniere im Frauenfußball am Mittelrhein, kategorisch fest.

Immerhin! Das öffentliche Interesse erreichte zumindest während der Weltmeisterschaft in den USA jenen Aufschwung, von dem die Sparte sonst nur träumt.

Das mediale Interesse hierzulande gipfelte in der Live-Übertragung des Endspiels zwischen dem DFB-Team und Schweden (2:1 in der Verlängerung) zur besten Sendezeit.

Toni Zündorf, seit 1969 als Trainer und Abteilungsleiter in Lövenich aktiv, glaubt einfach nicht an eine nachhaltige positive Auswirkung des WM-Titels. „Die Leistungen der Nationalmannschaft und in der Bundesliga sind viel besser geworden, aber in den unteren Ligen hat sich das Niveau in den letzten Jahren spürbar verschlechtert”, beklagt Zündorf.

Und er sieht keinen Ansatzpunkt, optimistisch in die Zukunft zu blicken. „Geh doch mal zu einem Bundesligaspiel”, ereifert er sich. „Da triffst du 100 bis 200 Zuschauer. Das wird auch immer so bleiben.”

Gestützt wird Zündorf in seiner Einschätzung von Jakob Scherres, dem Trainer des Verbandsligisten RW Viktoria Waldenrath/Straeten, und Waltraut Kalmbach, der Verantwortlichen der FG Mausauel-Nideggen, die unisono feststellen: „Frauenfußball bleibt eine Randsportart.”

Scherrers ergänzt: „Da können die Mädchen zaubern, soviel sie wollen.” Was den Mann aus dem Kreis Heinsberg aber nicht davon abhält, weiterhin viel Zeit und Geld in seine ehrenamtliche Tätigkeit zu investieren.

An einen positiven Effekt glaubt Josef Schaahxs. „Dieser WM-Titel hat einen unheimlichen Stellenwert für den Frauenfußball”, glaubt der Trainer des FC Teutonia Weiden, der in der Verbands- und Landesliga vertreten ist.

„Ich hoffe”, sagt der Coach, „dass sich nun mehr Jugendliche und ältere Spielerinnen in den Vereinen anmelden.”

Positive Reaktionen auf die WM-Leistungen erfuhr Schaahxs am letzten Sonntag, als sein Team 3:0 in Dieringhausen gewann: „Da haben viele Männer zugesehen und waren durchaus angetan von den Leistungen. Manche Zuschauer kamen nach dem Spiel zu mir und haben die Leistungen gewürdigt.”

Schaahxs Wunsch: „Die Medienpräsenz müsste viel größer sein. Ich hoffe, dass es nun zumindest einen kleinen Boom gibt. Die Mädels haben Spaß am Fußball, Wille und Bereitschaft stimmen. Die Qualität ist viel besser als der Ruf.”

Das weiß auch Waltraud Kalmbach, die lange Jahre im Verband als Mädchen-Beauftragte tätig war und heute Leiterin der Frauenabteilung beim Verbandsligisten FG Mausauel-Nideggen ist.

Dennoch ist sie trotz des WM-Titels skeptisch, was das Interesse betrifft: „Im Frauenfußball ist die Welt leider nicht in Ordnung. Ich bezweifle, dass sich nun etwas ändert.”

Anders ihre Erfahrung 1989, als die DFB-Fußballerinnen erstmals den EM-Titel holten: „Damals habe ich eine sehr positive Resonanz erfahren, es wurden in der Folgezeit sehr viele Mädchen-Mannschaften gegründet. Aber vor zwei Jahren, nach dem fünften EM-Titel, war das nicht mehr der Fall. Das ist mir zwar unerklärlich, war aber so.”

Was der Funktionärin Hoffnung macht, ist die Erfahrung, „dass an den Schulen heute der Mädchenfußball stärker befürwortet wird”.

Eine Möglichkeit, die Popularität zu steigern, seien Patenschaften zwischen Vereinen und Schulen, „die aber noch zu wenig realisiert sind”.

Die Unterstützung des Dachverbandes DFB habe sich in 20 Jahren „sehr gesteigert”, es mangele aber an Sponsoren.