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Bremen: „Die Bremer sind uns drei Jahre voraus”

Bremen : „Die Bremer sind uns drei Jahre voraus”

„Der Spaß geht weiter - Werder gegen Gladbach live” - die Fischlokale in der Bremer Innenstadt versuchten ihre Kundschaft mit einem süßen Nachtisch auf das 5-Gänge-Gala-Dinner in der Champions-League gegen die „Alte Dame” aus Turin vor die Leinwände zu locken.

Das 2:0 gegen die Borussia wurde dann allerdings mit eher trockenem Humor serviert. Zu drückend war die Bremer Überlegenheit, zu eindeutig das Ergebnis. Ein „eiskalter Sieg” der Europapokalhelden über die Mittelmaß-Truppe vom Niederrhein.

„Es war in Anführungszeichen - ohne ihnen nahe kommen zu wollen - ,nur Gladbach. Und die haben glaube ich nicht ihr bestes Spiel abgeliefert”, urteilte Bremens Torschütze Miroslav Klose. Harter Tobak für die Borussia, doch Klose hat Recht.

„Die Beine waren schwer, deshalb war es wichtig, früh die Tore zu schießen, das ist uns gelungen”, erklärte der Nationalstürmer das Geheimnis des zweiten Bremer Erfolgs in vier Tagen. Er selbst hatte das 1:0 vorgelegt, Sturmpartner Ivan Klasnic noch vor der Pause mit dem 2:0 nachgezogen. „Später haben wir dann eher gearbeitet statt gespielt”, sagte Klose. Ein Arbeitssieg eben.

Und Gladbach konnte nichts dagegen tun. Auch wenn Oliver Neuville damit haderte, dass der Schiedsrichter ihm ein seiner Meinung nach reguläres Tor, wegen einer angeblichen Abseitsstellung, nicht anerkannte. Den eindeutigen Beweis lieferten auch die Fernsehkameras später nicht - eine Zentimeterentscheidung.

Trainer Horst Köppel hatte seine Mannschaft wie angekündigt vom 4-4-2 auf ein 3-3-2-2-System umgestellt. „Wenn es klappt heißt es, der Trainer hat alles richtig gemacht, wenn es daneben geht, bin ich der Depp”, lautete seine Entschuldigung bereits vor dem Anpfiff. Es klappte nicht, aber der Depp wäre er in diesem Spiel wohl auch bei jeder anderen Taktik gewesen.

„Wenn wir mit zwei Innenverteidigern gespielt hätten, hätten Klose und Klasnic vielleicht jeder zwei Tore geschossen - wer weiß”, philosophierte Köppel. Vielleicht hat er Recht, vielleicht auch nicht. Eindeutig ist: In ihrer jetzigen Verfassung hat seine Mannschaft gegen einen Gegner wie Werder einfach keine Chance.

Keine Automatismen

„Werder hatte immer zwei, drei Anspielstationen, sie konnten den Ball laufen lassen und hatten damit einen geringen Kraftverlust. Unser Spiel war hingegen viel zu kraftaufwendig, wir hatten meistens nur eine Anspielmöglichkeit”, erklärt Marcell Jansen das Dilemma, „bei Werder sind die Bewegungsabläufe einfach drin, da weiß jeder, was er zu tun hat, wo der andere steht. Das macht den Unterschied.”

Eine Frage der Klasse? Der Übung? Der Zeit? Das sei Nichts, was die Borussia nicht auch lernen könne, meint Horst Köppel, aber das gehe nun mal nicht von heute auf morgen: „Ich habe das schon in der Halbzeit zu Klaus Aloffs gesagt. Die Bremer sind uns einfach zwei, drei Jahre voraus.”

Jansen sieht es ähnlich: „Die spielen schon ewig zusammen.” Und sowieso, es sei doch „nur” eine Niederlage im Weserstadion gewesen. Jansen schlägt deshalb vor die Ruhe zu bewahren: „Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen: Das ist Werder Bremen, die haben Juventus Turin geschlagen. Es hat einfach nicht gereicht!”

Gut würden Jansen und seine Kollegen allerdings daran tun, jetzt selbst einmal gegen Bielefeld und Mainz „humorlos” zu siegen. Andernfalls könnte es den Verantwortlichen im Borussia-Park schwer fallen, den Rat des Nationalspielers auf Dauer zu befolgen.