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Mönchengladbach: Die Borussia ist „Wieder zu Hause”

Mönchengladbach : Die Borussia ist „Wieder zu Hause”

Es sind die unwiederbringlichen Momente, die ein Sportler nie vergisst. Der „Trainer” Franz Beckenbauer symbolisierte ihn 1990 als einsamer Rasen-Spaziergänger bei der WM in Italien. Christian Ziege wählte auch eine einsame Variante.

Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor zog sich auf die von Plexiglas geschützte Auswechselbank zurück, während seine Spieler auf dem Rasen rumtollten. „Ich wollte das nur genießen.” Doch der Mann, der immer wieder den Teamgeist nicht nur der Mannschaft beschwor, wurde von den Zuneigungen seiner Profis buchstäblich überschüttet: Feier-Teufel Nando Rafael funktionierte das Plastik-Refugium zur Bier-Waschanlage um.

Jos Luhukay erlebte die Aufstiegs-Taufe angemessen sportlich - Wasser statt Bier: Punkt 19.55 Uhr beförderte Eugen Polanski den Trainer ins Entmüdungsbecken. „Die Mannschaft hat immer das Beste von sich verlangt und auch gegeben”, lobte der Niederländer seine Spieler. Über das letztendlich souveräne 3:0 über Wehen Wiesbaden mochte eh niemand mehr reden. Obwohl gerade auch Zweifach-Torschütze Sharbel Touma (11./80.) - zudem traf Rob Friend (67.) - sich als quasi neuer Spieler für die Erstliga-Saison vorstellte. „Ich bin endlich angekommen”, frohlockte der Schwede in dem sicheren Gefühl, seine Schnelligkeit und seine brillante Schusstechnik im deutschen Fußball-Oberhaus noch besser einbringen zu können.

Einen neuen Spieler besitzt die Borussia für die noch ausstehenden zwei Spiele - zumindest optisch. Blond, kurzgeschoren - „Ich bin der Filip Daems aus der Viererkette”, versuchte Sascha Rösler Haltung zu wahren. Gerade hatte ihn Physiotherapeut Michael Risse, Sohn eines Friseurs, radikal von seinem Haarschopf befreit.

„Das tut richtig weh”, gestand Rösler, „wenn man so viele Jahre lange Haare hatte. Die nächsten vier Wochen brauche ich mich bei meiner Freundin Annika nicht mehr sehen zu lassen.” Gewohnt ehrlich gestand der 30-Jährige, „dass ich solche Angst gehabt habe. Der Druck war riesig, und ich habe das schon mal erlebt, als wir acht Spieltage vor Saisonschluss mit Aachen eigentlich schon den Klassenerhalt in den Händen gehabt haben und dann doch abgestiegen sind.”

Die Haare wachsen nach, für einige Gladbacher aber war es auch eine Art von Abschiedsspiel. Für Eugen Polanski etwa, der schon bei Getafe (Spanien) unterschrieben haben soll. Auch von Kasper Bögelund, Robert Fleßers, Alexander Baumjohann, Sebastian Svärd und Nando Rafael - trotz seiner Feier-und Tanzkünste - will sich der Verein trennen. Der Aufstieg könnte aber auch die Rückkehr eines verlorenen Sohnes einleiten: Per Kluge ist ein heißer Kandidat, falls Nürnberg absteigt.

„Die Ochsentour hat sich gelohnt”, sagte Borussen-Präsident Rolf Königs. Auch wenn das finanzielle Schlaraffenland wie einst unter Peter Pander für die Profis endgültig vorbei ist. Immerhin aber steigt der Lizenzspieler-Etat von 17 Millionen auf 27 Millionen Euro.

„Wieder zu Hause” prangte auf den vorbereiteten Aufstiegstrikots - kollektive Glücksmomente, die gemeinsam mit den Fans genossen wurden. Doch auch einige wehmütige Momente schlichen sich ein, nicht nur für den Viersener Polanski. Auch andere absolvierten das erste von drei Abschiedsspielen - von ihren Stammplätzen. Alexander Voigt etwa, der es ähnlich schwer bekommen wird wie auch sein Gegenüber Tobias Levels. Fast melancholisch hielt Voigt in den Feier-Turbulenzen der Kabine sein Handy in die Höhe, um einige Erinnerungsfotos zu schießen: Meine letzte Aufstiegsfeier?

Doch schnell war die Tristesse weggespült. „Wir werden alle gemeinsam ein Bierchen trinken”, hatte Luhukay generös zugestanden. Sonntag nach dem Freiburg-Spiel soll richtig gefeiert werden. „Filip” Rösler hat seinen eigenen Kopf: „So können wir nicht nach Hause fahren. Wir lassen die Sau raus.”