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Mönchengladbach: Die Borussia begräbt ein Murmeltier

Mönchengladbach : Die Borussia begräbt ein Murmeltier

Die Karlsruher haderten: „Wir sind schon wieder nicht für unseren Aufwand belohnt worden”, meinte Linksverteidiger Christian Eichner, während Kapitän Maik Franz nach der dritten Niederlage in Folge fand: „Und täglich grüßt das Murmeltier.” Vielleicht war der Blick der Badener getrübt durch das Eckenverhältnis von 12:3, das in der Tat ansehnliche Aufbauspiel und die spielerische Dominanz.

Doch das Chancenverhältnis sprach eine andere Sprache. 5:3 stand es dort nach 90 Minuten für die Gastgeber, die erst einmal das Heimspiel-Murmeltier begraben haben.

Meyer macht´s nicht...

Nach drei Niederlagen in vier Heimspielen gewann Borussia Mönchengladbach endlich wieder einmal zum Debüt von Trainer Hans Meyer - der trotz der medialen Fokussierung auf ihn nicht das Siegtor schoss und das 1:0 auch nicht persönlich über die Runden brachte.

„Wir haben gewonnen.” Drei Worte, die sich zu einem eher banalen Satz im Fußball zusammenfügen. Aber nur dieser Satz zählte am Samstag für die Gladbacher. Wer mehr erwartet hatte unter den 42051 Zuschauern im Borussia-Park, war vergebens gekommen. Die Mannschaft zeigte Herz und Leidenschaft, aber spielerisch war es wenig erbaulich.

Für Meyer kein Wunder, die Hypothek der drei Niederlagen zu Hause wiegt schwer. „Da kann man nicht erwarten, dass sie eine gestandene Mannschaft wie Karlsruhe an die Wand spielt”, sagte Meyer, „ich hab´ vor dem Spiel Bauchschmerzen gehabt.” Vier Tage Training seien zu wenig gewesen, um alles „rüberzubringen”, was er wolle. Aber eines hat die Mannschaft sehr wörtlich genommen, nämlich Meyers Forderung, „auch mal ein Krampfspiel zu gewinnen”.

Dass Kampf und Krampf mit drei Punkten belohnt wurden, lag an Karlsruher Harmlosigkeit im Strafraum. Außer bei Sebastian Freis´ kapitalem Fehlversuch völlig freistehend vor Uwe Gospodarek (19.) und Alexander Iaschwilis Kopfball aufs Tornetz nach Gospodareks Klasse-Rettung gegen Freis´ Schuss (76.) fand der Gast vor dem Tor kaum statt, obwohl Borussias Defensive bei allen zwölf Ecken ziemlich unsicher wirkte.

Für die Gastgeber verpasste bei den besten Möglichkeiten Rob Friend nur knapp per Außenrist und Kopf (40., 43.) das Tor, sorgte aber beim Treffer für die haargenaue Vorarbeit. Thomas Kleines 50-Meter Pass köpfte der Mittelstürmer wie einstudiert in den Lauf von Patrick Paauwe, der mit links aus 16 Metern Markus Miller überwand (51.). Die Entscheidung verpasste Soumaila Coulibaly, nach dessen Freistoß-Kracher aus gut 25 Metern die Latte jetzt noch wackeln dürfte (86.).

Paauwe, wie zuletzt schon von Interimstrainer Christian Ziege in Bochum offensiver aufgestellt und in der 72. Minute von Hans Meyer quasi als Libero vor die Abwehr beordert, ist keiner, der seine seltenen Tore jemandem widmet. Wenn er es Samstag getan hätte, wäre die Mannschaft in den Genuss gekommen. „Ein gutes Miteinander und gutes Füreinander” hatte der Kapitän wahrgenommen, „heute haben wir den Sieg einmal erzwungen.”

Einen wichtigen Sieg - den ersten ohne Gegentor in dieser Saison -, dessen Entstehen überhaupt nicht wichtig war. Das von Hans Meyer so erhoffte und durch nichts zu ersetzende Erfolgserlebnis ist da. Die Fahrt nach Wolfsburg morgen wird so angenehmer, zu einem Spiel, bei dem man laut Meyers Rechnung nur gewinnen kann. Wichtig ist: „Zu Hause musst du sauber bleiben.”

Große Änderungen sind nicht zu erwarten, die Mannschaft von Samstag mit einem überzeugenden „Sechser” Gal Alberman dürfte auch morgen beginnen. Dass mit Ausnahme des verletzten Steve Gohouri - für ihn spielte Alberman und Sebastian Svärd verteidigte für ihn - die Akteure aus Bochum aufliefen, legt den Verdacht nahe: Die überraschende Aufstellung beim Auftritt in Bochum war von Christian Ziege mit Hans Meyer schon abgesprochen - trotz aller Dementis der beiden.