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Mönchengladbach: Der verhinderte Führungsspieler

Mönchengladbach : Der verhinderte Führungsspieler

Er hat noch keine Minute für Borussia Mönchengladbach gespielt. Und dennoch hört man von allen Seiten nur Gutes über Igor De Camargo: Aufgeschlossen, wissbegierig und sympathisch. Das sagt bereits einiges über die Persönlichkeit des neuen Stürmers aus. Aber noch nicht alles.

„Das Lob von allen Seiten ist nicht entscheidend”, wiegelt der Brasilianer mit dem belgischen Pass ab. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.” Also fügen wir den oben genannten Eigenschaften noch hinzu: uneitel und realistisch. Aus dem Stoff sind Führungsspieler geschnitzt, wenn sie denn auch ihre Leistung auf dem Platz bringen. Und die Erkenntnis über die Wahrheit, die landläufig Trainer-Dino Otto Rehhagel zugeordnet wird, verkörpert der 27-Jährige perfekt. „Ich will nur spielen, wenn ich hundertprozentig fit bin. Schließlich soll ich der Mannschaft helfen. Und 70 bis 75 Prozent reichen dafür nicht.”

Deshalb einigte er sich mit Trainer Michael Frontzeck darauf, gegen Nürnberg noch nicht im Kader zu sein. Für das Sonntagsspiel gegen Leverkusen aber fühlte er sich gerüstet. „Ich trainiere gut.” Bis Mittwochnachmittag. Da knickte der Stürmer im Training um und zog sich einen Kapselriss im rechten Sprunggelenk zu. Im linken war ihm zuvor eine Schleimhautfalte geglättet worden, wodurch er die Testspiele und den Saisonauftakt verpasste. Jetzt hofft man, dass de Camargo in der nächsten Woche wieder ins Training einsteigen kann.

Der belgische Nationalstürmer ist als Führungsspieler geholt worden. Und dem ist er sich auch bewusst. „Ich habe zehn Jahre Erfahrungen als Profi. Habe für Genk, Heusden-Zolder, den FC Brüssel und Standard Lüttich gespielt. Ich habe all diese Herausforderungen angenommen. Drei Titel geholt, im Uefa-Pokal und der Champions League gespielt”, zählt der 27-Jährige seine Stationen auf. „Ich habe jeden Tag dazugelernt, jede Minute war wichtig.” Und diese Erfahrung will er in seine neue Herausforderung einbringen. Ohne jede Sonderstellung.

„Ein Spieler muss sich der Mannschaft anpassen - und nicht umgekehrt.” Der vielseitige Stürmer ist ein Mannschaftsspieler. Und hat die gleiche „Philosophie wie Max Eberl”, wie er schmunzelnd betont: „Wenn es der Mannschaft gut geht, geht es auch mir gut. Ein Spieler kann ein Spiel entscheiden, aber nicht über 90 Minuten gut spielen. In den schwächeren Momenten muss er von den Kollegen aufgefangen werden.”

Dieses Credo verkündet er in gutem Deutsch. Nach kaum zwei Monaten kann er sich schon hervorragend ausdrücken. Nicht verwunderlich, denn im polyglotten Team der Borussia ist de Camargo in puncto Vielsprachigkeit bereits der Führungsspieler. Sieben Sprachen beherrscht der gebürtige Brasilianer: Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Flämisch, Englisch und Deutsch. „Ich bin ein offener Junge und spreche auf dem Platz, mit den Kollegen, den Fans und der Presse.” Sich mit Ehefrau Giovana und Söhnchen Enzo (10 Monate) in Mönchengladbach schnell wohlzufühlen, war kein Problem.

Igor de Camargo ist ein passionierter Optimist. „Das hat schon so manchen genervt”, schmunzelt der Stürmer. Und steuert ein Beispiel bei, das fußballnäher ist als die Frage, ist das Glas halbvoll oder - leer? „Wenn wir zu Hause nur Unentschieden spielen, sage ich nicht, das ist ein schlechtes Resultat, sondern: Nächstes Mal machen wir es besser.” Seine Kollegen können das morgen in Leverkusen angehen. Noch ohne ihn.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Marx, Bradley - Herrmann, Arango - Reus, Idrissou