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Mönchengladbach: Der Ansprache sollen nun Taten folgen

Mönchengladbach : Der Ansprache sollen nun Taten folgen

Was kann man in zweieinhalb Tagen machen? Das waren noch Zeiten, als in der Zweitliga-Saison unter Hans Meyer die DSF-Reporter knallhart und mit unglaublichem Fachwissen versehen die irgendwann zum Standard gewordene Frage stellten: „Werden Sie in der kommenden Woche Torschusstraining machen?”

Der Hintergrund war eine offensive und überlegene Spielweise und die mitunter nicht ausreichende Nutzung der sich erspielten Torchancen.

Dafür hätte er dann vier, fünf oder sechs Tage Zeit gehabt (Montagsspiele lassen grüßen). Nun aber nur die Hälfte an Spielraum - und das in der Ersten Liga. Ganz zu schweigen vom Umfang der Entwicklungshilfe. Abwehr-Defizite, mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive, Stellungsprobleme im Mittelfeld und obendrein Charakter-Schulung - Zeitraffertraining wäre die einzige Möglichkeit.

So nebenbei müsste dann abgesehen von der Grundlagenforschung auch noch die taktische Vorbereitung auf den Hamburger SV erfolgen. Der am Samstag ausgerechnet den zuletzt so wenig bissigen Borussen als extrem harte Auswärtsnuss serviert wird.

Nun kann Jos Luhukay zumindest verkünden, dass die Schar der potenziellen Nussknacker immerhin recht groß und angewachsen ist - im Vergleich zur - in den Sand gesetzten - Pokalaufgabe in Cottbus. „Nur Sebastian Schachten und Sebastian Svärd haben noch Trainingsrückstand.” Das Angebot an spielfähigen Profis ist - auf dem Papier zumindest - recht groß.

Über zweien, die wirklich helfen könnten, steht allerdings noch ein Fragezeichen: Patrick Paauwe, Borussias Chef-Organisator, hat am Donnerstag erstmals wieder am Mannschaftstraining teilgenommen. Steve Gohouri wurde nach seiner Strafversetzung zur U23 begnadigt und hat ebenfalls wieder in der „Oberklasse” mitgemacht. Doch den Ivorer zwickt die Patellasehne (Knie). Für beide Entwicklungshelfer soll heute der Härtetest erfolgen, ob sie spielfit für den Samstag sind.

Gohouri wäre auf der rechten Abwehrseite eine Option für Tobias Levels, der in Cottbus den Elfmeterreigen mit einer völlig überflüssigen Grätsche eröffnete. „Mit seiner sportlichen Qualität und seiner vorbildlichen Einstellung ist er immer eine Alternative”, lobt der Borussen-Coach den Sünder.

Die vorbildliche Einstellung bezieht sich dabei wohl ausschließlich auf den Bereich des Spielfeldes, nicht die Organisation und Einhaltung von Reha-Terminen, die ihm zum Verhängnis wurden. In der Vorbereitung hatte sich der 27-Jährige bis zur Verletzung „als Kandidat rechts in der Abwehr für die erste Elf” aufgedrängt, erinnerte Luhukay. Doch der Modellathlet ist auch einer, „der immer in der Innenverteidigung spielen kann”, sagt sein Trainer.

Von Spielpraxis kann man allerdings bei nur einem Einsatz am letzten Wochenende in der U23 auch nicht unbedingt sprechen. Patrick Paauwe hatte bereits gegen Hertha versucht, der Mannschaft zu helfen. Doch beim letzten Härtetest kurz vor Anpfiff meldete sich wieder der lädierte Oberschenkel.

Einen kollektiven Anpfiff gab es am Mittwoch. Dafür reichte die Zeit zwischen Cottbus und dem HSV-Trip allemal. Erst sprach Jos Luhukay in der Kabine Klartext, anschließend verdeutlichte Sportdirektor Christian Ziege den Gladbacher Arbeitnehmern die Position des Vereins.

„Die Mannschaft und die Spieler wissen, worum es geht”, setzt der Borussen-Trainer darauf, dass die Worte auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Das sei aber nicht mit „vielen Worten, nur mit Taten” zu beweisen. „Die Mannschaft muss zeigen, wozu sie in der Lage ist. Dafür sind absolute Bereitschaft und Willen vonnöten. Dann ist immer was möglich - auch gegen den HSV.”

Christian Ziege weiß aus langjähriger Erfahrung als Profi, dass es Situationen gibt, in denen „die einfachsten Pässe nicht ankommen”. Was den Manager aber mächtig fuchste und zum Wort zum Donnerstag animierte, war, dass „die Bereitschaft nicht da war. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt”.

Das sollte wirken bei einem Sportdirektor, der immer die Nähe zum Team sucht und damit auch riskiert, seinen Trainerlehrgang in Köln in den Sand zu setzen. Die - erlaubten - Fehlzeiten hat er bereits überschritten. Am Donnerstag sollte es ein klärendes Gespräch mit Chefausbilder Frank Wormuth geben. Noch besteht Hoffnung, für seine Trainer-Lizenz - und seine Mannschaft.