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Köln: Der Abschied eines Prinzen

Köln : Der Abschied eines Prinzen

Der Abschied des 1. FC Köln aus der Bundesliga steht bereits seit zwei Spieltagen fest. Das hat Spuren hinterlassen auf den Zuschauerrängen, denn zum letzten und völlig bedeutungslosen Saisonspiel kamen nur 49.000 Zuschauer ins Kölner Stadion, das Platz für 50.000 bietet. Die allermeisten dürften allerdings wegen des dritten Durchgangs erschienen sein.

Halbzeit 3: Beginnt in der 82. Minute des noch laufenden Spiels. Zunächst die Südtribüne, schließlich alle 49.000 Zuschauer singen stehend die Vereinshymne „Mer stonn zo dir, FC Kölle”. Gänsehaut lässt es enger werden im Stadion. Ein „kölsch Jeföhl”, das nur noch Lukas Podolski toppen kann: Der Kölner Prinz schießt seinen zwölften Saisontreffer, ein Tor, das durchaus zum neunten Mal der Beiname „...des Monats” schmücken könnte. Aus dem Stand vom Strafraum in den linken Winkel. Als liefe ein Drehbuch ab, rennt Podolski sofort zur Südtribüne, dekoriert die Eckfahne mit seinem Trikot und reißt die Arme in den Himmel. Ein Moment, in dem allen klar wird, das war der letzte Auftritt des 20-Jährigen im Dress der Kölner, der Verein, für den er mehr als sein halbes Leben lang gekickt hat. Eine Szene für ein eigenes Kapitel Vereinsgeschichte.

Patrick Helmes besorgt zwar kurz vor Schluss noch den 4:2-Endstand, doch die Choreographie liegt weiter in den Händen des Kölner Kapitäns. Bei der umjubelten Ehrenrunde der Absteiger-Mannschaft fällt Podolski immer weiter ans Ende zurück, ist schließlich ganz allein auf dem Rasen. Dirigiert alle vier Tribünen zu stehenden Ovationen, klatscht hunderte Hände ab, hält es nur zehn Sekunden im Spielertunnel aus - und rennt erneut ins Stadion. Jeder bekommt sein Autogramm, einen Klatscher, ein Lächeln. Auch sein Familienclan - mit dem Banner „Egal wohin Dein Weg Dich führt, wir werden immer bei Dir sein” auf der Tribüne - kann die Tränen nicht zurückhalten. Ein ganzes Stadion, 49.000 Menschen, jubelt trauernd und trauert im Jubel.

Auch sein hin- und hergerissenes Gestammel nach insgesamt 135 Minuten auf dem Platz lässt ahnen, dass er den gewollten Wechsel zum FC Bayern gefühlsmäßig noch nicht einsortieren kann: Beim Satz „Mit dem Sieg haben wir uns Selbstvertrauen für die Zweite Liga geholt”, blickt er noch als FC-Spieler auf die Welt, mit „Was ich hier durchgemacht habe, hat mancher in seiner gesamten Karriere nicht erlebt”, zieht Podolski fast gleichzeitig einen Schlussstrich. Seine jungenhafte Rotzigkeit, die er viel lieber vor dem gegnerischen Tor als vor den neugierig hingereckten Mikrofonen unter Beweis stellt, hat er spätestens bei der letzten Frage wiedergefunden. Ob er denn zum Abschluss seine Mannschaftskollegen noch auf ein Bier einladen wird? „Nee, hab kein Geld.”