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Köln: Den Kölnern gelingt auch der Schlussakkord

Köln : Den Kölnern gelingt auch der Schlussakkord

Werner Spinner hatte gerade die erfolgreiche Saison Revue passieren lassen, vom souveränen Klassenerhalt geschwärmt, die gute Mannschaft gelobt. Und als ob das noch nicht genug gute Nachrichten gewesen wären, hatte der Präsident des 1. FC Köln für die Abschlussfeier noch ein ganz besondere Neuigkeit vorbereitet.

„Ich kann Ihnen exklusiv mitteilen…“, so begann er seinen Satz, die FC-Familie im Kölner Festhaus „Flora“ wurde unruhig, und Spinner musste ein bisschen lauter sprechen: „… dass wir heute Mittag um 13.50 Uhr mit Jörg Schmadtke und Alex Wehrle vorzeitig verlängert haben.“ Der Präsident hatte die letzte Silbe gerade ausgesprochen, da brandete lauter Applaus auf.

Schmadtke, Geschäftsführer Sport, unterschrieb bis 2020, Wehrle, zuständig für die Finanzen, sogar bis 2021, die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Die Geschäftsführer stehen mit FC-Trainer Peter Stöger für die Ruhe, die bei den Kölnern eingekehrt ist, und beide wollen mit ihrer Verlängerung ein Zeichen setzen, „dass wir auf diesem Weg langfristig vorangehen möchten“, so hat Schmadtke das gesagt. Dieser Weg war zuletzt sehr erfolgreich, seit 2013 sind Schmadtke und Wehrle beim FC beschäftigt, und sie haben Anteil daran, dass Köln in dieser Saison den souveränen Klassenerhalt feiern durfte.

Zu Hause ungeschlagen

Nie hat der Aufsteiger auf einem Abstiegsplatz gestanden, mit dem 2:2 gegen Vizemeister Wolfsburg hat der FC am Samstag auch die angepeilte 40-Punkte-Marke geknackt, er ist in der Rückrunde im eigenen Stadion ungeschlagen geblieben. „Wir haben zum Abschluss eine gute Leistung gegen einen guten Gegner gezeigt“, sagte Stöger zufrieden. Die Partie war ein bisschen der Spiegel der gesamten Saison, der FC war nach seiner frühen Führung durch Osako (3. Minute) zwar gegen den Favoriten noch recht schnell ins Hintertreffen geraten, gab seinen Matchplan trotzdem nicht auf, hielt die Grundordnung und wurde mit dem Ausgleichstor von Slawomir Peszko (61.) belohnt. Diese Geduld hat den FC die ganze Rückrunde ausgezeichnet, „die Jungs können wirklich stolz auf sich sein“, sagte der Trainer.

Das sind sie auch, die meisten Spieler sind mit dem Kopf aber sogar schon ein bisschen weiter. „Es gilt, nächste Saison einen weiteren Schritt zu machen“, sagte Abwehrchef Dominic Maroh. „Der Verein hat den Anspruch, die Qualität weiter zu erhöhen.“ Es werden neue Spieler kommen, es werden Spieler gehen, wobei in Sachen Abgänge ja schon ein paar Fakten geschaffen wurden, und so dauerte die Verabschiedung vor dem Anpfiff des Wolfsburg-Spiels ein bisschen länger. Adam Mattuschyk, Thomas Bröker und Deyverson wurden mit ausreichend Applaus bedacht, Innenverteidiger Kevin Wimmer wurde sogar mit Sprechchören zum englischen Europa-League-Teilnehmer Tottenham Hotspur verabschiedet.

Nur für den Bald-Bremer Anthony Ujah hatten die Kölner Anhänger zunächst nur Pfiffe mitgebracht, das war auch bei seiner Auswechslung nach der Pause so, „dass mich meine eigenen Fans auspfeifen, ist mir sehr nahegegangen“, sagte der Stürmer. Kurz nach dem Spiel aber waren sie doch noch gekommen, die „Tony Ujah“-Sprechchöre von der Südtribüne, und beim Stürmer die ganz großen Emotionen. Der Nigerianer stand vor der Kurve, er weinte und sagte später: „Köln wird immer in meinem Herzen bleiben.“ Das sagen viele Fußballer, aber bei Ujah war das ernst gemeint, er bedauert das Theater um seinen Wechsel.

Gute Argumente

Neuzugänge sind noch nicht bekannt, ein Innenverteidiger, ein Spielmacher und ein Torjäger sollen wohl definitiv kommen. In der Gerüchteküche ist gestern der Name Fabian Frei hochgekocht, der Schweizer vom FC Basel ist ein kreativer Mittelfeldspieler. Der FC hat auf jeden Fall ein paar gute Argumente, um Spieler nach Köln zu lotsen, und da wagt selbst Trainer Peter Stöger einen augenzwinkernden Ausblick auf die nächste Saison: „Wir haben 40 Punkte geholt, das bedeutet, dass man in Köln von der Fünf vorne träumen wird“, sagte er.