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Köln: Daum und die „Selbstmörder im FC-Trikot”

Köln : Daum und die „Selbstmörder im FC-Trikot”

Der Rausch ist einem ausgewachsenen Kater gewichen. Christoph Daum weilt wieder unter den Irdischen. Zwölf Stunden nach dem desaströsen Kick gegen einen klar besseren MSV Duisburg holte der Trainer des 1. FC Köln zu einer schonungslosen Analyse aus. Daum redete nichts an der 1:3-Niederlage schön.

Im Zentrum seiner ersten Bestandsaufnahme stand die Qualität des Kaders, die derzeit einfach nicht ausreicht, um in der Zweiten Liga eine führende Rolle zu spielen.

„Wir müssen die Fehlerquote in entscheidenden Spielsituationen senken”, fordert der 53-Jährige. „Ich wusste, was auf mich zukommt, als ich den Job übernommen hatte. Dass aber in den Sicherheitszonen Selbstmörder im FC-Trikot unterwegs sind, konnte ich mir nicht vorstellen.”

Diese Botschaft war an Aleksandar Mitreski, Fabrice Ehret und Marvin Matip gerichtet. Denn die Drei zerstörten Daums Sicherheitskonzept nachhaltig. Die FC-Defensive war für die „Zebras” keine ernsthafte Herausforderung. Zumal auch Keeper Stefan Wessels der Abwehr keinen Grund liefert, auf ihn zu vertrauen.

„Personalangleichung” - der Begriff, mit der Trainer seinem Kader zur Winterpause droht. „Ich habe mir von dem Spiel die Rückmeldung erhofft, auf wen ich mich bei unserer riesigen Aufholjagd verlassen kann”, lässt Daum einen kurzen Einblick in seine Gedankenwelt zu. „Die habe ich auch bekommen. Es ist nur schade, dass es in einer Situation passiert, in der wir Punkte einbüßen.”

Auf dem Boden

Im Klartext: Augen zu und durch bis zur Winterpause und dann auf Einkaufstour gehen. Dabei sitzt dem FC allerdings der Faktor Zeit im Nacken. „Wir müssen jetzt noch so viele Punkte wie möglich sammeln”, sagt Daum und denkt weiter: „Es ist eigentlich ganz gut, dass wir verloren haben. Du gewinnst in Fürth, dann kommt ein Aufstiegsaspirant, und du gewinnst wieder. Da denkt jeder, der Daum macht das ganz allein. Jetzt können wir in Ruhe arbeiten, jeder hat begriffen, dass Handauflegen nichts nützt.”

Dass er selbst an der Legende vom magischen und charismatischen Fußball-Lehrer mitgestrickt und sie intensiv ausgekostet hat, lässt er außen vor. Aber dieses Thema ist ohnehin beendet. „Wir waren immer auf dem Boden der Tatsachen”, behauptet Daum, „aber von außen ist ein Schwebezustand herbeigeführt worden.”

Dieser Schwebezustand ist überwunden, der Daum-Hype in sich zusammengefallen. Doch „normal” wird es beim FC auch in den kommenden Monaten nicht zugehen. Entweder geht´s sportlich umgehend aufwärts oder es wird unangenehme Monate im Grüngürtel geben. Die Geduld des Anhangs ist mittlerweile stark limitiert. Die Daum-Party dauerte 15 Minuten an diesem ungemütlichen Abend in Köln. Der Rest war Ernüchterung. Der FC stürzte tiefer in die Zweitliga-Grauzone.